Fynn Kliemann Stellungnahme nach Böhmermann-Vorwürfen, Preis wird ihm aberkannt

Youtube-Star Fynn Kliemann lacht in die Kamera.

Der deutsche Youtube-Star Fynn Kliemann, hier im September 2019, hat nach den Böhmermann-Vorwürfen auf Nachfrage eine Stellungnahme abgegeben

Masken-Wirbel um Fynn Kliemann. Jan Böhmermann hat mit seinen Recherchen Brisantes enthüllt. Nun hat sich der YouTube-Star zu den schweren Vorwürfen geäußert – und bereits einen Preis aberkannt bekommen.

Wenn Fynn Kliemann (34) Produkte verkauft, dann stehen Nachhaltigkeit und Fairness stets im Vordergrund - so zumindest das Werbeversprechen. Offenbar hat es der Social-Media-Star damit aber nicht immer ernst genommen, wie die zuletzt öffentlich gemachte Recherchen von Jan Böhmermanns (41) „ZDF Magazin Royale“ zeigen.

Der größte Kritikpunkt: Während Kliemann stets behauptete, die Firma „Global Tactics“ (ihm gehören seit 2021 20 Prozent) lasse Masken in Portugal produzieren, zeigt Böhmermann auf, dass sie in Bangladesch und Vietnam hergestellt wurden. Dafür legt er Beweise in Form von Chatverläufen, E-Mails und Verkaufslisten vor. Ganz bewusst sei die Herkunft dann auch noch gegenüber Großkunden verschleiert worden. Zudem seien fehlerhafte Masken ins Flüchtlingslager in Griechenland gespendet worden.

Fynn Kliemann: Stellungnahme zu Böhmermann-Vorwürfen

Auf RND („Redaktionsnetzwerks Deutschland“)-Anfrage räumt Kliemann nun Fehler ein. „Ich möchte mich in aller Form bei allen Personen, Organisationen, Institutionen entschuldigen, die jetzt ‚auf den ersten Blick‘ enttäuscht und geschockt sind“, heißt es in einer Stellungnahme. Gleichzeitig weist der Unternehmer die Vorwürfe des Betrugs jedoch von sich: „Ich nehme diese Vorwürfe sehr ernst. Für einige muss ich mich entschuldigen und andere muss ich dringend richtig stellen, da jene Betrugsvorwürfe einfach nicht stimmen.“

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„Global Tactics“ habe durchaus Masken in Bangladesch herstellen lassen, räumt Kliemann ein. Aber: „Ich habe diese Masken nie verkauft oder beworben. Ich habe ausschließlich über www.maskeoderso.de Masken angeboten und diese kamen zu 100 % aus Portugal und Serbien. Überall wo bei ‚maskeoderso‘ Portugal und Serbien draufstand, war zu 100 % auch Portugal und Serbien drin.“

Die in Bangladesch produzierten Masken seien vielmehr an Großabnehmer gegangen. Diese seien über die Herkunftsländer informiert worden, so auch „About You“.

Die zitierten E-Mails zum Umlabeln der Versandpakete bezeichnet Kliemann in seiner Stellungnahme als „schlimm“, die Formulierung stehe „zu Recht in der Kritik“. „An dieser Stelle muss ich klar sagen, dass mir dieser Satz hätte auffallen müssen. Denn in der Mail-Kommunikation über die Vorgänge war ich teilweise in Kopie.“

Kliemann habe zu der Zeit etwa 500 Mails am Tag bekommen, so der Musiker weiter. „Ich muss mir klar eingestehen, dass ich den Prozess nicht mehr überblicken konnte. Das darf niemals passieren und somit übernehme ich, auch wenn ich weder Produzent noch Verkäufer war, eine Verantwortung. Durch diese Versäumnisse, mich mit diesen Prozessen nicht eingehend befasst zu haben, habe ich viele enttäuscht.“

Auch „Global Tactics“ hat einige der Vorwürfe bereits eingeräumt. Gegenüber dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ (RND) kündigte Kliemanns Geschäftspartner Tom Illbruck eine ausführliche Stellungnahme für den Nachmittag an. „Vorab: Wir haben nie etwas anderes als Masken in Bangladesh gefertigt, sämtliche Textilien kommen aus Serbien und Portugal“, so Illbruck.

Zuvor hatte der Unternehmer bereits gegenüber dem „ZDF Magazin Royale“ eingeräumt, Masken „über einen deutschen Handelspartner“ auch in Bangladesch produziert zu haben. Er verweist laut der Sendung mit Blick auf die Produktionsbedingungen in Bangladesch auf gängige Branchen-Siegel: „Der deutsche Lieferant hat uns eine BSCI und Oekotex Zertifizierung seiner Fertigungsstätten dargelegt […].“

Folgen des Eklats: Fynn Kliemann bekommt Nachhaltigkeitspreis aberkannt

Die Vorwürfe haben bereits Folgen. Wie am Freitagnachmittag (6. Mai 2022) bekannt wurde, erkennt die „Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis“ den 2020 an Fynn Kliemann verliehenen Preis ab. In der Mitteilung ist von „unlauteren Methoden“ die Rede. Die Stiftung wirft dem 34-Jährigen vor, mit „Greenwashing hintergangen“ zu haben.

Die „DPN“ erinnert auf ihrer Homepage an die Pressemitteilung zur Verleihung des Preises: „Seit 2016 vertreibt er fair produzierte Mode in seinem Onlineshop und spendet Teile des Erlöses an die Organisation Lebenshilfe. Im Zuge der COVID-19-Pandemie ließ er in seinen Produktionsstätten Schutzmasken zu erschwinglichen Preisen für Pflege- und medizinische Einrichtungen herstellen“, hieß es dort.

Dann heißt es: „Die gestern veröffentlichten Recherchen des ZDF belegen, dass diese Aussagen nicht stimmten und in Bangladesch und Vietnam hergestellt wurde. Andere Preisträger zeigen übrigens, dass man auch in Bangladesch und Vietnam überprüfbar zu fairen und ökologischen Bedingungen produzieren kann; diesen Unternehmen hat Kliemann einen Bärendienst erwiesen. Gravierender noch ist die vorsätzliche Verteilung minderwertiger Masken an Flüchtlingslager. Diese Ausnutzung von Notlagen ist mit allem, was wir unter Nachhaltigkeit verstehen, nicht zu vereinbaren.“ (dpa/ra)

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