Vor 50 Jahren schockte der gewaltsame Tod des Hollywood-Stars Sal Mineo in einer dunklen Gasse die Filmwelt.
Bluttat in HollywoodFilmstar schreit um Hilfe – auf offener Straße ermordet

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Sal Mineo (l) beobachtet James Dean (r) und Natalie Wood am Set von „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ – eine Szene, die die emotionale Nähe und Ambivalenz zwischen den Figuren verdichtet und bis heute als einer der eindringlichsten Momente der Filmgeschichte gilt. (Archivbild)
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Er war der Junge aus der Bronx, der Hollywood eroberte – und in einer dunklen Gasse alles verlor. Während Poster von James Dean noch heute viele Studentenwohnungen zieren, ist sein einstiger Co-Star fast vergessen. Dabei jährt sich am 12. Februar 2026 ein Verbrechen zum 50. Mal, das Hollywood bis ins Mark erschütterte: der Mord an Sal Mineo.
Der Sohn sizilianischer Einwanderer war erst 17 Jahre alt, als er für seine Rolle in „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ für den Oscar nominiert wurde. Der frühe Ruhm, der ihn zum Sinnbild des sogenannten „Switchblade-Kid“-Typus und zum sensiblen Rebellen machte, schützte ihn jedoch nicht vor der brutalen Realität in West Hollywood. Mit nur 37 Jahren wurde die Leinwand-Ikone gewaltsam aus dem Leben gerissen.
Sal Mineo: Blutige Messer-Attacke auf Hollywood-Legende
Es war ein kühler Abend im Jahr 1976, gegen 21.30 Uhr, als das Unheil seinen Lauf nahm. Der Schauspieler kehrte laut einem Artikel der „New York Times“ optimistisch von einer Theaterprobe für das Stück „P.S. Your Cat Is Dead“ zurück. Er parkte seinen Wagen unter dem Carport seines Apartments am Holloway Drive 8569, als er plötzlich angegriffen wurde. Eine neunjährige Nachbarin hörte seine verzweifelten Schreie um Hilfe.

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Sal Mineo und Jill Haworth im Monumentalfilm „Exodus“ (1960) – der internationale Kinoerfolg machte Mineo endgültig weltweit bekannt und festigte seinen Status als Hollywood-Star. (Archivbild)
Ein anderer Anwohner, Roy Evans, eilte herbei und fand den schwerverletzten Star in einer Blutlache liegen. Trotz der schnellen Hilfe der Rettungskräfte kam jede Rettung zu spät. Um 21.55 Uhr wurde er für tot erklärt. Die Diagnose: Ein massiver Blutverlust nach einem gezielten Stich direkt ins Herz.
Sal Mineo hoffte auf ein Comeback
Dabei stand Sal Mineo beruflich an einem Wendepunkt. Nach Jahren, in denen Hollywood ihn auf das Image des sensiblen Rebellen festgelegt hatte, arbeitete er Mitte der 1970er-Jahre gezielt an einem Neustart. Mit Rollen in Klassikern wie „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ und „Giganten“ war er einst zum Star geworden.
Bereits in jungen Jahren hatte er zwei Oscar-Nominierungen erhalten und unter anderem als jüdischer Widerstandskämpfer in dem epischen Monumentalfilm „Exodus“ überzeugt. Parallel hatte er sich schon früh auch musikalisch versucht – seine Single „Start Movin’ (In My Direction)“ wurde 1957 ein Hit.
Das Theaterstück „P.S. Your Cat Is Dead“ sollte für das einstige Teenie- und Sexsymbol 1976 mehr sein als nur eine weitere Rolle: Mineo führte Regie, spielte selbst die Hauptrolle und setzte bewusst auf die Bühne statt auf das Filmgeschäft, das ihm lange kaum noch große Angebote gemacht hatte. Freunde beschrieben ihn in dieser Phase als motiviert, optimistisch und voller Pläne – ein Comeback, das kaum begonnen hatte, als es jäh beendet wurde.
Rätsel um Motiv: War die Bisexualität des Stars der Grund?
Lange Zeit tappten die Ermittler im Dunkeln und die Akte 76-1953 blieb ungeklärt. Da die Detektive noch Bargeld in der Jacke des Toten fanden, glaubten viele nicht an einen gewöhnlichen Raubüberfall. Spekulationen schossen ins Kraut: War es eine persönliche Abrechnung oder gar ein Hassverbrechen aufgrund seiner Sexualität?

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Sal Mineo mit der Schauspielerin Jill Haworth bei einem gemeinsamen Auftritt – privat verband die beiden über Jahre eine enge Beziehung, beruflich standen sie für eine Generation junger Hollywood-Stars der 1950er- und 1960er-Jahre. (Archivbild)
Der Schauspieler war einer der wenigen seiner Zeit, die offen mit ihrer Bisexualität umgingen. Er war jahrelang mit der Schauspielerin Jill Haworth liiert, lebte zum Zeitpunkt seines Todes aber bereits seit sechs Jahren mit seinem Partner Courtney Burr III zusammen. In einem konservativen Hollywood hatte ihn diese Offenheit oft wichtige Rollen und den Status als Leading Man gekostet.
Späte Gerechtigkeit durch Knast-Beichte: Der Mörder Lionel Ray Williams
Erst im Jahr 1979 kam die schockierende Wahrheit durch einen Zufall ans Licht. Ein Kleinkrimineller namens Lionel Ray Williams prahlte in einem Gefängnis in Michigan mit der Tat. Er behauptete gegenüber Mitinsassen, einen „großen Fisch“ in Hollywood erledigt zu haben. Die Ermittlungen ergaben schließlich ein bizarres Bild: Williams hatte sein Opfer gar nicht gekannt und wusste nicht, dass er eine Filmlegende vor sich hatte.

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Sal Mineo (r) arbeitete später vor allem in Fernsehfilmen und Serien. Hier ist er neben Ben Gazzara und James Farentino (m) im Fernsehfilm „The Family Rico“ (1972) zu sehen. (Archivbild)
Es war ein zufälliger, sinnloser Überfall eines Serientäters: Im März 1979 wurde Williams laut der „New York Times“ wegen des Mordes und einer Serie von zehn Raubüberfällen zu zehn aufeinanderfolgenden Fünfjahresstrafen verurteilt – insgesamt rund 50 Jahre. Später kam er auf Bewährung frei und bestreitet seine Schuld bis zum heutigen Tag. Mit „Unseen Innocence“ entstand sogar ein Dokumentarfilm, der seine Version der Ereignisse erzählt.
Das tragische Erbe von Sal Mineo: Ein Idol am Gate of Heaven
Neben seinen Filmklassikern erinnert heute nur noch ein Grabstein auf dem Friedhof „Gate of Heaven“ in New York an Salvatore Mineo Jr., den alle nur Sal nannten. Hin und wieder legen Filmfans Blumen für den in Vergessenheit geratenen Hollywood-Star nieder. Sein Tod markierte das Ende einer Ära.
Er hatte sich gegen Konkurrenten wie Clint Eastwood durchgesetzt und mit Filmikonen wie Charlton Heston oder Paul Newman gedreht. Doch während seine Rollen als jüdischer Überlebender in „Exodus“ oder als Angel Obregón II in „Giganten“ Filmgeschichte schrieben, blieb ihm das private Glück verwehrt. Zum 50. Jahrestag bleibt die Erinnerung an einen Mann, der zu jung starb und dessen Schicksal uns mahnt, dass der Glanz von Hollywood oft einen sehr dunklen Schatten wirft.

