Express · Community

Kommentare · 0

Zum Inhalt springen

Ex-Schiri Deniz Aytekin über „brutale Spiele“„Da wirst du hoch und runter beleidigt“

Am Ende der vergangenen Saison hat Deniz Aytekin seine Karriere als Schiedsrichter beendet. (Bild: Getty Images / Matthias Hangst)

Copyright: Getty Images / Matthias Hangst

Am Ende der vergangenen Saison hat Deniz Aytekin seine Karriere als Schiedsrichter beendet. (Bild: Getty Images / Matthias Hangst)

Im Sommer machte Deniz Aytekin nach 254 Bundesligaspielen Schluss. Im Podcast von Robin Gosens blickte der Ex-Schiedsrichter nun auf seine Karriere zurück und sprach unter anderem über den Umgang mit Fehlern und Internethass.

Zum Abschluss seiner Karriere wurde Deniz Aytekin noch einmal eine große Ehre zuteil: 2026 wurde er zum DFB-Schiedsrichter des Jahres gekürt. Im Podcast „Wie geht's? Mit Robin Gosens“ betonte der 48-Jährige, es habe ihn „tief berührt“, wie viel Wertschätzung er in seiner letzten Saison als Bundesliga-Schiedsrichter erfahren habe. Doch während seines langen Werdegangs erlebte Aytekin auch das andere Extrem: Beleidigungen, Drohungen, Online-Hass.

Er habe Spiele geleitet, in deren Nachgang „du hoch und runter beleidigt wirst“, berichtete der einstige Referee. Ihm habe es immer geholfen, sich zu sagen: „Die haben nichts gegen mich als Deniz Aytekin, sondern gegen meine Funktion als Schiedsrichter.“ Anders sei es gewesen, wenn die Kritik „vier, fünf, sechs Tage“ nach den Spielen an ihn gerichtet worden sei. Einmal habe ihn der Chefarzt einer Klinik massiv diffamiert, was bei Aytekin die Reaktion ausgelöst habe: „Das sind doch Menschen, die sollen anderen Menschen helfen.“

Auf nationaler Ebene sei er zum Glück von Morddrohungen und ähnlich Schlimmem verschont geblieben. Auf internationalem Niveau sei das mitunter anders gewesen, wie Aytekin im Gespräch mit Robin Gosens schilderte: Dort habe es einige Spiele gegeben, „die brutal waren, wo so viele Drohungen kamen, das war nicht lustig“.

„Dann sitzt du im Hotelzimmer und guckst stundenlang die Decke an“

Auch aufgrund dieser permanenten Beobachtung von außen habe er sich schon früh in seiner Karriere selbst auferlegt, „weniger zu konsumieren im Sinne von Social Media, Zeitungen und Fernsehen“. Denn, so das Fazit von Deniz Aytekin: „Es bringt dir nichts, wenn du den ganzen Tag liest, dass du danebenlagst.“ Auch an seine Freunde und Familie habe er die dringende Bitte gerichtet: „Schickt mir nichts, ich will das nicht lesen. Lasst mich in Ruhe damit!“

Bei spielrelevanten Fehlern habe er ohnehin genug mit sich selbst zu kämpfen gehabt, erinnerte sich der Ex-Schiri. „Du bist maximal enttäuscht von dir selber und stellst dir die Frage: 'Wie konntest du das übersehen?'“, beschrieb Aytekin, teils wie „ein begossener Pudel“ in der Kabine gesessen zu haben. Noch stärker im Gedankenkarussell sei er gefangen gewesen, wenn mit dem Spiel ein Hotelaufenthalt verbunden war. „Dann sitzt du im Hotelzimmer und guckst stundenlang die Decke an“, sagte er im Podcast von Schalke-Profi Gosens.

Über die langen Jahre seiner Karriere hinweg legte Deniz Aytekin sich aber ein Muster zurecht, um sich von negativen Gedanken zu befreien. Er sei direkt nach den Spielen in eine genaue Analyse gegangen, was er hätte besser machen können. Sei er dabei auf Verbesserungspotenzial gestoßen, habe ihn das „schon wieder erleichtert“. In Kombination mit dem selbst auferlegten Medienverzicht habe das stets gut gewirkt. (tsch)