Zwischen historischem Verbrechen und düsterem Mythos: Die ungarische Adelige Elisabeth Báthory fasziniert seit Jahrhunderten. Zum Kinostart von „Die Blutgräfin“ lohnt ein Blick auf die Frau hinter dem blutigen Ruf.
Elisabeth Báthory soll im Blut ermordeter Frauen gebadet habenWas steckt hinter dem Mythos der „Blutgräfin“?

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„Die Blutgräfin“, die neueste Kino-Adaption des Stoffs, nimmt den grausigen Kult mit Humor. Isabelle Huppert spielt in der Horror-Komödie die Titelfigur. (Bild: Neue Visionen Filmverleih/Vernonique Kolber)
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Sie soll junge Frauen ermordet und in deren Blut gebadet haben, um ihre Jugend zu bewahren: Elisabeth Báthory (1560-1614) zählt zu den berüchtigtsten Figuren der europäischen Kriminalgeschichte. Mit „Die Blutgräfin“ kommt nun ein neuer Film mit Isabelle Huppert in die Kinos, der den düsteren Mythos um die legendäre Adelige erneut aufleben lässt. Doch wie viel Wahrheit steckt hinter der Legende?
Die ungarische Adelige stammte aus einer einflussreichen Familie und besaß beträchtlichen Reichtum. 1610 wurde sie festgenommen. Im Zuge der Ermittlungen wurden ihr schwere Verbrechen vorgeworfen; mehrere ihrer Bediensteten wurden verurteilt. Báthory selbst wurde nicht öffentlich hingerichtet, sondern auf ihrer Burg festgesetzt, wo sie 1614 starb.
Serienmörderin oder Opfer einer politischen Intrige?
Die häufig kolportierte Zahl von bis zu 650 Opfern ist umstritten. Die Prozessunterlagen stützen sich vor allem auf Zeugenaussagen: Rund 300 Menschen wurden befragt, die Kammerzofe Dorothea nannte unter der Folter 36 getötete Mädchen, eine andere Zeugin sprach von mehr als 80 Opfern auf Schloss Sárvár. Doch keiner der Zeugen will die Taten selbst beobachtet haben, und die belastenden Aussagen der Bediensteten wurden unter Folter erlangt.
Die ungarische Historikerin Irma Szádeczky-Kardoss wertet das Verfahren deshalb als politisch motivierten Schauprozess: Báthory wurde ohne formelle Anklage und ohne Urteil eingesperrt. Nach dem Tod ihres Mannes war sie schutzlos, und Palatin Georg Thurzó soll schon zuvor andere Witwen kaltgestellt haben, um an ihren Besitz zu gelangen. Zudem fielen viele der Todesfälle mit Pest- und Typhusepidemien zusammen, und manche vermeintliche Folter könnte eine medizinische Behandlung der Zeit gewesen sein. Andere Experten, etwa der Herausgeber der deutschsprachigen Quellensammlung Michael Farin, halten Báthory dagegen keineswegs für unschuldig.
Auch die Geschichte vom Jungfrauenblut ist historisch nicht belegt. Sie entstand erst lange nach ihrem Tod: 1729, mehr als 100 Jahre später, schmückte der Jesuit László Turóczi die Verurteilung mit frei erfundenen Details aus. Báthory habe beim Foltern Blutspritzer abbekommen, eine Verjüngung ihrer Haut gespürt und daraufhin beschlossen, in Mädchenblut zu baden. Spätere Autoren wiederholten die Erzählung und steigerten sie bis hin zu einer Eisernen Jungfrau in der Folterkammer, Leopold von Sacher-Masoch verarbeitete den Stoff in seiner Erzählung „Ewige Jugend“. Die reale Báthory geriet darüber in Vergessenheit. Sicher ist: Aus einer historischen Affäre wurde ein Mythos, der Realität und Schauermärchen untrennbar vermischt.
Von Heavy Metal bis Horrorfilm: Die Blutgräfin erobert die Popkultur
Báthorys Geschichte ist längst über Geschichtsbücher hinausgewachsen. Im Kino wurde sie unter anderem in „Countess Dracula“ (1971) mit Ingrid Pitt und in Julie Delpys Film „Die Gräfin“ (2009) aufgegriffen. Der Film „Bathory: Countess of Blood“ (2008) erzählt den Stoff wiederum mit einem kritischeren Blick auf die überlieferten Anschuldigungen.

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Heute als „Blutgräfin“ berüchtigt: Elisabeth Báthory (1560-1614) zählt zu den bekanntesten Figuren der europäischen Kriminalgeschichte. (Bild: Unknown artist, Public domain, via Wikimedia Commons)
Besonders tief hat die Blutgräfin ihre Spuren in der Musik hinterlassen. Die schwedische Metal-Band Bathory wählte ihren Namen nach der Adeligen. Venom veröffentlichte 1982 den Song „Countess Bathory“, während Cradle of Filth 1998 mit „Cruelty and the Beast“ ein ganzes Album dem Báthory-Mythos widmeten. Ghost griffen die Geschichte mit dem Song „Elizabeth“ auf, und auch die deutsche Band Untoten widmete ihr 2006 ein Konzeptalbum namens „Die Blutgräfin“.
Ob auf der Leinwand oder als düsterer Soundtrack: Elisabeth Báthory bleibt eine Projektionsfläche für die Faszination am Makabren. Gerade die Unsicherheit darüber, was tatsächlich geschah, macht ihre Geschichte bis heute so unheimlich - und so wirkungsvoll. (tsch)
