„Die reichste Frau der Welt“, „Pferd am Stiel - Ein Hobby-Horsing-Abenteuer“ und „Michael“, ein Filmporträt über den 2009 verstorbenen „King of Pop“ Michael Jackson: Das sind die Kino-Neustarts am 22. und 23. April.
Ein Biopic über Michael JacksonDas sind die Kino-Highlights der Woche

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Die vielleicht schwierigste Biopic-Aufgabe, die man sich vorstellen kann: „Michael“ würdigt den 2009 verstorbenen „King of Pop“ Michael Jackson. (Bild: Lionsgate/Kevin Mazur)
Ein Biopic über Michael Jackson - es gibt wohl ungefähr tausend Wege, das falsch anzustellen, und nur ganz wenige, die es richtig machen. Eine Würdigung soll „Michael“ sein, aber ohne schwindelerregende Abgründe lässt sich diese Geschichte eigentlich nicht erzählen. Eine unlösbare Aufgabe? In jedem Fall muss dieses Projekt eine enorme Herausforderung für alle Beteiligten gewesen sein, und die Öffentlichkeit wird sehr genau hinsehen, wenn „Michael“ nun in den Kinos startet (in diesem Fall schon am Mittwoch, 22. April).

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Es bleibt in der Familie: Jafaar Jackson, der Neffe von Michael Jackson, schlüpft in die Rolle des größten Popstars aller Zeiten. (Bild: Lionsgate/Glen Wilson)
Was das Publikum in dieser Woche außerdem erwartet: „Die reichste Frau der Welt“ mit Isabelle Huppert ist inspiriert von einem echten französischen Skandal, und der Jugendfilm „Pferd am Stiel“ bringt den Hobby-Horsing-Trend auf die große Leinwand.
Michael

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Marianne Farrère (Isabelle Huppert), Erbin eines Milliarden-Imperiums, kann sich alles leisten und nimmt sich, worauf sie Lust hat. (Bild: Neue Visionen Filmverleih)
Michael Jackson starb im Juni 2009, ziemlich genau zehn Jahre später sicherte sich der Produzent Graham King (“Aviator“, „Bohemian Rhapsody“) die Rechte für ein Biopic über den „King of Pop“. John Logan (“Gladiator“, „James Bond 007: Spectre“) wurde als Drehbuchautor verpflichtet, Antoine Fuqua (“Training Day“, „The Equalizer“) übernahm den Posten als Regisseur - hochkarätiges Personal also, so wie man es bei diesem Film auch erwartet. Für die Titelrolle wurde Jafaar Jackson gecastet, der 29-jährige Sohn von Jermaine Jackson und Neffe von Michael Jackson.
Die Handlung des Films reicht von den 60er-Jahren, als Michael (in der jungen Version von Juliano Valdi verkörpert) mit den Jackson 5 erste Erfolge feiert, bis kurz vor dem tragischen Tod des Sängers. Viele ikonische und wegweisende Momente in der Laufbahn des Ausnahmekünstlers werden nacherzählt. In der Ankündigung heißt es: „Der Film erzählt die Geschichte von Michael Jacksons Leben - weit über die Musik hinaus.“

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Meint Pierre-Alain Fantin (Laurent Lafitte) es ernst mit Marianne? Oder geht es ihm nur ums Geld? (Bild: Neue Visionen Filmverleih)
Inwieweit dieser Blick „über die Musik hinaus“ auch in die dunkelsten Kapitel der Biografie von Michael Jackson eintaucht, war bis zuletzt unklar. Auch die Trailer lieferten dahingehend keine eindeutigen Hinweise. Produzent Graham King erklärte vorab, er wolle eine möglichst „unvoreingenommene“ Version der Geschichte erzählen, ohne Dinge zu beschönigen. Angeblich waren die Missbrauchsvorwürfe gegen Michael Jackson Teil des ursprünglichen Skripts. Zuletzt hieß es jedoch in vereinzelten Berichten, entsprechende Szenen seien doch wieder aus dem Drehbuch gestrichen worden.
Die reichste Frau der Welt

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Sarahs (Manon Debaille) Familie kann sich kein echtes Pferd leisten. So entdeckt das Mädchen seine Begeisterung für das Hobby Horsing. (Bild: Port au Prince Pictures / Lieblingsfilm)
Lebensversicherungen, Schecks, Immobilien, Gemälde - insgesamt soll es um Gefälligkeiten und Zuneigungen (oder wie auch immer man es nennen will) im Wert von knapp einer Milliarde Euro gegangen sein. Der Empfänger war ein junger Fotograf mit scheinbar umwerfendem Charme, die Gönnerin die damals reichste Frau der Welt. Die Beziehung von François-Marie Banier und der über 20 Jahre älteren L'Oreal-Erbin Liliane Bettencourt wurde 2008 in Frankreich zu einem nationalen Skandal. Jetzt landet das Drama als Satire auf der Kinoleinwand.
Die Hauptfiguren in „Die reichste Frau der Welt“ heißen zwar nicht François-Marie und Liliane, doch aus der Inspiration lässt sich kein Geheimnis machen. Zu offensichtlich sind die Parallelen der Geschichten. Die im Kino, inszeniert von Regisseur Thierry Klifa (er schrieb gemeinsam mit Cédric Anger auch das Drehbuch), erzählt von einer gewissen Marianne Farrère (Isabelle Huppert), die alles hat: Sie ist intelligent, schön und schwimmt als Erbin eines Milliarden-Imperiums im Luxus. Keine andere Frau auf dem Planeten ist reicher, heißt es.

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Sarah (Manon Debaille, links) und Dilek (Chiara Kitsopoulou) sind beste Freundinnen. Zusammen wollen sie nun ein „Hobby-Horsing-Abenteuer“ bestehen. (Bild: Port au Prince Pictures / Lieblingsfilm)
Marianne ist sich ihrer Macht bewusst und leistet sich dann auch recht ungeniert die Liaison mit dem lebhaften und sehr leidenschaftlichen jungen Fotografen Pierre-Alain Fantin (wurde für seine Darbietung mit einem César als bester Schauspieler ausgezeichnet: Laurent Lafitte). Marianne überschüttet ihren neuen Begleiter geradezu mit ihren Reichtümern. Ihm gefällt dieses Leben in Saus und Braus. Doch vielen anderen Menschen ist diese fragwürdige Beziehung ein Dorn im Auge - vor allem Lilianes Tochter Frédérique (Marina Foïs), die dem charismatischen Piere-Alain nicht über den Weg traut und keine Mittel scheut, um ihre Familie zu schützen.
Pferd am Stiel - Ein Hobby-Horsing-Abenteuer
„Was für ein Quatsch!“ - Viele würden es wohl nicht zugeben, vielleicht auch den eigenen Kindern zuliebe, aber genau so dachten ganz gewiss zahlreiche Menschen, als sie zum ersten Mal von „Hobby Horsing“ hörten. Seit einigen Jahren erfreut sich der - man kann es ja nicht wegdiskutieren - etwas skurrile Sport aus Finnland auch hierzulande zunehmender Beliebtheit. Gerade bei den Mädchen natürlich, deren Eltern sich keine echten Pferde leisten können. Und damit sind wir auch schon mittendrin in der Geschichte von „Pferd am Stiel - Ein Hobby-Horsing-Abenteuer“.
Als Sarah (Manon Debaille) aus einer Hochhaussiedlung im eher weniger wohlhabenden Münchner Stadtteil Neuperlach ihre Begeisterung für das Hobby Horsing entdeckt, trifft sie auch auf genau diese Reaktion: „Was für ein Quatsch!“ In der Schule erntet das Mädchen Hohn und Spott für ihre neue Leidenschaft. Auch ihre beste Freundin Dilek (Chiara Kitsopoulou) findet das Ganze erst einmal ziemlich peinlich. Aber irgendwann ändert sie ihre Meinung.
Ein Film über das Phänomen Hobby Horsing: Da rechnet man vielleicht mit einem seichten Märchen aus einer rosaroten Fantasiewelt - irgendetwas Harmloses halt, um den Hype mitzunehmen. Autorin Gerlind Becker und Regisseurin Sonja Maria Kröner machen es jedoch eine Spur interessanter. Sie zeigen soziale Schieflage, Druck auf dem Pausenhof und Stress mit Eltern. Sie erzählen in diesem Umfeld dann auch von Loyalität und echter Freundschaft. Nachdem Dilek von Sarah überzeugt wurde, dass Hobby Horsing vielleicht doch ganz cool sein kann, fassen die beiden Mädchen einen großen Plan: Sie wollen unbedingt zur Hobby-Horsing-Weltmeisterschaft nach Finnland, egal was alle sagen ... (tsch)
