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Eierschaukeln im SupermarktWas hinter dem Griff in den Schritt von Männern wirklich steckt

Bad Bunny

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Durch Stars wie Bad Bunny ist der «Crotch Grab» zum kulturellen Phänomen geworden. (Archivbild)

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Griff in den Schritt: Was wirklich hinter der Geste steckt

Es passiert in der Supermarkt-Schlange, auf der Straße, überall. Ein Mann greift sich wie beiläufig in den Schritt. Was viele als vulgär empfinden, ist ein kulturelles Phänomen mit überraschenden Hintergründen.

Plötzlich ist es geschehen. Wirkt irgendwie derb und unanständig. Hat der junge Mann mit seinen vielleicht 20 Jahren das eben tatsächlich gemacht, hier in der Kassenschlange? Sich vor allen Leuten durch die Hose sein bestes Stück zurechtgerückt?

Seitdem die gemütliche Jogginghose vor allem bei Jungen und jungen Kerlen zur alltäglichen Garderobe zählt, wirkt diese nebenbei ausgeführte Geste für das körperliche Wohlbefinden fast schon wie ein Brauch. Die Kronjuwelen beim Shoppen neu sortieren? Scheint kein Thema zu sein!

Der „Crotch Grab“ (also der Griff in den Schritt) hat sich durch Hip-Hop-Berühmtheiten und jüngst durch Leute wie Bad Bunny, der aktuell in Europa Konzerte gibt, zu einem kulturellen Ereignis entwickelt.

Von Michael Jackson zu Jogi Löw

Zur Legende wurde diese Handbewegung selbstverständlich einst durch Michael Jackson. Erst kürzlich lief mit großem Publikumserfolg das Biopic „Michael“ in den Kinos an. Vor einem Jahrzehnt erregte Jogi Löw großes Aufsehen, als er sich am Spielfeldrand des damaligen EM-Eröffnungsspiels gegen die Ukraine in die Hose fasste und danach an seinen Fingern roch.

Michael Jackson

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Der wohl legendärste Schrittgriff von allen: Michael Jackson, hier bei einem Auftritt in Gelsenkirchen 1997. (Archivbild)

Es ist an der Zeit, sich mit dieser modischen Tendenz zum Griff ins männliche Gemächt auseinanderzusetzen. Der „Crotch Grab“ war in den vergangenen Dekaden wiederholt ein Streitpunkt und wurde schon zeitig von Frauen bemängelt. Die kanadische Liedermacherin Carole Pope beansprucht beispielsweise für sich, ihn als gezielte Provokation auf die Bühne gebracht zu haben.

Was Madonna dazu zu sagen hat

Madonna hat schon häufiger Ansprachen gegen die Doppelmoral gehalten, die Männern und Frauen im Umgang mit dem eigenen Körper gewährt wird. Um 1990 herum äußerte sie bei einem Auftritt in New Jersey: „Die Leute machen immer so ein Drama daraus, dass ich mir in den Schritt greife.“

Bei Männern würde man sich darüber weniger echauffieren. „Du kannst dich aufregen, wenn ich versuche, dir in den Schritt zu greifen. Aber wenn ich mir selbst in den Schritt greife, dann heißt das einfach nur: Das ist mein Bereich. Lass mich in Ruhe, okay?“

Was bitte ist „Dwerken“?

Bei Männern ist in den letzten Jahren obendrein – in der Ära der sozialen Medien beinahe spöttisch – eine zusätzliche Modeerscheinung rund um das Geschlechtsteil entstanden. Auch der Megastar Bad Bunny gibt sich ihr hin: Die Rede ist vom sogenannten Dwerken.

Dieser Begriff ist eine Wortneubildung aus „dick“ (dem englischen Wort für Penis) und Twerken. Twerking bezeichnet jenen Tanzstil, bei dem in gebückter Position durch gezielte Hüftstöße das Gesäß zum Wackeln gebracht wird. Dwerken ist demzufolge das Hin- und Herbewegen, um den Penis in Schwingung zu versetzen.

Jay-Z: Angeberei ist in Wahrheit Nervosität

Aber kehren wir zum simplen Griff ins Gemächt zurück, dem „Crotch Grab“: „Ich habe dafür eine super Erklärung“, äußerte der Rapper und Musikproduzent Jay-Z schon vor über 15 Jahren in der NPR-Radiosendung „Fresh Air“, als man ihn fragte, weshalb sich Musik-Berühmtheiten an die Genitalien fassen. Die Musikbranche katapultiere häufig ahnungslose Männer an die Spitze, erklärte Jay-Z. „Und dann schickt man diese Person, die noch nie vor vielen Leuten stand, auf die Bühne.“

Eine solche Person besitze also keinerlei Routine im Auftreten vor einem Publikum, erläuterte Jay-Z im Dialog mit der Moderatorin Terry Gross. „Wenn man dann da oben steht, fühlt man sich nackt, richtig? Und was macht man als Erstes, wenn man sich nackt fühlt? Man bedeckt sich. Diese Angeberei ist also ein Akt der Nervosität.“

Ob es nicht das exakte Gegenteil sei, hakte Gross zweifelnd nach? „Genau das wollen sie, genau das wollen wir euch glauben lassen“, erwiderte Jay-Z mit einem Lachen.

Michael Jackson: „Ein Sklave des Rhythmus“

Der Pop-König, Michael Jackson, lieferte einst eine ziemlich verschämte Antwort auf die Frage nach dem Schrittgriff. Im berühmten ABC-Interview mit Oprah Winfrey im Jahr 1993 kicherte Jackson verlegen: „Warum greife ich mir in den Schritt? Ich glaube, das passiert unbewusst.“ Wenn man tanze, würde man die Musik deuten. Man werde dann selbst zu der Empfindung, die der Klang transportiert.

Zusätzlich erklärte Jackson, zu der Zeit 34 Jahre alt: „Wenn ich also eine Bewegung mache und plötzlich – bam! – mich selbst anfasse, dann ist es die Musik, die mich dazu bringt. Es ist nicht so, dass ich unbedingt da unten hingreifen muss, und es ist auch nicht gerade die beste Stelle. Man denkt nicht darüber nach, es passiert einfach. Manchmal sehe ich mir die Aufnahmen später an und denke: \"Habe ich das wirklich getan?\" Ich bin also ein Sklave des Rhythmus.“

Experte: „Eine Mackergeste mit absichtlicher Sprengkraft“

Der Kultur-Experte Moritz Ege von der Universität Zürich schätzt die Geste nicht als völlig harmlos ein. „Also bei Bad Bunny ist es schon sexualisiert, finde ich. Es hat aber gleichzeitig, wie so vieles bei ihm, etwas Beiläufiges. Er hat ja eine Persona geschaffen, die meist ungerührt auftritt.“

Bad Bunny

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Bad Bunny tourt jetzt durch Europa. (Archivbild)

Das Fassen in den Schritt transportiere etwas Machohaftes, meint Ege. Es existiere jedoch eine Differenz zwischen einer Bühnendarbietung und einer Geste im täglichen Leben, so der Professor für Populäre Kulturen und Empirische Kulturwissenschaft. Wobei dieser Unterschied womöglich gar nicht so erheblich ist.

„Bei Bad Bunny besitzt die Sache auch stets eine politische Komponente. Bei der Superbowl-Halbzeitshow war das eine Form der Selbstbehauptung von Latino-Maskulinität oder schlichtweg prolliger Männlichkeit im konservativen Umfeld der Trump-USA“, erklärt der Kultur-Experte. „Es geht da vielleicht auch um ein Spiel mit dem gesellschaftlichen Unwohlsein angesichts offensiv sexuell konnotierten Verhaltens. Eine Mackergeste mit absichtlicher Sprengkraft.“

Andererseits, das räumt auch Ege ein, ist das Zurechtzupfen nicht jedes Mal etwas Herausforderndes und Beherrschendes, das die Genitalregion hervorheben und einen Anspruch auf Macht demonstrieren soll.

Das bedeutet also: Einige fassen sich dort auch nur an, weil es kratzt, zwickt oder der Hodensack in eine unbequeme Lage gerutscht ist. Der Griff in den Schritt zählt dann zum sogenannten Fidgeting, vergleichbar mit dem Herumspielen an den Haaren oder dem Wackeln mit dem Bein: In einer komplizierten, fordernden Welt kann der „Crotch Grab“ ganz einfach ein nervöses Hantieren zur Stressreduktion und zur eigenen Beruhigung darstellen. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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