Dank ESC-Sieg zum Weltstar? Nur wenige der Gewinner-Acts starteten im Anschluss eine große Musikkarriere.
Diese ESC-Gewinner blieben keine One-Hit-Wonder

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Die schwedische Sängerin Loreen gewann 2012 den Eurovision Song Contest - und elf Jahre später erneut. (Bild: Ragnar Singsaas/Getty Images)

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Einer der wenigen Eurovision-Siegertitel, die zu einem Pop-Evergreen wurden: France Gall (1947 - 2018) gewann 1965 mit dem von Chanson-Legende Serge Gainsbourg komponierten Titel „Poupee de cire, poupee de son“. (Bild: Keystone/Hulton Archive/Getty Images)

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Er war zuvor bereits als Interpret und Komponist erfolgreich gewesen, der Sieg beim Eurovision Song Contest bedeutete aber seinen endgültigen Durchbruch: 1966 gewann Udo Jürgens (1934-2014) den Eurovision Song Contest mit dem Titel „Merci, Chérie“. (Bild: Central Press/Hulton Archive/Getty Image)
Hand aufs Herz: Wissen Sie noch, wer letztes Jahr den Eurovision Song Contest gewonnen hat? Johannes Pietsch, Künstlername JJ, trug letztes Jahr mit dem Titel „Wasted Love“ den Sieg davon. Aber trotz seiner bemerkenswerten Countertenor-Stimme machte der Österreicher fast mehr Schlagzeilen mit Israel-kritischen Aussagen als mit seinem Gewinnersong. Damit ist er in guter Gesellschaft: Oder sind Ihnen die Namen Teddy Scholten, Anne-Marie David, Herreys, Niamh Kavanagh oder Ell & Nikki ein Begriff? Nur echte ESC-Fans wissen, dass alle diese Künstlerinnen und Acts den renommierten Wettbewerb gewonnen haben. Denn eine echte Karriere, die mehr als einen (Sieger-)Hit abwarf, machten nur wenige Eurovision-Sieger ...
Die doppelten Gewinner: Johnny Logan und Loreen

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Noch ein Siegertitel, der in ganz Europa die Hitlisten eroberte: Die britische Sängerin Sandie Shaw gewann den Liederwettstreit 1967 mit dem Evergreen „Puppet On A String“. (Bild: Evening Standard/Hulton Archive/Getty Images)

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Alles andere als ein „Waterloo“ erlebte diese Ausnahmeband: Mit ihrem Sieg beim Eurovision Song Contest 1974 starteten ABBA eine Karriere, die sie zu einer der erfolgreichsten Popbands aller Zeiten machte. (Bild: Frank Barratt/Keystone/Getty Images)
Allen voran natürlich Johnny Logan und Loreen, die einzigen beiden Künstler, die bislang zweimal den Song Contest gewinnen konnten. Wobei auch hier der Ehrlichkeit halber gesagt werden muss: Außer den Gewinnertiteln „What's Another Year“ (1980) und „Hold Me Now“ (1987) landete Johnny Logan auch keine weiteren Hits in Europa. Dennoch besitzt er in seiner irischen Heimat, in Skandinavien und auch in Deutschland treue (ESC-)Fans, die seine Alben immer wieder in die Charts hievten. Sein bislang letztes Studioalbum „It Is What It Is“ (2017) verfehlte allerdings europaweit die Top 100.

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Ihr Siegertitel „Save All Your Kisses For Me“ ist bis heute ein Oldie-Ohrwurm: Die britische Formation Brotherhood of Man gewann 1976 den Eurovision Song Contest, blieb aber ein One-Hit-Wonder. (Bild: Rolls Press/Popperfoto via Getty Images/Getty Images)
Auch bei Lorine Zineb Nora Talhaoui, die unter ihrem Künstlernamen Loreen auftritt, sucht man vergeblich nach vielen weiteren großen Hits in den über zehn Jahren, die zwischen ihrem ersten ESC-Erfolg mit „Euphoria“ (2012) und „Tattoo“ (2023) lagen. „My Heart Is Refusing Me“ (2013) belegte europaweit noch gute Plätze, die danach veröffentlichte Single „We Got The Power“ kam nur in Irland auf Platz 98. Alle weiteren Auskopplungen erreichten - wenn überhaupt - nur in ihrer Heimat Schweden in die Charts. Ob sie mit ihrem neuen Album „Wildfires“ (VÖ. 27. März) mehr Erfolg haben wird? Die drei bislang veröffentlichten Singles „Feels Like Heaven“, „Wildfire“ und „Coming Close“ schafften den Sprung in die Charts jedenfalls nicht.
Die Evergreen-Queens: France Gall und Sandie Shaw

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Zahlreiche Künstler traten mehrfach beim Eurovision Song Contest an. Ihm gelang das Kunststück, zweimal zu gewinnen: Seinen ersten Sieg schaffte der irische Sänger Johnny Logan 1980, als er mit dem Titel „What's Another Year?“ antrat. (Bild: 2004 Getty Images/Keystone)

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In ihrer Heimat Kanada war sie bereits ein gefeierter Star, ihr weltweiter Durchbruch sollte aber erst Anfang der 90er-Jahre kommen: 1988 gewann Superstar Céline Dion (Bild, links) den Songwettbewerb für die Schweiz mit „Ne partez pas sans moi“. (Bild: Sobli/RDB/ullstein bild via Getty Images)
Gar nicht so selten wurden Eurovision-Siegertitel zu echten Hits. Und oft blieb nur der Ohrwurm hängen, der Name des Gewinneracts aber nicht, wie im Fall von „Save All Your Kisses For Me“, mit dem die britische Popgruppe Brotherhood of Men 1976 gewann.

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Er war Sänger, Songwriter, Moderator und damals der älteste Gewinner beim Eurovision Song Contest: 1990 gewann der 46-jährige Toto Cutugno mit der Europahymne „Insieme: 1992“ den Wettbewerb. (Bild: EBU)
Nur wenige Künstlerinnen schafften beides: Nach ihrem Sieg 1965 mit dem von Chanson-Legende Serge Gainsbourg komponierten Titel „Poupee de cire, poupee de son“ avancierte nicht nur der Song zu einem Evergreen, seine Interpretin France Gall (1947 - 2018) wurde zu einer der erfolgreichsten Künstlerinnen Frankreichs. Auch hierzulande war sie mit auf Deutsch gesungenen Liedern wie „Links vom Rhein und rechts vom Rhein“ und „Ein bisschen Goethe, ein bisschen Bonaparte“ erfolgreich. 1987 gelang France Gall mit „Ella, elle l'a“ ein weiterer Welthit.

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Sie schafften den bislang letzten Sieg für das Mutterland des Pops: Katrina and the Waves (Großbritannien) gewannen den Eurovision Song Contest 1997 mit dem Titel „Love Shine A Light“. (Bild: Independent News and Media/Getty Images)
Auch Sandie Shaw eroberte mit ihrem Siegertitel in ganz Europa die Hitlisten: Die britische Sängerin gewann den Liederwettstreit 1967 mit dem späteren Evergreen „Puppet On A String“. Zuvor hatte Shaw bereits mit der Burt-Bacharach/Hal-David-Nummer „(There's) Always Something There to Remind Me“ einen Hit gelandet. Danach feierte sie ebenfalls Charterfolge mit deutschen Versionen ihrer Hits, bevor sie sich 1971 nach der Geburt ihrer Tochter ihre Karriere (vorerst) beendete.
Die Etablierten: Céline Dion, Toto Cutugno und Katrina and the Waves

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Lordi schrieben 2006 Eurovision-Geschichte: Sie waren und sind die erste und bislang letzte Hardrock-Band und bis heute der einzige Act aus Finnland, der den Wettbewerb gewinnen konnte. (Bild: Sean Gallup/Getty Images)

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Mit „Euphoria“ gelang Loreen nicht nur der fünfte Sieg für Schweden beim Eurovision Song Contest, sondern auch einer der erfolgreichsten Gewinnertitel aller Zeiten: Die Single verkaufte sich 1,5 Millionen Mal und toppte die Charts unter anderem in Schweden, Deutschland, Österreich, Irland und Norwegen. (Bild: Pablo Blazquez Dominguez/Getty Images)
Dank Eurovision-Sieg vom Newcomer zum Weltstar? Ganz aus dem Nichts - wie auch bei Sandie Shaw - kommen Gewinner-Acts nur selten. Auch nicht die griechische Sängerin Vicky Leandros, die schon vor ihrem Gewinn 1972 mit „Après toi“ einige Hits (“L'amour est bleu“, „Les temps des fleurs“, „Bunter Luftballon“) in zahlreichen Sprachen vorweisen konnte. Ähnlich Céline Dion: In ihrer Heimat Kanada war die Sängerin bereits ein gefeierter Star, bevor sie 1988 den Songwettbewerb für die Schweiz mit „Ne partez pas sans moi“ gewann. Für sie nur ein Schritt zur Weltkarriere, die sie ab den 90er-Jahren feierte.

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Die italienische Rockband Måneskin gewann 2021 mit „Zitti e buoni“ und schaffte mit ihrem Siegertitel in ganz Europa den Sprung auf vorderste Chartplätze. (Bild: Dean Mouhtaropoulos/Getty Images)
Auch Toto Cutugno (1943-2022) war kein Unbekannter: Der Sänger (“L'italiano“, „Serenata“), Songwriter und Moderator wurde 1990 der älteste Gewinner des Eurovision Song Contests. Mit der Europahymne „Insieme: 1992“ gewann der damals 46-Jährige den Wettbewerb. Für ihn war es der letzte große Erfolg seiner Karriere. Auch für die britische Band Katrina and the Waves, die in den 80er-Jahren mit „Walking On Sunshine“ einen der größten 80er-Hits schufen, war der Eurovision-Sieg 1997 ein letzter Höhepunkt: Zwei Jahre nachdem sie mit „Love Shine A Light“ den bislang letzten Sieg für das Mutterland des Pops einfuhren, löste sich die Band auf.
Die Durchstarter: Udo Jürgens, Lordi und Måneskin

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Über zehn Jahre nach ihrem ersten Triumph trat Loreen 2023 wieder für Schweden an: Mit „Tattoo“ holte sie ihren zweiten ESC-Sieg - und den inzwischen siebten für ihre Heimat Schweden. (Bild: 2023 Getty Images/Dominic Lipinski)
Eine Weltkarriere machten nur wenige ESC-Gewinner: Udo Jürgens (1934-2014) etwa, der 1966 mit „Merci, Chérie“ seinen Durchbruch schaffte und danach nicht nur im deutschsprachigen Raum als Chansonnier große Erfolge feierte, sondern auch Tourneen in Griechenland, Polen, Japan und Australien spielte.
Auch Lordi schrieben 2006 Eurovision-Geschichte: Die bereits 1992 gegründete Formation war und ist die erste und bislang letzte Hardrock-Band und bis heute der einzige Act aus Finnland, der den Wettbewerb gewinnen konnte. Ihr Siegertitel „Hard Rock Hallelujah“ ist zudem einer der erfolgreichsten, die Single erreichte europaweit die Top 10. Seitdem ist die Hardrock-Band - auch jenseits ihrer Heimat - eine feste Genregröße.
Alles andere als ein austauschbarer Pop-Act waren und sind auch Måneskin: Die italienische Rockband gewann 2021 mit „Zitti e buoni“ und schaffte mit ihrem Siegertitel in ganz Europa den Sprung auf vorderste Chartplätze, in Deutschland landete der Song auf Platz neun. Das Quartett aus Rom schaffte zudem etwas, was nur den wenigsten ESC-Gewinnern gelingt: Måneskin machten sich auch in den USA einen Namen, 2022 war die Band in der Kategorie „Best New Artist“ für einen Grammy nominiert, ihr Album „Rush“ (2023) schaffte es in den US-Billboard-Charts auf Platz 18.
Und ja, ein letzter (Band-)Name darf natürlich nicht fehlen: Die größte Erfolgsgeschichte in der Geschichte des Eurovision Song Contest schrieben natürlich ABBA. Auch wenn sie zuvor mit „Ring“ bereits in einigen europäischen Ländern einen kleineren Hit gehabt hatten, erst durch ihren Sieg 1974 mit „Waterloo“ starteten ABBA eine Karriere, die sie zu einer der erfolgreichsten Popbands aller Zeiten machte. (tsch)

