3

Die Königin des Country ist totMit Dolly Parton geht eine der letzten großen US-Ikonen

Dolly Parton galt als „Königin des Country“. Nun ist die ikonische Sängerin und Schauspielerin verstorben. (Bild: 2022 Getty Images/Emma McIntyre)

Copyright: 2022 Getty Images/Emma McIntyre

Dolly Parton galt als „Königin des Country“. Nun ist die ikonische Sängerin und Schauspielerin verstorben. (Bild: 2022 Getty Images/Emma McIntyre)

Dolly Parton war eine der größten Persönlichkeiten der US-Unterhaltungsindustrie. Nun ist die Sängerin, die Countrymusik in die Pop-Charts brachte und auch als Schauspielerin Erfolge feierte gestorben. Die Pop-Ikone wurde 80 Jahre alt.

Gerade einmal vier Tage ist es her, da verkündete Dolly Parton mit dem gleichen Selbstbewusstsein, dass sie mehrere Jahrzehnte lang durch eine sich ständig verändernde Musiklandschaft trug, dass sie noch lange nicht am Ende ihrer Pläne sei: „Ich möchte immer noch so viele Dinge erreichen.“ Es sollte ihr nicht vergönnt sein: Die Königin des Country, so der Spitzname, den sie sich verdient hatte, ist am Dienstag, 25. August, verstorben. Ihr Neffe Bryan Seaver hab die Neuigkeiten auf Instagram bekannt. Dolly Parton wurde 80 Jahre alt.

Mit Parton geht eine der schillerndsten Figuren der US-Entertainment-Industrie. Eigentlich war die Sängerin ein wandelnder Widerspruch: Die Künstlichkeit ihrer öffentlichen Persona trug sie stolz mit sich, dabei zählt im Country vor allem Authentizität - zumindest bis Parton auf den Plan trat, mit einer wasserstoffblonden Perücke auf dem Kopf und einer Gitarre in der Hand. Mit Songs wie „Jolene“, „I Will Always Love You“ und „Coat Of Many Colors“ brachte sie das traditionsbewusste Genre in die Pop-Charts und verhalf ihm so zu einem dritten Frühling. Ihr letztes Album unterstrich ihren Anspruch, Schubladen zu sprengen: „Rockstar“, ihre sage und schreibe 50. LP, war ein Rockalbum.

Alle liebten Dolly

Dolly Parton im Jahr 1977: Mit Hits wie „Jolene“ und „9 to 5“ brachte sie den Country in die Pop-Charts. (Bild: Keystone/Getty Images)

Copyright: Keystone/Getty Images

Dolly Parton im Jahr 1977: Mit Hits wie „Jolene“ und „9 to 5“ brachte sie den Country in die Pop-Charts. (Bild: Keystone/Getty Images)

Die Gästeliste dieses letzten Machwerks unterstreicht den Ausnahmestatus den Parton zuletzt genoss. Ob Elton John, Debbie Harry (Blondie), Rob Halford (Judas Priest), Miley Cyrus, Joan Jett, Emmylou Harris oder die überlebenden Beatles-Mitglieder Paul McCartney und Ringo Starr: Dolly Parton war eine Pop-Ikone, die all diese unterschiedlichen Künstlerinnen und Künstler zusammenbringen konnte. Vor allem für Frauen leistete sie nicht nur aber zuallererst im sozialkonservativen Country-Genre Pionierarbeit.

Nicht alle schafften es hinter die Fassade zu blicken. In einem berüchtigten Interview fragte die für ihre gnadenlose Art bekannte Moderatorin Parton 1977, ob sie sich denn nicht wie ein Witz fühle. Die Antwort lieferte Parton schlagfertig und ohne auch nur eine Sekunde lang ihr Lächeln aufzugeben: Der Witz, das sei nicht sie, sondern die Öffentlichkeit. „Ich weiß genau, was ich mache und ich kann es jederzeit ändern. Ich bin mir meines Talents bewusst.“

Die Feministin, die sich nicht so nenne wollte

Ihr Talent ließ sie nicht ungenutzt. Auch unter der Fassade der schönen Harmonien ihrer Songs steckte so manches Mal mehr, als die Oberfläche hergab. Songs wie „Just Because I'm A Woman“ und „Down From Dover“ positionierten sich feministisch im Country-Gewand, auch ein Megahit wie „Jolene“ nahm mit der gehörnten Ehefrau, die sich an die Affäre ihres Mannes richtet, eine ungewöhnliche Perspektive ein. Nicht jedem gefiel das: „Down From Dover“- ein Song, in dem Parton Partei für eine unverheiratete Mutter ergreift, wurde von den Country-Radiostationen der USA mit einem Bann belegt.

Im polarisierten Amerika wollte sie sich zwar politisch auf keine Seite schlagen, auch als Feministin hat sie sich nie selbst bezeichnet. Dennoch setzte sich Dolly Parton stets für marginalisierte Gruppen ein, so auch für die LGBTQ-Community - ein No-Go für viele Country-Künstler, die ihr konservatives Publikum nicht verprellen wollen. Während der Corona-Pandemie spendete sie eine Million US-Dollar für die Forschung eines Impfstoffes. Diese Spende trug dann auch maßgeblich zur Entwicklung des Moderna-Impfstoffes bei. Als sie sich 2021 impfen ließ, veröffentlichte sie ein Video davon, in ihrer humorvollen Art untertitelt: „Dolly gets a dose of her own medicine“ - eine Verballhornung eine Redewendung, die immer dann greift, wenn eine schwierige Person mit ihrem eigenen Verhalten konfrontiert wird.

Eine der letzten großen amerikanischen Ikonen

Humor hatte Dolly Parton. Das beweisen nicht nur die vielen Interviews, in denen sie stets schlagfertig auftrat oder Sketche, in denen sie ihre eigene Kunstfigur aufs Korn nahm. Auch als Schauspielerin bewies sie komödiantisches Talent, etwa in der schwarzen Komödie „Warum eigentlich bringen wir den Chef nicht um?“, für die sie den Titelsong „9 to 5“ schrieb, der sich sogleich in die lange Ansammlung ihrer Hits einreihte. Ihre Rolle in der Musicalkomödie „Das schönste Freudenhaus in Texas“ brachte ihr eine von sechs Golden-Globe-Nominierungen an. Elf Grammy Awards nannte sie ihr Eigen, außerdem drei Emmys und einen Ehren-Oscar. Mehr als 100 Millionen Tonträger hat sie zu Lebzeiten verkauft.

So eindrucksvoll sich diese Zahlen auf dem Papier auch lesen, sie vermögen doch nicht einzufangen, was für eine besondere Persönlichkeit die Welt verloren hat. Denn mit Dolly Parton geht eine der letzten großen Ikonen eines vielleicht verlorenen Amerikas: ein Klischee, das in der Lage ist, sich selbst zu hinterfragen und über sich hinauszuwachsen - und so anderen den Weg ebnet, die sich das nicht getraut hatten. Wenn Dolly Parton sich ihres Talents nicht sicher gewesen wäre, die Welt wäre um einiges ärmer geblieben. (tsch)

Dolly Parton hebt die Arme.
„I Will Always Love You“
Country-Legende Dolly Parton ist tot