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Hollywood-DramaFür 20 Dollar ermordet – Das grausame Ende des „Ben-Hur“-Stars

Ramon Novarro posiert als „Ben Hur“.

Copyright: imago images/Everett Collection

Ramón Novarro wurde durch das Stummfilmepos „Ben Hur“ zum Weltstar. (Archivbild)

Aktualisiert:

Er war einer der größten Stars seiner Zeit, doch dann geriet er in Vergessenheit. Erst seine brutale Ermordung brachte Ramón Novarro zurück in die Schlagzeilen.

Er war der Frauenschwarm der Stummfilmzeit, ein Gott auf der Leinwand. Doch das Leben von Ramón Novarro endete nicht mit Applaus, sondern in einer Nacht voller Terror. Ein Rückblick auf ein Verbrechen, das Hollywood erschütterte – und im Schatten der Manson-Morde fast vergessen wurde.

Ramón Novarro: Der Weltruhm und Absturz eines Idols

In den 1920er-Jahren lag ihm die Welt zu Füßen. Als Hauptdarsteller in „Ben Hur“ schrieb Ramón Novarro Filmgeschichte. Er war neben seinem größten Konkurrenten Rudolph Valentino der Prototyp des „Latin Lover“ und spielte an der Seite der größten weiblichen Stars seiner Ära, darunter Greta Garbo (im Klassiker „Mata Hari“), Myrna Loy, Norma Shearer und Joan Crawford. Auf dem Höhepunkt seines Ruhms verdiente er über 100.000 US-Dollar pro Film, was für die damalige Zeit eine astronomische Summe war.

Ramón Novarro schrieb neben Greta Garbo in „Mata Hari“ Filmgeschichte.

Copyright: IMAGO/Capital Pictures

Ramón Novarro schrieb neben Greta Garbo in „Mata Hari“ Filmgeschichte. (Archivbild)

Wie viele Stummfilmstars hatte Novarro Probleme mit dem Aufkommen des Tonfilms. Obwohl er eine gute Singstimme hatte und mehrere Sprachen sprach, passte sein leicht mexikanischer Akzent nicht mehr in das starre Raster, das Hollywood damals für Hauptdarsteller vorgab. Das Image des „Latin Lover“ wurde durch den Tonfilm entmystifiziert, und das Publikum suchte nach neuen, „bodenständigeren“ Heldentypen wie Clark Gable.

Der „Latin Lover“ und Frauenschwarm war homosexuell

Obwohl er einer der größten Stars des Studios war, weigerte sich Novarro außerdem standhaft, eine von MGM arrangierte Scheinehe, eine sogenannte „Lavender Marriage“, einzugehen. Er wollte seine Homosexualität nicht durch eine solche Fassade verbergen, was zu massiven Spannungen mit dem mächtigen Studioboss Louis B. Mayer führte.

Diese Unbeugsamkeit hatte berufliche Konsequenzen, denn im Jahr 1935 wurde sein Vertrag bei MGM schließlich nicht mehr verlängert. In der Folgezeit versuchte Novarro zwar, sich als Regisseur sowie als Schauspieler in Europa neu zu erfinden, doch er konnte nie wieder an seinen Status als Weltstar anknüpfen. Sein einstiger Ruhm verblasste zunehmend, bis er schließlich nur noch in unbedeutenden Nebenrollen oder B-Movies zu sehen war.

Ramón Novarro neben Myrna Loy in „Liebeslied der Wüste“.

Copyright: imago stock&people

Ramón Novarro neben Myrna Loy in „Liebeslied der Wüste“ (1933).

Mit dem Schwinden seines Ruhms und dem Zwang, sein Schwulsein geheim zu halten, kämpfte Ramón Novarro zunehmend mit Alkoholproblemen. Er zog sich in sein Haus in den Hollywood Hills zurück. Zwar blieb er durch kluge Immobilieninvestitionen finanziell abgesichert – doch aus dem gefeierten Weltstar wurde ein einsamer Mann, der dem Glanz seiner großen Zeit hinterhertrauerte.

Doch es sollte noch schlimmer kommen: Am Morgen des 31. Oktober 1968 fand sein Sekretär nur noch die Trümmer einer Legende – den einstigen Hollywood-Star brutal ermordet in seinem Zuhause.

20 Dollar für ein Leben

Was sich in der Nacht zuvor abspielte, spottet jeder Beschreibung. Ramón Novarro hatte zwei junge Männer, Paul und Tom Ferguson, für sexuelle Dienstleistungen in sein Haus gelassen – ein fataler Fehler. Die Brüder, 22 und 17 Jahre alt, hatten es auf sein Geld abgesehen, da sie fälschlicherweise an ein verstecktes Vermögen glaubten.

Über Stunden quälten sie den 69-jährigen Star mit brutaler Gewalt, um ihn zur Herausgabe des vermeintlichen Verstecks zu zwingen. Am Ende war die Beute fast schon lächerlich: Gerade einmal 20 Dollar fanden die Täter auf einem Tisch. Novarro wurde so schwer misshandelt, dass er schließlich hilflos in seinem Schlafzimmer an seinen Verletzungen starb.

Besonders makaber: Die Täter beschmierten die Wände mit obszönen Nachrichten. Die damalige Presse griff dies auf und nutzte den Fall, um sein Image posthum durch die Enthüllung seiner Sexualität weiter zu beschädigen.

Das Schweigen der Traumfabrik

Lange Zeit rankten sich wilde Mythen um den Tod von Ramón Novarro. Von bizarren Sexpraktiken war die Rede – bösartige Gerüchte, die erst Jahrzehnte später durch Autopsieberichte und fundierte Biografien entkräftet wurden. Novarro war kein Opfer irgendwelcher Skandalerzählungen, sondern das Opfer roher Gewalt und grenzenloser Gier.

Beide Täter wurden zwar zu lebenslanger Haft verurteilt, kamen jedoch nach vergleichsweise kurzer Zeit wieder frei. Jahre später endeten auch ihre Leben tragisch: Einer der Brüder wurde im Gefängnis zu Tode geprügelt, der andere nahm sich das Leben.

Ramón Novarro Mitte der 1950er Jahre, als er nur noch Nebenrollen spielte.

Copyright: imago stock&people

Ramón Novarro Mitte der 1950er Jahre, als er nur noch Nebenrollen spielte. (Archivbild)

Besonders tragisch bleibt der zeitliche Kontext. Nur neun Monate später schockierten die Manson-Morde an Sharon Tate die Weltöffentlichkeit. Die Bestialität der Manson-Sekte war medial so gewaltig, dass das Schicksal des alten Stummfilmstars Novarro innerhalb kürzester Zeit aus den Schlagzeilen und dem kollektiven Gedächtnis verschwand.

Die Filme von Ramón Novarro sind heute fast ausnahmslos in Vergessenheit geraten. Nur selten werden Werke wie „Ben Hur“ oder „Mata Hari“ noch im Rahmen von Retrospektiven gewürdigt, während sein einstiger Weltruhm längst verblasst ist. Dennoch erinnert heute ein Stern auf dem „Hollywood Walk of Fame“ an ihn – es war im Jahr 1960 einer der ersten, die überhaupt in den berühmten Bürgersteig eingelassen wurden.

Doch hinter dem Glanz dieser Ruhmesmeile verbirgt sich eine der düstersten Geschichten, die Hollywood je schrieb: Ein Leben, das im strahlenden Scheinwerferlicht begann und in einer einsamen Nacht wegen einer Handvoll Dollar erlosch.

Tamina Kallert posiert und lacht.

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