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Björn Engholm bei „3nach9“„Kann nicht verstehen, wie Menschen mit einer Kultur so etwas wählen“

Björn Engholm war im Radio-Bremen-Talk „3nach9“ zu Gast. (Bild: Radio Bremen)

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Björn Engholm war im Radio-Bremen-Talk „3nach9“ zu Gast. (Bild: Radio Bremen)

Der ehemalige Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Björn Engholm, ist seit 1962 SPD-Mitglied. Am Freitagabend sagte der ehemalige Politiker in der Radio-Bremen-Talkshow 3nach9, er sei entsetzt über den Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt. Seine Partei trage eine Mitschuld daran.

Björn Engholm (86) ist entsetzt über den Wahlerfolg der in Teilen rechtsextremistischen AfD in Sachsen-Anhalt am vergangenen Sonntag. „Es zieht einem die Schuhe aus“, sagte der ehemalige Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, der seit 64 Jahren SPD-Mitglied ist, am Freitagabend in der Radio-Bremen-Talkshow „3nach9“.

„Die Tatsache, dass diese Partei 44 Prozent bekommt, und ich glaube, wenn man ein bisschen hinguckt, gibt es bei den anderen naheliegenden Parteien noch einmal fünf Prozent, die nicht astrein demokratisch sind, dann kann man sagen, in diesem Land hat die Hälfte der Bevölkerung Parteien gewählt oder eine Parteipräferenz gehabt, die ins Undemokratische führt, ins Autokratische“, analysierte Engholm.

50 Prozent der Menschen in einem deutschen Bundesland nähmen nach den Erfahrungen aus der deutschen Geschichte offensichtlich bewusst in Kauf, dass sich unser politisches System verändere, so Engholm weiter. „Das erfüllt mich mit Schrecken.“

Björn Engholm: „Die SPD kann heute nicht mehr beliebig Arbeiterpartei sein“

An dem Wahlsieg der AfD hätten alle Parteien, die bisher regiert haben, einen Anteil, so Engholm. Auch die SPD. „Das Problem ist: Die SPD kann heute nicht mehr beliebig Arbeiterpartei sein, weil der Anteil der erwerbstätigen Bevölkerung in diesem Land sehr stark geschrumpft ist. Das heißt: Wir haben das Phänomen, dass nicht nur Arbeiter, dass sogar Mittelstandsleute, situierte Mittelstandsleute, heute eine Partei wählen, von der ich, wenn ich sie sehe und höre, das Gebelfere im Bundestag und im Internet, nicht verstehen kann, wie Menschen mit einer Kultur so etwas wählen können.“

Björn Engholm war von 1988 bis 1993 Ministerpräsident in Schleswig-Holstein und designierter SPD-Kanzlerkandidat für die Bundestagswahl 1994. Von 1991 bis 1993 war er Vorsitzender der SPD. 1993 legte er alle seine Ämter im Rahmen der „Schubladenaffäre“ nieder.

Engholm war fünf Jahre zuvor im Auftrag seines Vorgängers Uwe Barschel von der CDU von einem Journalisten bespitzelt worden und hatte dies am Wochenende der Landtagswahlen in diesem Jahr öffentlich gemacht. Er hatte jedoch schon einige Tage vorher über den Spitzel Bescheid gewusst und darüber den 1993 eingesetzten Untersuchungsausschuss belogen. Zwar war die Angelegenheit bereits verjährt, doch Engholm fürchtete einen Riesenschaden für seine Partei und legte am 6. Mai 1993 alle Ämter freiwillig nieder. Er zog sich aus der Politik zurück. (tsch)

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