Noch in ihrem Gründungsjahr 1962 stieß Bill Wyman zu den Rolling Stones. 1993 gab die Band seinen Ausstieg bekannt. Doch was bewog den Bassisten, der am Samstag, 24. Oktober, 90 Jahre alt wird, der Rock-Institution den Rücken zu kehren?
Bill Wyman wird 90Warum verließ er die Rolling Stones?

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Bill Wyman feiert am 24. Oktober 2026 seinen 90. Geburtstag. (Bild: Dave Hogan/Getty Images)
Die Rolling Stones: Kaum eine Band steht so sehr synonym für Rockmusik wie die im April 1962 von Mick Jagger, Keith Richards, Brian Jones, Ian Stewart und Dick Taylor in London gegründete Band. Im Dezember 1962 löste Bill Wyman Taylor am Bass ab, der das Instrument ohnehin nur widerwillig auf Anraten von Brian Jones übernommen hatte. Später gründete er die einflussreiche Garage-Rock-Band The Pretty Things.
Anfang 1963 machte Charlie Watts das erste klassische Line-up der Stones komplett. Zuvor hatte die Band keinen festen Drummer gehabt, sondern wechselnden Musikern pro absolviertem Gig eine feste Gage gezahlt. Pianist Ian Stewart wurde 1963 von Stones-Manager Andrew Loog Oldham gefeuert, weil er dem Rock'n'Roll-Image der Band nicht genug entsprach. Stewart blieb der Band allerdings bis zu seinem Tod im Jahr 1985 als Studio- und Livemusiker verbunden.
Charlie Watts blieb bis zu seinem Tod im Jahr 2021 Mitglied der ikonischen Rockband. Anders verhält es sich mit Bill Wyman: Im Januar 1993 gaben die Rolling Stones bekannt, dass der Bassist nicht länger Mitglied sei. Ausgeschieden war Wyman freiwillig - und das bereits zwei Jahre vor der öffentlichen Bekanntgabe seiner Entscheidung.
Jagger und Richards wollten den Ausstieg ihres Bassisten lange nicht wahrhaben

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Als Mitglied der Rolling Stones schrieb Bill Wyman (zweiter von rechts) Rockgeschichte. (Bild: 2003 Getty Images/Hulton Archive)
1989 waren bereits erste Gerüchte aufgekommen, die Zeit des Bassisten in der Band könne sich auf ihr Ende zubewegen. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die Band auf ihrer „Steel Wheels / Urban Jungle Tour“ um das Album „Steel Wheels“ zu bewerben, das sich als Wymans letztes mit der Gruppe herausstellen sollte. 1990 endete die Tour und Wyman bat seine Kollegen tatsächlich um ein Gespräch, indem er dann seinen Ausstieg erklärte.
So wirklich akzeptiert wurde sein Rücktrittsgesuch jedoch nicht. Stattdessen erklärten Mick Jagger und Keith Richards ihrem Bassisten, dass ihm die Tür weiterhin offen stehen würde und er es sich doch noch einmal überlegen solle. Die nächsten zwei Jahre waren laut Wyman von Anrufen von Jagger und Richards geprägt gewesen, die ihn immer wieder darum baten, seine Entscheidung zu überdenken.
Doch nicht einmal einer der lukrativsten Plattenverträge aller Zeiten konnte ihn umstimmen: Ende 1991 unterzeichneten die Stones bei Virgin Records. 25 Millionen Pfund (umgerechnet 44 Millionen US-Dollar) war dem Label ein drei Alben umfassender Deal mit der Band wert. Dennoch blieb Wyman bei seiner Entscheidung. Er unterzeichnete den Vertrag nicht.
Bill Wyman: „Das nächste Album musste immer besser sein als das zuvor“
Der Moment der Wahrheit kam 1992. Die nächste Tour war in Planung, einmal mehr klopften Jagger und Richards an Wymans Tür. Als der seine Entscheidung ein letztes Mal bekräftigte, sahen sich seine Ex-Kollegen gezwungen die Wahrheit zu konfrontieren. Längst waren die Unsicherheiten zu den Fans durchgesickert. Als ein MTV-Reporter Mick Jagger am 3. November 1992 nach dem Stand der Lage befragte, antwortete der: „Wir sind auf der Suche nach einem neuen Bassisten.“ Die Katze war aus dem Sack.
Was aber bewegte Bill Wyman nun also dazu, der Mitgliedschaft in der bekanntesten aktiven Rockband der Welt - und dem damit verbundenen Geld - den Rücken zuzukehren? Kurz gesagt: Der Stress des Rockstar-Lebens und Lebensumstände, die sich mit diesem nicht so leicht vereinen lassen. Schon als er der Band 1962 beitrat, hatte Wyman eine Familie. Noch dazu war er einige Jahre älter als seine Bandkollegen. „Mit den Stones zu spielen bedeutete immer so viel Druck“, sagte er 2008 dem britischen „Telegraph“. „Die nächste Single oder das nächste Album mussten immer besser sein als die zuvor, oder sich zumindest besser verkaufen.“
Laut Wyman dauerte es eine Weile, bis sich die Beziehung zu seinen ehemaligen Bandkollegen wieder reparieren ließ. Dass das gelang, zeigen verschiedene Gastauftritte, die er seitdem bei der immer noch aktiven Band absolvierte. Sein Nachfolger wurde übrigens nie offiziell Teil der Band. Darryl Jones tritt mit den Stones als angeheuerter Musiker auf - und das seit 1994 ohne Pause. (tsch)
