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Attentat-Überlebender kritisiert in Podcast Migrationsdebatte„Genauso ist es vor Hanau passiert“

Said Etris Hashemi überlebte das Attentat von Hanau. Im Podcast „Deutschland3000“ klagt er nun: „Man spricht ständig über Migranten, ohne wirklich mit Migranten zu sprechen.“ (Bild: 2025 Getty Images/Florian Wiegand)

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Said Etris Hashemi überlebte das Attentat von Hanau. Im Podcast „Deutschland3000“ klagt er nun: „Man spricht ständig über Migranten, ohne wirklich mit Migranten zu sprechen.“ (Bild: 2025 Getty Images/Florian Wiegand)

Den rechtsterroristischen Anschlag von Hanau überlebte Said Etris Hashemi schwer verletzt. Sechs Jahre später äußert der Aktivist nun im Podcast „Deutschland3000“ seine Sorge bezüglich des derzeitigen öffentlichen Diskurses. Er mahnt: Rassismus entstehe „nicht in einem luftleeren Raum“.

„So eine Tat wie in Hanau passiert nicht einfach“, weiß Said Etris Hashemi: Es gebe immer auch „ein gesellschaftliches Davor“. Am 19. Februar 2020 überlebte er das Attentat von Hanau schwer verletzt. Neun Menschen tötete der Täter damals aus rassistischen Motiven, darunter auch Hashemis Bruder Said Nesar.

Nun, sechs Jahre später, zeigt sich Hashemi im Podcast „Deutschland3000“ angesichts des aktuellen öffentlichen Diskurses alarmiert: „So wie über Migration heute gesprochen wird, wurde auch vor zehn oder 20 Jahren über Migration gesprochen. Das geht seit den 80er-, 90er-Jahren so. Alle paar Jahre wird das Thema wieder aus dem Kästchen gepackt - und dann spricht man darüber.“

Rassismus entstehe „nicht in einem luftleeren Raum“, erklärt der 29-Jährige, den vor allem die Rhetorik mancher Politiker beunruhige ihn. „Früher oder später landet es in den Köpfen der Menschen.“ Hashemi betont: „Genauso ist es vor Hanau passiert, genauso ist es vor München passiert, genauso ist es vor Halle passiert.“ Im Vorfeld jedes rassistischen Anschlags sei es „so gewesen, dass sehr emotionale Debatten geführt wurden. Und oft haben in diesen Debatten die Populisten die Hoheit gehabt - so wie es heute auch ist.“

„Man spricht ständig über Migranten, ohne wirklich mit Migranten zu sprechen“

Es sei eines der großen Probleme Deutschlands, „dass wir noch nicht unsere richtige Identität gefunden haben“, glaubt der Aktivist. „Man führt Debatten emotional, ohne wirklich lösungsorientiert an irgendwelche Themen heranzugehen. Man spricht ständig über Migranten, ohne wirklich mit Migranten zu sprechen.“

Für kritikwürdig hält Hashemi zudem, „dass man oft den Populisten die Bühne gibt und dass man sie einfach sagen und machen lässt“. Wer rechtsextreme Ideologien vertrete, sei „eine ganz, ganz große Gefahr“ für die Gesellschaft. Immerhin, sagt der Sohn afghanischer Geflüchteter, wolle jeder Mensch „einfach nur in Frieden lleben und vor die Tür gehen können, ohne schief angeschaut zu werden“. Dies falle rassifizierten Menschen in Deutschland zunehmend schwer.

Hashemi selbst habe hierzulande jedoch „ein Zuhause-Gefühl“ - und vor allem in Hanau „ein Heimatgefühl. Und das“, stellt er klar, „möchte ich mir auch nicht nehmen lassen.“ (tsch)

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