Jens Spahns Baby von einer Leihmutter sorgt für politischen Zündstoff. Auch aus Köln kommt scharfe Kritik.
„Zutiefst inhuman“Spahn-Nachwuchs per Leihmutter – scharfe Töne aus Köln

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Jens Spahn (R) und Ehemann Daniel Funke sind dank einer Leihmutter Eltern geworden.
Seit die Nachricht über seine Vaterschaft durch eine Leihmutter die Runde macht, sieht sich der Fraktionsvorsitzende der Union Jens Spahn massivem Gegenwind aus den eigenen Reihen ausgesetzt.
Daniel Peters, CDU-Landeschef in Mecklenburg-Vorpommern, forderte in der „Bild“-Zeitung unmissverständlich: „Jens Spahn ist als Vorsitzender der Unionsfraktion nicht mehr tragbar und muss zurücktreten“. Auch Hubert Hüppe (CDU), der Vorsitzende der Senioren-Union, äußerte sich währenddessen „persönlich geschockt“ über die Vorgehensweise von Spahn.
Spahn in der Kritik: Doppelmoral-Vorwurf wird laut
Am Donnerstag (16. Juli) wurde publik, dass Spahn und sein Partner Eltern eines Babys geworden sind, das in den Vereinigten Staaten von einer Leihmutter geboren wurde. Eine solche Methode ist hierzulande illegal. Die CDU hatte erst zu Jahresbeginn auf ihrem Parteitag bekräftigt, an diesem Verbot festhalten zu wollen.
Spahn wird nun vorgeworfen, privat anders zu agieren als es seine politische Haltung vermuten lässt. In seiner Zeit als Gesundheitsminister sprach er sich klar gegen eine Erlaubnis der Leihmutterschaft in der Bundesrepublik aus.
Peters unterstrich, Spahn habe als Fraktionschef „eine besondere Vorbildfunktion innerhalb der Union“. Durch die Inanspruchnahme einer Leihmutter in den USA habe er sich „in voller Absicht über in Deutschland geltendes Recht hinweggesetzt“. Dies sei inakzeptabel, fügte der CDU-Landeschef hinzu, denn die CDU stehe „für Glaubwürdigkeit und Klarheit, gerade in ethisch sensiblen Fragen“.
Auch der Landesvorstand des Evangelischen Arbeitskreises (EAK) der CDU in Thüringen und die Frauen Union aus Mecklenburg-Vorpommern verlangen seinen Amtsverzicht. Aus der Opposition wurde ebenfalls deutliche Kritik an Spahn geäußert, die auch am Freitag nicht abriss.
Der Vorsitzende der Grünen, Felix Banaszak, verlangte von Spahn eine persönliche Stellungnahme. Es gebe „vermutlich Gründe“, weshalb Spahn sich früher so positioniert habe, erklärte er gegenüber Welt TV. „Und deswegen steht es erst mal in einem Widerspruch zu seinem eigenen Agieren an dieser Stelle.“ Deshalb sei es nun an ihm, Antworten zu liefern.
Klare Kante aus Köln: Alice Schwarzer meldet sich zu Wort
Laut dem Journalisten Julius Betschka vom Stern plant Spahn genau das. „Jens Spahn wird sich heute am späteren Nachmittag ausführlich zur Leihmutterschaft äußern“, postete Betschka am Freitagmittag auf der Online-Plattform X.
Heftiger Gegenwind für Spahn kommt unterdessen auch aus der Domstadt: „Zu Recht ist Leihmutterschaft in Deutschland verboten. Und zu Recht war Jens Spahn als Fraktionsvorsitzender einer christlich-demokratischen Partei bisher gegen die Aufhebung dieses Verbotes. Denn Menschen sind keine Ware“, äußerte die Kölner Feministin Alice Schwarzer gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur. Schwarzer fügte hinzu: „Käuflich sollte weder eine Frau als Gebärmaschine sein noch ein für Geld produziertes Kaufkind“.
„Jens Spahn hat jetzt seine persönlichen Interessen über das Recht gestellt“, erklärte die Publizistin aus Köln weiter. „Er trägt damit zur Akzeptanz einer Praxis bei, in der Frauen fremde Kinder für Geld austragen und gleichzeitig den Forderungen der Käufer voll ausgeliefert sind.“
Auf dem Markt für Leihmutterschaft könnten beispielsweise Babys mit einer Behinderung oder dem „falschen“ Geschlecht zurückgewiesen oder eine frühzeitige Abtreibung verlangt werden. „Nicht nur für die UN ist Leihmutterschaft ‚Menschenhandel‘ und ‚Sklaverei‘. Sie ist zutiefst inhuman und unchristlich“, so die weiteren Worte von Schwarzer.
Lauterbach: „Dystopisch und sollte verboten bleiben“
Auch Karl Lauterbach (SPD), Spahns Nachfolger im Amt des Gesundheitsministers, schaltete sich als weitere bekannte Kölner Stimme in die Diskussion ein. Lauterbach rief in Erinnerung, dass die Leihmutterschaft von einer Expertenkommission der Ampel-Koalition geprüft worden sei.
Dieser Auftrag sei von ihm und dem damaligen Justizminister Marco Buschmann erteilt worden. „Ergebnis war ein Nein zur kommerziellen und ein Ja zur altruistischen Leihmutterschaft. Das ist auch meine Position“, ergänzte Lauterbach.
„Wenn die Leihmutter mit dem Paar befreundet oder verwandt ist, und es fließt kein Geld, kann dies eine honorige Grundlage für eine neue Familie sein“, erläuterte der SPD-Politiker seinen Standpunkt. Anschließend übte er jedoch ebenfalls Kritik an Spahns Vorgehen: „Dass Ärmere die Kinder der Reichen austragen, ist dystopisch und sollte verboten bleiben.“ (red)
