Irre! Warum Ex-Beamte in Portugal keine Steuern zahlen - und Zehntausende sparen

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Ruhestand in Portugal:  Klaus Traafel und seine Frau Andrea freuen sich über den Sonderstatus.

  • Steuerschlupfloch begünstigt vor allem Pensionäre
  • 22.000 Nutznießer bislang
  • Es geht nur um ein einzelnes Wort im Steuer-Deal

Berlin/Lissabon – Steuerfrei am Strand  – eine  Lücke im Gesetz macht Portugal zum Steuerparadies für deutsche Senioren.  Vor allem Beamte profitieren davon und sparen Zehntausende von Euro. 

Nun gut, die portugiesische Küche, sei nicht ganz so ihr Ding, sagt Andrea Taafel (51). Auch die „undurchsichtige Bürokratie“  nerve. Aber bereut haben sie und ihr Mann  nicht, dass sie  im Sommer 2013 an die Algarve auswanderten nachdem Klaus Taafel (67) seinen Geschäftsführer-Job gegen den Ruhestand eintauschte. 

In Monchique haben die Heilpraktikerin und der Ingenieur ihr ideales Haus samt Grundstück  für den biologischen Wein- und Gemüseanbau gefunden.

Und seit letztem Freitag weiß das Ehepaar aus Hagenbach bei Karlsruhe ganz amtlich, dass sich das Leben im Exil auch finanziell auszahlt. Von ihrem Rechtsanwalt Alexander Rathenau erfuhren sie,  dass sie nun  „Residente não habitual“ (Neuansässige)  seien. Ein neuer Sonderstatus, der Portugal inzwischen für viele zur Steueroase macht. Begünstigt durch ein Leck in Deutschland. 

Die Taafels, deren Netto-Einkommen durch die Befreiung nun um rund 25 Prozent höher ist,  sind nur zwei Beispiele  zahlreicher Deutschen, die es in den letzten Jahren nach Portugal  zog. Vor allem wohlhabende Ältere lockt die Regierung mit dem  „Residente“-Programm.

Ersparnisse in sechsstelliger Höhe

Das Versprechen:  Wer sich als Neuling für mindestens 183 Tage im Jahr in Portugal niederlässt, muss für zehn Jahren keine Steuer zahlen.  Für frühere Gutverdiener winken, ganz legal, Ersparnisse in bis zu sechsstelliger Höhe. Portugals Regierung erhofft sich im Gegenzug, dass das Mehr an Netto im Land ausgegeben wird.

Wie begehrt das steuerfreie Leben mit Wetter-Garantie ist, zeigen die Fakten. Knapp 22.000 Personen erhalten inzwischen aus Deutschland  ihre Rentenzahlung, so das zuständige Finanzamt Neubrandenburg.  Jährlich werden es mehr.

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Steuerberater Heinz Dieter Hünermund freut sich über zunehmende Kunden aus der Heimat.

„Es ist schier unglaublich! Mehrere Tausende Rentner aus unterschiedlichen Staaten sind oft aufgrund dieser steuerlichen Anreize in den de letzten Monaten nach Portugal gezogen“,  so  Rechtsanwalt Rathenau, der in seinen auf drei Standorte im Land verteilten Kanzleien vielen Deutschen hilft, den Status zu erhalten.

4000 bis 5000 Menschen hätten in den letzten beiden Jahren den begehrten Steuerfrei-Status erhalten, schätzt sein Kollege Philipp Lafontaine, der auch  aus Deutschland stammt.

Gerade von Beamten erhalte er viele Anfragen, sagt der Kölner Steuerberater Heinz Dieter Hünermund, der seit 28 Jahren eine Kanzlei zwischen Lagos und Faro  betreibt und sich auf Auswanderer spezialisiert hat.

Der Grund für das Interesse der Staatsdiener ist einfach:  ein Steuerloch, das offenbar durch eine Panne entstanden ist. Oder schlicht „vergessen“ wurde, wie der Steuerrechts-Professor Wolfgang Kessler von der Uni Freiburg vermutet.  Hünermund: „Vor allem Beamte, die ohnehin vom Ruhestand  unter der Sonne träumen, profitieren ungemein.“

Steuerloch durch Panne?

Grundsätzlich gilt nämlich: Werden in einem EU-Land keine Steuern bezahlt, greift das jeweilige  Doppelbesteuerungsabkommen. Heißt: Das Finanzamt in der Heimat schlägt zu.

Als Deutschland allerdings 1983 seinen Steuer-Deal mit Portugal schloss, wurde das entscheidende Wörtchen  „vorbehaltlich“  aus  unerklärlichen Gründen  an einer anderen Stelle eingesetzt – und so mit einem Mal  „Ruhegehälter und ähnliche Vergütungen“ ausgeklammert, also vor allem  Pensionen und Betriebsrenten oder Abfindungen.

Steuerfrei unter Sonne Portugals –  das gilt ausgerechnet für Ex-Staatsdiener, die – anders als gesetzlich Versicherte Rentner – in Deutschland ihre Altersversorgung in voller Höhe besteuern müssen.  Hünermund: „Aus Gründen der Steuergerechtigkeit geht das natürlich alles  gar nicht.“

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