Ukraine-Krieg Natalia Klitschko erfuhr beim Brötchen kaufen von Bomben-Hölle – „Angefangen zu weinen“

Natalia Klitschko spricht bei der Auftaktkundgebung vor der Europapassage am Jungfernstieg.

Natalia Klitschko, hier am 5. März 2022 während eine Protest-Veranstaltung gegen Ukraine-Krieg, riss der Kriegsbeginn den Boden unter den Füßen weg.

Natalia Klitschko, die Ehefrau von Kyjiws Bürgermeister Vitali Klitschko, die in der Nähe der Landeshauptstadt aufgewachsen ist und mittlerweile im Hamburg lebt, schilderte dramatische Kriegs-Ereignisse.

Als am 24. Februar die ersten russischen Bomben auf die Ukraine fielen, veränderte sich das Leben einer gesamten Nation über Nacht. Tausende wurden aus dem Schlaf gerissen. Die ohrenbetäubende Lautstärke der Alarmsignale durchdrang die Nacht.

Unschuldige Zivilisten bezahlten mit dem Leben: Und das nur, weil Kreml-Kriegstreiber Wladimir Putin (69) den Befehl gab, in das Land einzufallen.

Natalia Klitschko (48), die Ehefrau von Kyjiws Bürgermeister Vitali Klitschko (50), die in der Nähe der ukrainischen Landeshauptstadt aufgewachsen ist und mittlerweile im Hamburg lebt, schilderte nun dramatische Ereignisse. Als sie vom Kriegsbeginn erfuhr, brachen bei ihr alle Dämme...

Ukraine-Krieg: Natalia Klitschko erfuhr am Flughafen von Russlands Angriff

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Wie Natalia Klitschko im Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) erklärte, habe sie zwar schon vor dem 24. Februar die angespannte Situation in ihrer Heimat wahrgenommen, von einem wirklichen Krieg sei sie aber niemals ausgegangen. „Wir haben da noch Witze gemacht und waren uns ganz sicher: Die ganze Welt schaut gerade auf die Ukraine, das wird nie im Leben passieren.“

Als dann aber doch die ersten Bomben fielen, traute sie ihren Augen nicht. „Ich bin am Donnerstagmorgen zum Flughafen gefahren, weil ich dort jemanden abholen wollte. Als ich dort noch Brötchen gekauft habe, habe ich auf einem Bildschirm die Nachricht gelesen 'Russland greift die Ukraine an' und konnte es gar nicht glauben. Ich stand dort, mit diesen Brötchen in der Hand und habe erst mal angefangen zu weinen.“

Natalia Klitschko lebt in der Ukraine – Ehemann Vitali kann Kyjiw nicht verlassen

Vitali Klitschkos Ehefrau habe reflexartig ihre Mutter angerufen. Die Sorge brachte sie fast um den Verstand. „Sie hat mir erzählt, dass sie morgens um 5.30 Uhr von dem Geräusch von Bomben geweckt wurde. [..] Sie ist 72 Jahre alt und hat gesagt: 'Ich würde niemals mein Haus und mein Land verlassen.'“

Sie habe sich dort in den ersten Tage extrem engagiert. Beispielsweise kochte sie Essen für anderen hilflosen Menschen. Sie habe immer wieder im Bunker Schutz suchen müssen. In der zweiten Woche fiel dann die Entscheidung, dass es für Natalias Mutter, ihre Schwester und ihren Neffen dort nicht mehr sicher sei. Sie flüchtete aus ihrem eigenen Land und kamen nach einer viertägigen Reise in Hamburg an.

Schon vorher war klar: Für ihren Ehemann Vitali, den früheren Box-Champ und heutigen Bürgermeister der Landeshauptstadt, war das noch nie eine Option gewesen. „Er regiert die Stadt, die Menschen brauchen ihn. Er ist ein Kämpfer, er ist ein Krieger, er gibt niemals auf – das war schon immer so, das bleibt auch so“, erklärte Natalia.

Ukraine-Krieg: Natalia und Vitali haben täglich Kontakt

Während der eigene Ehemann für die Freiheit des Vaterlandes kämpft und sich täglich der Gefahr aussetzt, mit dem Leben dafür zu bezahlen, kann Natalia Klitschko nur aus der Ferne darauf hoffen, dass ihr Vitali die Bomben-Hölle von Kyjiw unbeschadet übersteht.

Auch für die gemeinsamen Kinder Max (16), Elizabeth-Victoria (19) und Yegor-Daniel (21) sei die Situation zu Beginn nahezu unerträglich gewesen. Zu wissen, dass sich der eigene Vater im Krieg befindet, muss ein fürchterliches Gefühl sein.

„Sie haben wie wir alle nur Nachrichten geschaut und wollten immer wissen, wie es ihm geht. Sie sind, obwohl sie nicht mehr bei mir zu Hause wohnen, zu mir gekommen, damit wir beisammen sind. Aber wir haben dann irgendwann gesagt: So schlimm es ist – das Leben muss auch weitergehen.“

Dennoch fühlten auch sie sich schuldig. Schuldig, dass sie ihn Sicherheit weilen können, während in der Ukraine Frauen, Kinder und Männer um ihr Leben kämpfen müssen.

Ukraine-Krieg: Natalia Klitschko setzt sich in Deutschland für Ukraine ein

Natalia Klitschko könne ihren Landsleuten zwar nicht an der Front helfen, allerdings könne sie von Deutschland aus zum Protest gegen das russische Regime aufrufen.

„Ich konnte erst mal nichts machen außer weinen, telefonieren und wieder weinen. Zum Glück habe ich gute Freunde, die mir dann gesagt haben: ‚Natalia, du kannst jetzt weinen – aber das hilft niemandem. Du kannst den Ukrainern viel besser deine Stimme geben.‘ Dann habe ich angefangen, mich zu engagieren: Ich habe über das Leid gesprochen, Familien ein Zuhause vermittelt und Hilfe organisiert“, sagte die Ehefrau des Ex-Profiboxers.

Aktuell sei die dabei, einen Verein zu gründen. „So viele Menschen und Firmen kommen auf mich zu und wollen Geld spenden. Ich privat kann damit aber nicht viel machen, deswegen gründen wir nun einen Verein, der Ukrainer in Deutschland und vor Ort in der Krisenregion unterstützt.“ (red)

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