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„Sie geraten in Panik“ Russische Truppen fliehen – Forderungen nach Putins Rücktritt

Dies könnte ein historischer Wendepunkt sein: Die Ukraine startet die größte Gegenoffensive seit dem Zweiten Weltkrieg, innerhalb weniger Tage knicken die russischen Frontlinien ein, Moskaus Truppen fliehen. Erste Politikerinnen und Politiker fordern Putins Rücktritt.

Die Ukraine holt sich ihr Land zurück, Stück für Stück: Im Nordosten des Landes verzeichnet die Armee binnen Stunden massive Geländegewinne, Putins Truppen fliehen aus den strategisch wichtigen Städten Isjum und Krupjansk, mehrere weitere Siedlungen in der Region Charkiw folgen.  Ein Dorf nach dem anderen hisst die blau-gelbe Flagge der Ukraine.

Wie ukrainische Nachrichtenagenturen schreiben, erleiden russische Truppen massive Verluste, hunderte Soldaten werden aus dem russischen Belgogrod, rund 80 Kilometer nordöstlich von Charkiw an der ukrainischen Grenze, evakuiert. Die Besatzer in Charkiw riefen die Bewohnerinnen und Bewohner zur Flucht auf.

Ein ukrainischer Offizier im Norddonbass beschreibt die Situation gegenüber dem „Spiegel“ so: „Ich glaube, der Feind gerät in Panik.“

Ukraine: Rückeroberungen könnten Wendepunkt darstellen

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Das russische Verteidigungsministerium räumte den Rückzug am Samstag ein, erklärte, die Streitkräfte „umzugruppieren“. Der Kreml versucht zwar, den Rückzug als einen geplanten Schritt darzustellen. Doch verstreutes militärisches Gerät, hastig zurückgelassene Ausrüstung deuten auf Flucht hin.

Der ukrainischen Armee gelang ein Coup: Noch vor kurzem erweckte sie den Anschein, in Cherson im Süden großangelegte Gegenangriffe zu planen, Russland verschiffte viele Kräfte in den Süden. „Die Russen waren sehr überrascht von der Offensive in Charkiw und hatten keine operative Reserve an Landstreitkräften, um die eroberten Gebiete zu verteidigen“, sagt der Militärexperte Gustav Gressel vom European Council on Foreign Relations (ECFR) im Gespräch mit dem „Redaktions­netzwerk Deutschland“ (RND).

Die Ablenkung glückte, die russische Armee wurde überrumpelt – und kann wegen der zerstörten Brücken und Fähren nicht so leicht wieder zurückkommen.

Die Rückeroberungen im Nordosten der Ukraine könnten einen Wendepunkt in diesem Krieg darstellen, der nun schon sieben Monate tobt. Der Erfolg kommt laut Militärstrateginnen und -strategen kurz vor einem kritischen Punkt: dem einbrechenden Winter. Dann nämlich könnten die Frontlinien einfrieren, die globale Energiekrise könnte die weiteren Unterstützungen des Westens an die Ukraine belasten.

Ukraine: „Der Weg zur Rückeroberung unseres gesamten Territoriums ist da“

Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte am Samstag davor, dass die kommenden 90 Tage des Kampfes, wenn sich die Jahreszeiten ändern und die Temperaturen sinken, entscheidend sein würden.  „Der Weg zur Rückeroberung unseres gesamten Territoriums ist da, jeden Tag wird er klarer.“ Seit Monatsbeginn habe man 2000 Quadratkilometer zurückerobert.

„Je weiter die ukrainischen Streitkräfte vorrücken, desto schwieriger ist es normalerweise, die Gebiete zu halten. Aber es scheint, dass Russland nicht über ausreichende Reserven verfügt, um den Durchbruch zu stoppen oder diese Städte zu halten“, sagt Rob Lee, US-Militäranalyst am Foreign Policy Research Institute, der „New York Times“.

Eine Schlüsselrolle bei diesen Rückeroberungen spielt das militärische Gerät der Nato-Verbündeten: Mit Antiradar-Raketen wurde die Luftverteidigung der Russen aufgewichen, Himars-Mehrfachraketenwerfer zerstörten die Logistik, auch der deutsche Gepard-Flakpanzer soll laut „Economist“ eine wichtige Rolle an der Front spielen. Es scheint, als hätten die Russen Probleme mit der überlegenen westlichen Ausrüstung.

Russland: Lokalpolitikerinnen und -politiker fordern Putins Rücktritt

Derweil brodelt es in Russland – die Wirtschaft liegt am Boden, es scheint, als würden bereits zahlreiche Lokalpolitikerinnen und -politiker nicht mehr überzeugt von ihrem Kremlchef. Einige erklären, sein Krieg schade dem Land mehr als es nutze, es werden gar erste Rufe nach Putins Rücktritt laut. 

„Alles ist schiefgelaufen“, kritisieren Vertreter des Moskauer Stadtbezirks Lomonosovsky Russlands Präsidenten Wladimir Putin in einem Brief. Sie ist bereits die zweite Verwaltung, die das Risiko eingeht, massive Kritik zu üben: Die Wirtschaft sei marode, intelligente Menschen würden Russland in Scharen verlassen. Sie fordern Putin zum Rücktritt auf. Ein 30-minütiges Video zeigt ein Protokoll der Forderungen auf der Webseite der Verwaltung

Nur wenige Tage zuvor haben bereits Politikerinnen und Politiker des St. Petersburger Regionalbezirks Smolninskoje gefordert, Putin wegen Hochverrates anklagen zu lassen. Auf Twitter wurde ihr Vorschlag veröffentlicht, der von den sieben Stadtabgeordneten gebilligt worden sei, heißt es. Putins „Militärische Spezialoperation“ gefährde „die Sicherheit Russlands und seiner Bürger.“ Kurz darauf erhielten sie Vorladungen von der Polizei, gegen sie soll Anklage wegen Verunglimpfung der russischen Streitkräfte erhoben werden.

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