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Ist das die Wende im Ukraine-Krieg? Militär-Profis sicher: „Putin macht einen tödlichen Fehler“

Dieses vom ukrainischen Verteidigungsministerium am 12. September 2022 veröffentlichte Bild zeigt eine Panzerkolonne der ukrainischen Armee während einer Gegenoffensive. Wo das Bild genau entstanden ist, ist unklar.

Dieses vom ukrainischen Verteidigungsministerium am 12. September 2022 veröffentlichte Bild zeigt eine Panzerkolonne der ukrainischen Armee während einer Gegenoffensive. Wo das Bild genau entstanden ist, ist unklar.

Die Ukraine gibt sich unbeugsam und erkämpft sich Meter um Meter von ihrem Land zurück: Ein Dorf nach dem anderen wird im Nordosten der Ukraine zurückerobert, die russischen Truppen fliehen. Militärexpertinnen und -experten geben ihre Einschätzungen zu den jüngsten Entwicklungen ab.

Diese Gegenoffensive zeigt, wie ernst es der Ukraine ist, ihre von Russland besetzten Gebiete wieder zu befreien. In den vergangenen Tagen jagte eine Erfolgsmeldung die nächste, ukrainische Truppen dringen über Isyum bis nach Lysytschansk vor, sollen sogar Sjewjeordonezk erreicht haben.

Im Nordosten des Landes fällt eine Stadt nach der anderen wie ein Dominostein, die Überraschungsoffensive in Charkiw ist ein voller Erfolg, die Armee setzt ihre Angriffe im Norden der Stadt fort. Dem amerikanischen Institute for the Study of War (ISW) zufolge hat die Ukraine bisher über 3000 Quadratkilometer an russisch besetztem Territorium zurückerobert. 

Ukraine: Russlands Armee erleidet ein Debakel

Die Schützenpanzer rollen bei Charkiw, die Befreiung der Ortschaften in Donezk setze sich ebenso fort, erklärt der ukrainische Generalstab am Montag. Mehr als 20 Ortschaften seien in 24 Stunden zurückerobert worden.

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Und auch im Süden, in Cherson, rücken die ukrainischen Truppen weiterhin vor – dort allerdings weit weniger schnell. Die russischen Kommandeure, so mutmaßen Analystinnen und Analysten, haben sich auf die Kämpfe im Süden konzentriert und den Nordosten vernachlässigt. Nun fliehen die Russen aus den Gebieten im Norden des Gebietes Charkiw.

In seiner jüngsten Einschätzung analysiert der Militär-Thinktank ISW in Washington die Reaktion des Kremls auf diese Gegenoffensive so: „Putin riskiert einen häufigen, aber tödlichen Fehler, indem er zu lange wartet, um Verstärkungen an die Luhansk-Front zu schicken.“ 

Die Ukraine setze stattdessen die russische Armee bei Charkiw und Cherson weiter unter Druck, es entstehe ein „Zeit-und-Raum-Dilemma“, wie es die ISW-Analystinnen und -Analysten beschreiben. Der ukrainische Feldzug scheine darauf abzuzielen, Putin genau vor solch ein solches Dilemma zu stellen – und von fast jeder seiner Entscheidungen zu profitieren.

Die russische Armee müsste nun eigentlich Truppen von anderen Kriegsschauplätzen abziehen, um eine neue Verteidigung im Nordosten aufzubauen. Laut Expertinnen und Experten würde Putin aber nichts dergleichen tun, es gebe keinerlei Verschiebungen. Seine Armee setze die Angriffe in Bachmut und Donezk im Südosten fort, „als ob sie sich der Gefahr nicht bewusst wären“.

Russland verfüge wahrscheinlich nicht über genügend Reservekräfte, um die Bildung einer neuen Verteidigungslinie entlang des Oskil-Flusses aufzubauen. 

Ukraine: „Russische Armee ist in echten Schwierigkeiten“

Russland rechnete dort im Süden mit der großen Gegenoffensive, reagierte mit Truppenverschiebungen darauf. Doch damit hat die Armee offenbar ihre Stellungen weiter nördlich empfindlich geschwächt, wurden von der ukrainischen Armee überrannt. Die verbleibenden Soldaten müssen dort vor der drohenden Einkesselung fliehen. 

Im Raum Charkiw seien feindliche Einheiten von den Versorgungswegen abschnitten und in Panik, so der ukrainische Generalstab. 400 Russen seien an einem Tag gestorben. Die Angaben sind unabhängig nicht zu überprüfen.

Der australische Ex-General und Militärexperte Mick Ryan analysiert auf Twitter, die Russen seien „in echten Schwierigkeiten“. Auch er mutmaßt, dass die ukrainische Gegenoffensive für die Russen kaum vorhersehbar gewesen sei. „Täuschung war ein zentraler Bestandteil bei allen ukrainischen Vorbereitungen für diese Phase des Krieges“, so Ryan. „Es war ein exzellenter Plan, um die russischen Aufklärungs- und Überwachungskräfte zu täuschen.“

Dass die strategisch wichtige Stadt Kupjansk und ihr wichtiger Verkehrsknotenpunkt zurück in ukrainische Hände gefallen ist, tue der russischen Armee am meisten weh, Versorgungswege würden gefährdet. Schwere Verluste, logistische Probleme, sinkende Moral – Es werde den Truppen schwerfallen, die Kämpfe fortzuführen.

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