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Ukraine Baerbock mit Helm und Schutzweste zwischen den Fronten – Angst vor Scharfschützen

Mitten in der Krise zwischen Russland und der Ukraine hat Annalena Baerbock die Front zwischen Regierungstruppen und Separatisten besucht. Eine Außenministerin im Krisenmodus.

Bilder, die zeigen, wie ernst die Lage ist: Außenministerin Annalena Baerbock hat am Dienstag (8. Februar 2022) mit schusssicherer Weste und Helm die Front zwischen den ukrainischen Regierungstruppen und den von Russland unterstützten Separatisten in der Ostukraine besucht.

Nun steht sie vor den Kameras und versucht, ihre Gedanken in Worte zu gießen. Sehr bedrückende Bilder bringe sie mit und sehr bedrückende Gefühle, sagt die 41-Jährige.

Annalena Baerbock in der Ukraine – mit Helm und schusssicherer Weste

Zwei Tage lang ist die Ministerin auf Solidaritätsmission in der Ukraine - auch angesichts der teils scharfen Kritik aus dem Land, Deutschland helfe nicht genug und vor allem: Es liefere keine Waffen. Baerbocks Besuch an der Front gehört zu ihrem Vorhaben, den Menschen in der Ukraine zu zeigen: Wir haben Euch nicht vergessen.

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Baerbock hat sich in Schyrokyne umgesehen, gut 20 Kilometer östlich der Hafenstadt Mariupol. Der Weiler galt vor Beginn des bewaffneten Konflikts mit seinen damals 1400 Einwohnern als hoffnungsvoller Badeort. Zwischen September 2014 und Mitte 2015 gab es hier Kämpfe. Seither ist der Ort verlassen. Ein Geisterdorf.

Der Fleck am Asowschen Meer sei „eigentlich einer der schönsten Orte hier im Land“, sagt Annalena Baerbock. Man spüre dort, was vor Jahren passiert sei: „Dass Menschen von einem Tag auf den anderen alles verloren haben, was sie hatten.“ Sie berichtet: „Kinderspielzeug liegt noch am Wegesrand, Häuser sind zerstört. Einstmals ein Ferienort gewesen, jetzt ein Zeugnis dessen, dass wir mitten in Europa Krieg haben.“

Bei Temperaturen leicht über dem Gefrierpunkt regnet es an diesem Tag heftig im Donbass. Baerbock und ihre Delegation müssen in gepanzerte Fahrzeuge der ukrainischen Armee umsteigen. Die größere Gruppe sitzt in einem gepanzerten Mannschaftstransporter des Typs „Kosak“, die Ministerin in einem kleineren gepanzerten Fahrzeug.

Baerbock in gepanzerten Fahrzeugen unterwegs

Die Vorsicht ist begründet: Immer wieder wird scharf geschossen an der mehr als 400 Kilometer langen Front. Erst am Sonntag war nach Angaben der Separatisten auf ihrem Gebiet bei der Stadt Donezk ein Mann von einem ukrainischen Scharfschützen getötet worden. Am Montag wurde in der Gegend nach Angaben des ukrainischen Verteidigungsministeriums ein Soldat der Regierungstruppen verletzt.

Annalena Baerbock war im Krisengebiet mit Helm und Schutzweste unterwegs. Bewaffnetes Sicherheitspersonal begleitet die Außenministerin.

Annalena Baerbock war im Krisengebiet mit Helm und Schutzweste unterwegs. Bewaffnetes Sicherheitspersonal begleitet die Außenministerin.

Ein im Jahr 2015 im belarussischen Minsk vereinbarter Friedensplan liegt auf Eis. Kiew und Moskau werfen sich gegenseitig Verstöße gegen das Abkommen vor. Seit 2014 sind im Donbass nach UN-Schätzungen mehr als 14 000 Menschen bei Kämpfen getötet worden.

Ob sie das Gefühl gehabt habe, dass etwas passieren könne an der Front, will ein Reporter wissen. „Nein“, entgegnet Baerbock bestimmt. „Ich bin ja hier mit Schutz vor Ort.“ Aber die Menschen im Donbass würden ja jeden Tag hier leben „und zwar nicht, indem sie mit gepanzerten Fahrzeugen durch die Straßen fahren“. Sie nehme das Gefühl mit, dass die Menschen im Krisengebiet „tagtäglich dem Risiko ausgesetzt“ sind, „von einem Scharfschützen doch erwischt zu werden“.

Baerbock bedrückt: Mitten in Europa gebe es Krieg

In der Ortschaft Lebedynske lässt sich Baerbock von einem leitenden Beobachter der Sondermission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) informieren. Es ist die mit etwa 1300 Mitarbeitern größte OSZE-Mission, Beobachter aus 44 Staaten nehmen daran teil, mehr als 40 Deutsche sind darunter. Baerbock steht vor einem zerstörten Haus. Mitten in Europa gebe es Krieg, sagt sie bedrückt.

Der Ort sei ein Hotspot in der Auseinandersetzung, berichtet der OSZE-Mann. Mit kleinen Drohnen versucht seine Organisation den Konflikt und die Einhaltung des Waffenstillstands zu überwachen. Allein in der vergangene Woche habe die Mission drei der Drohnen verloren. Ausgerechnet in dem Moment, als sich Baerbock einen solchen Drohneneinsatz vorführen lässt, gibt es offenbar einen elektronischen Störangriff auf das kleine Gerät. Solche Attacken, Beschuss mit Kleinwaffen und das Wetter sind nur einige von den Problemen, mit denen die internationale Überwachungstruppe kämpfen muss.

Hoch dramatisch nennt die Ministerin die Lage. Alles müsse dafür getan werden, dass die kriegerischen Handlungen nicht weiter zunähmen, sondern die Waffenruhe eingehalten werde. Sie wiederholt ihr Credo, die Aggression von russischer Seite werde nicht militärisch beendet werden können. Deswegen tue sie „alles dafür, dass wir am Verhandlungstisch Schritt für Schritt vorankommen“. Und sie betont auch: „Jede weitere Aggression hätte massive Folgen für die russische Seite, weil: Das Wichtigste für die Menschen ist Frieden.“

Schyrokyne ist für Baerbock aber nicht nur wegen der im Boden vergrabenen Sprengsätze vermintes Terrain. Ende Mai 2021 war ihr damaliger Grünen-Co-Chef Robert Habeck dort gewesen. Dem Deutschlandfunk sagte er damals: „Waffen zur Verteidigung, zur Selbstverteidigung kann man meiner Ansicht nach, Defensivwaffen, der Ukraine schwer verwehren.“ Bis heute werden Baerbock die Äußerungen immer wieder unter die Nase gerieben - wo sie doch seit langem strikt gegen Waffenlieferungen ist. (mt/dpa)

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