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„Diktaturen verschwinden nicht durch Wahlen“ Ex-Oligarch sicher: Nur so kann Putin gestürzt werden

Der russische Regimekritiker Michail Chodorkowski (hier im März 2022 in Berlin) äußert sich zu den jüngsten Entwicklungen in der Ukraine und in Russland.

Der russische Regimekritiker Michail Chodorkowski (hier im März 2022 in Berlin) äußert sich zu den jüngsten Entwicklungen in der Ukraine und in Russland.

Er war einst der reichste Mann Russlands, ein wichtiger Oligarch – und ist heute ein Exil-Oppositioneller, der von London aus vor dem Kreml warnt. Nun erklärt er, was es braucht, um Putin zu stürzen – und was der Westen besser nicht tun sollte.

Schon kurz nach Putins Einmarsch in die Ukraine war sich Michail Chodorkowski, der 2013 Russland nach achtjähriger Haftstrafe verließ, sicher, dass er auch vor einem Angriff auf Nato-Mitgliedstaaten nicht zurückschrecken werde. Das sagte er im März der „Zeit“.

Denn Putin und sein Machtzirkel seien davon überzeugt, in der Ukraine einen Krieg gegen die USA zu führen – und damit gegen die Nato. Bis heute hat der Exil-Oppositionelle keinen Zweifel daran, dass Putin die Nato-Grenze übertreten könnte, erklärt er nun auch in seinem jüngsten Interview.

Chodorkowski über Russland: „Diktaturen verschwinden nicht durch Wahlen“

Gegenüber der „Welt“ erklärt Chodorkowski, wie Wladimir Putin gestürzt werden kann. Er ist sich sicher, dass das nur mit Gewalt geht. „Diktaturen verschwinden nicht durch Wahlen. Sondern durch Leute, die bereit sind, politisch und öffentlich eine knallharte Position einzunehmen“, sagt er. Das seien jene, die dazu bereit seien, auch bewaffnet auf die Straße zu gehen.

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„Diktaturen fallen durch einen internen Coup – das ist ein mögliches Szenario, das weder sicher ist, noch sollten wir diesen herbeiwünschen. Oder aber eine Diktatur fällt durch Gewalt, die eingesetzt oder angedroht wird.“ In Russlands Geschichte gebe es keine gegenteiligen Beispiele.

Und offenbar weiß das auch Putin. Denn der Präsident wage bislang nicht die Generalmobilmachung. „Denn sie bedeutet, den normalen Bürgern Waffen zu geben. Das hat in der russischen Geschichte mehrfach zu einem Regimewechsel geführt.“ 

Chodorkowski über Putin: „Er will ein Erbe hinterlassen“

Chodorkowski wagt im Interview mit der Zeitung auch ein Porträt Putins, den er vor 20 Jahren aus nächste Nähe erlebt hat. Damals galt Chodorkowski für viele Russinnen und Russen als zwielichtiger Multimilliardär, der gewissermaßen über Nacht reich wurde. Während Putins erster Amtszeit finanzierte er Oppositionsparteien, einige sagten ihm nach, selbst politische Macht ergreifen zu wollen. 2003 wurde er verhaftet – offiziell wegen Steuerhinterziehung. In der Haft wurde er zum scharfen Regime-Kritiker. 

„Am Anfang sah ich ihn als jungen, demokratischen Bürokraten, der ernsthaft an seinen Aufgaben arbeitete“, erinnert sich Chodorkowski. Dann sei er ein Mann geworden, „der korrupt war und das Land durch Korruption regierte“. Er habe in seiner Vergangenheit immer mit Gangstern gearbeitet.

„Im dritten Stadium sehen wir einen Mann, der eine Art Erbe hinterlassen will und überzeugt ist, es sei eine gute Idee, die Sowjetunion gewaltsam wieder zu errichten. Für diese Idee bombardiert er seit dem 24. Februar freudig friedliche Städte.“ Falls das vor 20 Jahren in Putin angelegt gewesen sei, so Chodorkowski, „wusste er es gut zu tarnen“.

Chodorkowski warnt: „Geht der Westen darauf ein, steht Putin morgen an der Nato-Grenze“

Chodorkowski geht auch auf die Sanktionen des Westens ein – und auf die deutsche Ukraine-Politik. Kanzler Olaf Scholz bezeichnet er als einen „in der Wolle gefärbten europäischen Bürokraten“, der ein stabiles und wohlhabendes Deutschland übernahm – aber bis heute noch immer nicht auf den Krieg vorbereitet sei. „Ich verstehe Deutschlands Position als eine Volkswirtschaft, die 20 Jahre lang weitgehend auf billige russische Energie baute. Es ist verständlich, dass man zu diesen fetten Jahren zurückkehren möchte. Aber ich denke, in einem Krieg muss man die eigenen Fehler schneller anerkennen.“

In Deutschland kämen nun die Fehler der Vergangenheit zum Tragen – und böten auch die Möglichkeit, „zu einer wirklichen Führungsgestalt zu wachsen“. „Wir sind einer Lage, in der Winston Churchill zu Beginn des Zweiten Weltkriegs sagte: Ich habe nur Schweiß und Tränen zu bieten. Was können wir da über Olaf Scholz sagen? Er ist nicht bereit, diese Führung zu übernehmen.“

Chodorkowski erklärt, dass er sich nicht sicher sei, ob die aktuellen Sanktionen des Westens die besten seien. Die „zerstörerischsten Sanktionen“ seien ohnehin die, die Putin als Reaktion selbst eingeführt habe, so der Ex-Oligarch. „Putin hat die Energielieferungen zur Waffe gemacht. Damit der Westen die Ukraine nicht mehr unterstützt. Geht der Westen darauf ein, steht Putin morgen an der Nato-Grenze. Und ich habe keinen Zweifel, dass er sie übertreten wird aus innenpolitischen Gründen.“ (mg)

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