RKI-Dokument aufgetaucht Spielt die Inzidenz bald keine Rolle mehr?

Lothar Wieler, RKI-Präsident, und Gesundheitsminister Jens Spahn bei einer Pressekonferenz

Lothar Wieler (l), Präsident Robert Koch-Institut (RKI), und Jens Spahn (CDU), Bundesgesundheitsminister, bei einer Bundespressekonferenz in Berlin am 26. Februar 2021.

Die Beurteilung der Corona-Lage steht offenbar auf dem Prüfstand. Aktuell wird über ein internes Dokument des Robert Koch-Instituts diskutiert. Spielen künftig die Corona-Krankenhaus-Zahlen eine größere Rolle?

Köln. Wie wird in Zukunft die Corona-Lage beurteilt – bahnt sich da eine Wende an? Welche Rolle spielt in Zukunft noch die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz? Oder achten die Experten künftig mehr auf die Corona-Krankenhaus-Zahlen?

Hintergrund soll ein „internes Dokument“ des Robert Koch-Instituts sein, das der „Bild“ vorliegt. Die Rede ist von einer „Wende in der Corona-Politik“.

Die Inzidenz solle nicht mehr über die Corona-Maßnahmen entscheiden. In dem Papier stelle das RKI die „Hospitalisierung (Krankenhauseinweisung) als zusätzlichen Leitindikator“ für die Politik vor.

In der Debatte um Kennwerte zur Beurteilung der Corona-Lage weist am Montag (12. Juli 2021) das Bundesgesundheitsministerium darauf hin, dass die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz auch weiterhin berücksichtigt werden wird.

RKI: „Inzidenz ist und bleibt ein wichtiger Parameter!“

„Die Inzidenz war nie einziger Parameter, um das Pandemiegeschehen zu beurteilen. Aber sie ist und bleibt ein wichtiger Parameter“, teilte ein Sprecher mit. Der Wert gibt die Zahl der Ansteckungen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen an und ist Grundlage für viele Corona-Maßnahmen, etwa für die zuletzt ausgelaufene Bundesnotbremse.

Richtig sei aber auch, dass die Inzidenz bei steigender Impfquote an Aussagekraft verliere, fügte der Sprecher hinzu. Zumal dann, wenn die besonders vulnerablen Gruppen bereits geimpft seien. So hatte sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bereits mehrfach geäußert, zuletzt am Wochenende.

Deshalb sollen künftig weitere Daten stärker berücksichtigt werden.

Söder: Sieben-Tage-Inzidenz als Parameter nicht vorschnell abschaffen

Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder will von der Sieben-Tage-Inzidenz zur Beurteilung der Corona-Lage vorerst nicht abrücken. Dies hielte er für verfrüht, sagte der CSU-Chef am Montag beim Besuch des Münchner Impfzentrums.

Es sei aber „sehr sinnvoll“, etwa die Corona-Krankenhaus-Zahlen dazu in Relation zu setzen und zudem einen Koeffizienten zu finden, der die hohe Zahl der Geimpften berücksichtige. Vielleicht müsse man Grenzwerte auch erhöhen.

Kliniken sollen mehr Details zu Covid-19-Fällen melden

Das Bundesgesundheitsministerium hatte am Wochenende bekanntgegeben, dass die Kliniken mehr Details zu Covid-19-Fällen melden sollen.

Neben der Belegung von Intensivstationen müssen alle Krankenhauseinweisungen wegen Corona übermittelt werden, zuzüglich Alter, Art der Behandlung und Impfstatus der Patienten. Die entsprechende Verordnung dazu solle zügig auf den Weg gebracht werden, hieß es am Sonntag aus dem Ministerium. (mt/dpa)

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