Späte Gerechtigkeit? Zehntausende warten auf den Pass.
„NS-Unrecht verjährt nicht“Tausende Nachfahren von NS-Opfern warten auf deutschen Pass

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Durch die Gesetzesänderung 2021 wurde der Kreis der Anspruchsberechtigten erweitert. (Symbolbild)
Ein wichtiges Zeichen, aber es kommt viel zu langsam! Seit 2021 erhielten über 50.000 Nachfahren von Nazi-Opfern die deutsche Staatsbürgerschaft. Die bittere Wahrheit: Zehntausende stecken noch immer in der Warteschleife der Behörden.
Diese Zahlen kommen jetzt durch eine Anfrage des Linken-Politikers Ferat Kocak an das Bundesinnenministerium ans Licht. Demnach stapelten sich zwischen Anfang 2021 und Ende März dieses Jahres unfassbare 101.180 Anträge auf Wiedergutmachung. Doch im gleichen Zeitraum bekamen nur 52.180 Menschen tatsächlich ihren Pass. Das zeigt die brutale Realität: Die Verfahren dauern eine Ewigkeit.
Wer hat überhaupt einen Anspruch?
Anspruchsberechtigt sind Verfolgte des NS-Regimes und ihre Nachkommen. Konkret geht es um Menschen, die zwischen dem 30. Januar 1933 und Kriegsende 1945 aus politischen, rassistischen oder religiösen Motiven ihre deutsche Staatsangehörigkeit verloren. Eine Gesetzesänderung von 2021 weitete den Kreis der Betroffenen erheblich aus.
Die Neuregelung schließt nun auch Personen ein, denen damals zum Beispiel durch Heirat der deutsche Pass verwehrt wurde. Ein Recht darauf haben auch Kinder deutscher Mütter, die vor der Geburt durch die Ehe mit einem Ausländer ihre Staatsbürgerschaft verloren. Das Gesetz dazu wurde am 20. August 2021 wirksam.
Weniger Hürden – aber der Teufel steckt im Detail
Für diese spezielle Einbürgerung müssen Antragsteller keine Deutschkenntnisse vorweisen. Auch andere typische Anforderungen entfallen. Die Logik dahinter: Die Ämter erkennen an, dass die Menschen ihre Staatsbürgerschaft unverschuldet verloren oder sie wegen diskriminierender Regeln nie erhalten haben.
Trotzdem ist der Antrag alles andere als ein Spaziergang. Die oft komplizierten Fluchtgeschichten machen es für die Familien extrem aufwendig, alle notwendigen Papiere zu organisieren, sie übersetzen und amtlich beglaubigen zu lassen.
Antrags-Boom in den letzten Jahren
Gerade in den Jahren 2024 und 2025 erlebte das zuständige Bundesverwaltungsamt einen regelrechten Ansturm. Über 29.500 Anträge waren es allein im Vorjahr. Zum Vergleich: Im Jahr 2022 lag die Gesamtzahl bei nur rund 10.500. Die Bundesregierung wertet die Antragsflut und die niedrige Ablehnungsquote als Erfolg der neuen Regelung.
Die meisten Gesuche werden aus dem Ausland gestellt, hauptsächlich aus Israel und Großbritannien. Das Vereinigte Königreich war nach der Machtergreifung der Nazis ein wichtiger Zufluchtsort für Juden aus Deutschland. Tausende Kinder konnten dank der „Kindertransporte“ dem Holocaust entkommen. Ein überraschender Treiber für die Anträge aus dem UK ist wohl auch der Brexit, der viele dazu bewegt, die deutsche Staatsangehörigkeit zu wollen.
Politiker fordert: „Dürfen sie nicht jahrelang warten lassen“
Dem Bundestagsabgeordneten Ferat Kocak dauert das alles aber viel zu lange. Er fordert deutlich mehr Geschwindigkeit und stellt klar: „NS-Unrecht verjährt nicht - deshalb ist es so wichtig, dass den Betroffenen endlich Gerechtigkeit widerfährt.“
Um die Verfahren zu beschleunigen, verlangt er mehr Kapazitäten und einfachere Prozesse beim Bundesverwaltungsamt. Seine unmissverständliche Botschaft: „Wer Wiedergutmachung ernst meint, darf die Betroffenen nicht jahrelang warten lassen.“ (dpa/red)
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