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Branche leidet extremBlick in Kölns Schaufenster zeigt den Ausnahmezustand

Die Modebranche leidet, die Insolvenzgefahr steigt. Unser Archivbild (Dezember 2022) zeigt, wie sich die Menschen in der Schildergasse mit Einkäufen den Weg durch Köln bahnen.

Die Modebranche leidet, die Insolvenzgefahr steigt. Unser Archivbild (Dezember 2022) zeigt, wie sich die Menschen in der Schildergasse mit Einkäufen den Weg durch Köln bahnen. 

Galeria Karstadt Kaufhof, Görtz, TK Fashion Group – nun auch Peek & Cloppenburg: Die gesamte Modebranche leidet derzeit, die Insolvenzgefahr steigt. Ein Blick in Kölner Schaufenster zeigt den Ausnahmezustand.

von Martin Gätke (mg)

Krisenstimmung bei den Modehändlern in Deutschland: Obwohl sich die Umsätze nach all den Monaten endlich wieder normalisieren, kämpft die Branche mit erheblichen Problemen. Steigende Energiepreise, hohe Mieten und Kostensteigerungen beim Personal führen zu massiven Belastungen der Unternehmen. 

Wie groß, zeigt nun eine jüngst durchgeführte Umfrage des „Deutschen Textil-, Schuh- und Lederwareneinzelhandels“ (BTE): Dort bewerten die Händler die hohen Kostensteigerungen von 1 (kein Problem) bis 10 (sehr großes Problem) im Schnitt mit 8,0. Weitere große Problempunkte: steigende Ein- und Verkaufspreise, Rekrutierung guter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Kaufzurückhaltung der Kunden.

Galeria Karstadt Kaufhof, Görtz, Peek & Cloppenburg & Co.: Branche leidet

Kurzum: die Modebranche leidet, nicht nur unter den hohen Kosten, sondern auch, weil die Kundschaft angesichts der hohen Inflation sparsam ist. Die Insolvenzgefahr steigt.

Alles zum Thema Galeria Karstadt Kaufhof

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Einen kleinen Ausriss dieses Ausnahmezustands erlebt, wer sich in Kölns großer Einkaufsmeile, der Schildergasse, umschaut. Zwar herrscht dort Höchstbetrieb – ein gutes Zeichen nach Corona und angesichts der aktuellen Inflation. Allerdings zeigt ein Blick in die Schaufenster der Modegeschäfte, dass die Krise dort längst nicht vorbei ist: 70 Prozent Rabatt beim „Männerschlussverkauf“ bei Anson’s, eine zweite Hose für die Hälfte bei Tally Weijl, auch bei Intimissimi gibt es 50 Prozent Preisnachlass für das zweite Teil.  Hier an der EXPRESS.de-Umfrage zum Thema Online-Shopping teilnehmen:

Auch der Düsseldorfer Modehändler Peek & Cloppenburg (P&C) ist vertreten. Er will sich in einem Schutzschirm-Insolvenzverfahren neu aufstellen. „Über 500 Top-Marken bis zu 70 Prozent reduziert“ und „Final Sale“  verspricht der Händler der vorbeiströmenden Kölner Kundschaft.

Krise in der Modebranche: „Viele Unternehmen müssen kämpfen“

Große Prozente, viele Rabatte – nicht nur in Köln, sondern bundesweit: Die Lager sind voll, die Kundschaft sparsam. Der Modehandel kämpft. „Viele Unternehmen müssen kämpfen“, sagt Axel Augustin vom Bundesverband des „Deutschen Textil-, Schuh- und Lederwareneinzelhandels“ (BTE) gegenüber der „Wirtschaftswoche“.  Laut einer weiteren BTE-Branchenumfrage landete ein knappes Drittel der befragten Händler 2022 „tief in den roten Zahlen, jeder fünfte sogar mit einem operativen Verlust von fünf Prozent oder schlechter“. 

Ein weiteres Jahr würden die meisten Händler diesen Schwund wohl kaum verkraften.

„Die Insolvenzrisiken für den Textilhandel steigen“

Einige Brancheninsider befürchten, dass Galeria Karstadt Kaufhof, Görtz, TK Fashion Group und Peek & Cloppenburg nur der Anfang sein könnten. „Die Insolvenzrisiken für den Textilhandel steigen“, warnt Michael Karrenberg, Manager beim Warenkreditversicherer Atradius, gegenüber dem Branchenmagazin. Er befürchte ein „unruhiges Jahr“: Die Finanzierungskosten steige, Banken würden bei der Kreditvergabe kritischer auf die Modebranche schauen, die Kauflaune sinke.

Steigt die Inflation, steigen auch die Mieten – und damit auch die Ladenmieten. H&M, C&A, Primark & Co. haben bereits begonnen, ihre Filialnetze zu lichten. 

Modebranche fordert: „Versorger müssen jetzt Tempo machen!“

Das Problem: Die Filialen in Shoppingcentern oder in den Fußgängerzonen der Innenstädte wurden oft für zehn bis 15 Jahre angemietet, vielerorts gelten noch diese alten, langen Mietverträge. Wer vorher raus will, muss hohe Entschädigungen zahlen – wenn der Vermieter überhaupt mitspielt. Ein Insolvenzverfahren hilft im Zweifel, sich dieser teuren Verträge zu entledigen.

Der Deutsche Textil-, Schuh- und Lederwareneinzelhandel beklagt nicht nur die Kostenexplosion, sondern auch die ausufernde Bürokratie.

BTE-Hauptgeschäftsführer Rolf Pangels fordert, dass die versprochenen Energie-Entlastungen zeitnah bei den Unternehmen ankommen müssen: „Die Versorger müssen jetzt Tempo machen, damit die in den letzten drei Jahren besonders gebeutelten Mode-, Schuh- und Lederwarenhändler endlich Sicherheit und Entlastung bekommen. Und keinesfalls darf dies mit weiteren bürokratischen Hürden verbunden sein!“