Corona-Briefing Lauterbach warnt vor neuem Omikron-Typ BA.2 – „sind in vulnerabler Phase“

Bund und Länder haben am vergangenen Mittwoch einen Plan für Lockerungen beschlossen. Am heutigen Freitag äußerte sich Gesundheitsminister Karl Lauterbach live zur Corona-Lage auf einer Pressekonferenz in Berlin.

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz ist in Deutschland zuletzt immer wieder gesunken. Die Omikron-Welle ist nach Einschätzung vieler Experten gebrochen. Bund und Länder haben am vergangenen Mittwoch (16. Februar 2022) während der MPK einen Fahrplan für schrittweise Lockerungen innerhalb der nächsten vier Wochen beschlossen.

Jetzt hat Lauterbach noch einmal auf der Pressekonferenz klargemacht, wie fragil die aktuelle Lage eigentlich ist.

Am Freitag (18. Februar 2022, ab 8.30 Uhr) informierte Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) zusammen mit RKI-Vizepräsident Lars Schaade sowie Michael Meyer-Hermann, Leiter der Abteilung Systemimmunologie am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig, über die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie. Und warnte eindringlich vor der sich ausbreitenden neuen Omikron-Variante BA.2: Sie sei nicht nur ansteckender, der Verlauf sei auch schwerer. Und in Deutschland gebe es noch immer viel zu viele Ungeimpfte. Er prognostizierte: „Wir werden noch sehr lange mit dieser Pandemie zu tun haben.“ Zehn Jahre lang, so eine Einschätzung.

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Anschließend zeichnete auch Meyer-Hermann ein düsteres Szenario für den Herbst: Im Herbst könnte die Delta-Variante zurückkehren, sollte der Großteil der Menschen nur eine Immunität gegen Omikron aufgebaut haben. Diese haben dann keinen Schutz gegen Delta. Sein Appell: Auch Genesene sollten sich dringend impfen lassen.

Pressekonferenz zur aktuellen Corona-Lage am 18. Februar 2022: Das sagen Karl Lauterbach und RKI-Vizepräsident Lars Schaade

  • Meyer-Hermann macht auf Nachfrage, ob man Masken bald wie in anderen Ländern abschaffen könne, klar: „Ja, Masken nerven. Aber in Anbetracht des Leides, das Corona auslöst, ist das kein besonders gutes Argument.“ Die Masken seien eine vergleichsweise geringe Belastung und böten einen effektiven Schutz.
  • Meyer-Hermann erklärt auf Nachfrage, wie groß die Belastung für Schülerinnen und Schüler, für Kinder und Jugendliche in dieser Lage ist. Gerade die Planungsunsicherheit sorge für eine psychische Belastung und Sorgen. Die Frage danach, wie es in Zukunft weiter geht. „Das Ziel ist es, dass Schulen stabil und gleichmäßig offen bleiben. Die Masken können abgesetzt werden, wenn dies das Ziel nicht gefährdet.“
  • Meyer-Hermann ergänzt, dass es sehr wichtig sei, eine Grundimmunität in der Gesellschaft zu erreichen, um irgendwann komplett zu öffnen. „Das Ziel ist, Corona irgendwann wie einen Schnupfen behandeln zu können.“ Das sei aber noch nicht der Fall, die Zahl der Ungeimpften ist zu hoch. Seiner Meinung nach ist die Gefahr, dass das Virus derzeit mutiert, „nach jetzigem Stand nicht so groß“. Eine Impfung schütze wohl auch für weitere Varianten.
  • Wie lange werden wir noch mit der Pandemie zu tun haben? Lauterbach: „Wenn ich ehrlich sein soll, ist es so, dass wir noch sehr lange mit der Pandemie zu tun haben werden. Ich denke, dass es etwa zehn Jahre sein werden.“ Für Menschen mit Immunschwächen und Vorerkrankungen werde die Impfung auch in Zukunft nicht vollends ausreichen, sie bleiben gefährdet. Zum endemischen Zustand sagt Lauterbach, dass das nichts zum „Feiern“ sei.: „Das bedeutet, dass es immer wieder Ausbrüche geben wird, von denen nicht wenige schwer verlaufen werden. Wir werden möglicherweise auch neue Varianten bekommen.“ Lauterbach: „Der Zug der Grundimmunisierten nimmt nicht alle gleichermaßen mit.“ Einige werden eben länger mit der Pandemie zu tun haben.
  • Auf Nachfrage eines Journalisten, ob die Deutschen jetzt bedenkenlos reisen könnten, macht Lauterbach klar: „Bedenkenlos ist hier gar nichts.“ Bedenkenloses Reisen sei „leider noch nicht möglich.“
  • Omikron allein schütze nicht gegen die vorigen Varianten, so Meyer-Hermann. Er klärt ein weit verbreitetes Missverständnis auf: „Wenn Menschen nur Omikron gehabt haben, haben sie keinen Schutz gegen Delta.“ Meyer-Hermann zeichnet ein düsteres Szenario: Delta könne im Herbst wieder vermehrt aufkommen, wenn ein Großteil der Menschen nur eine Immunität gegen Omikron aufgebaut haben. Auch die Genesenen sollten sich deshalb dringend impfen lassen.
  • Meyer-Hermann: „Omikron ist die Variante, die uns in den endemischen Zustand bringt.“ Der R-Wert liege zwischen 6 und 10, die Grundimmunität in der Bevölkerung müsse erhöht werden. „Wir haben viel zu viele, die nicht geimpft und jetzt vulnerabel sind.“ Diese Gruppe werde jetzt vermehrt infiziert, wenn der Alltag geöffnet werden. „Wir werden damit rechnen müssen, dass in dieser Gruppe vermehrt Todesfälle auftreten werden.“
  • „Man darf seine Hand nicht vom Haupthahn nehmen, bevor man abgedreht hat.“ Mit diesem Bild macht Meyer-Hermann klar, dass die Lage noch fragil sei. Den Fehler, der nach der zweiten Welle gemacht wurde, sollte man nicht wiederholen. Damals sei ebenfalls zu früh geöffnet worden.
  • Meyer-Hermann ist optimistisch: „Es ist Licht am Ende des Tunnels.“ Die aktuelle Situation lasse diesen Satz zu. Die Zahl der Toten sei in Deutschland im europäischen Durchschnitt wesentlich geringer, das sei eine weitere gute Nachricht. Hier behalte Deutschland seine positive Stellung in Europa bei. 1400 Tote auf eine Million Menschen, „was eine erschreckend hohe Zahl ist“, hat Deutschland zu verzeichnen, 2200 sind es im Rest Europas. Südkorea habe gerade einmal 140 Tote auf eine Million. „Auch das ist möglich.“
  • Aber: „Schutzmaßnahmen in Krankenhäusern und Pflegeheimen müssen aufrechterhalten werden.“ Die Pandemie sei noch nicht vorbei. „Sars-Cov-2 wird nicht verschwinden.“
  • RKI-Vize Schaade mahnt: Der Scheitelpunkt in den Intensivstationen sei noch nicht erreicht, ebenso bei den Todeszahlen. Dennoch sei unter Beobachtung der aktuellen Situation eine Lockerung möglich.
  • Die aktuelle Gesamtbilanz für das Frühjahr sei so gut, „das darf nicht gefährdet werden.“ Lauterbach wendet sich auch an die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten: „Wenn wir versuchen, uns mit Lockerungsmaßnahmen zu profilieren, wäre das falsch.“ Die aktuell beschlossenen Maßnahmen seien das Maximum.
  • Lauterbach mahnt aber auch: „Wir sind noch nicht wirklich in sicheren Gewässern.“ Wenn man zu schnell öffne, würden die Fallzahlen schnell wieder steigen. „Wir sind in einer vulnerablen Phase“. Auch die BA.2-Variante von Omikron müsse beobachtet werden, sie macht derzeit etwa 15 Prozent aus. „Die Variante ist ansteckender und hat wohl etwas schwerere Verläufe.“ Wenn die der Anteil dieser Variante steige, so Lauterbach, sei die aktuell gute Lage gefährdet.
  • Der Scheitelpunkt der Omikron-Welle sei bereits erreicht, wurde etwa am 14. Februar überschritten, so Lauterbach. Das größte Problem nach wie vor: Die große Zahl der Ungeimpften bei den Über-60-Jährigen.
  • Nach der Kontroverse um die plötzliche Verkürzung des Corona-Genesenenstatus will Lauterbach dem RKI die Befugnisse entziehen, das sagte er der „Bild“ am Mittwoch.
  • Lauterbach beginnt die Bundespressekonferenz mit einer Einschätzung zur Corona-Lage und erklärt, dass RKI-Chef Lothar Wieler aus gesundheitlichen Gründen verhindert ist. „Sonst wäre er hier.“ Der Zoff um den Genesenenstatus ist demnach also nicht der Grund, warum Wieler fehlt.

Corona: Karl Lauterbach äußert sich live zur aktuellen Lage

Im Zuge der Debatte über Öffnungsschritte hatte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach schon die Einschätzung formuliert, der Höhepunkt der Omikron-Welle sei überschritten.

Ab dem 20. März 2022 sollen so gut wie alle Corona-Regeln ad acta gelegt werden. Vom selbsterklärenden Ausdruck „Freedom Day“ hält Karl Lauterbach allerdings überhaupt nichts. Das machte er auch auf der Bundespressekonferenz am Freitag noch einmal klar. Die aktuelle Lage lasse es nicht zu, einen festen Tag zu bestimmen. Er warnte die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten, nicht über die beschlossenen Lockerungen hinaus zu öffnen. „Wir müssen das umsetzen wie ein Uhrwerk.“ (mg)

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