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Lecks in Gas-Pipelines Drastische Warnung für deutsche Energie: „Muss uns in große Sorge versetzen“

Südöstlich der dänischen Ferieninsel Bornholm tritt am 26. September Gas aus, nachdem die Pipeline mutmaßlich sabotiert worden war. Das Satellitenfoto von Planet Labs LBC zeigt den großflächigen Austritt im Meer.

Südöstlich der dänischen Ferieninsel Bornholm tritt am 26. September Gas aus, nachdem die Pipeline mutmaßlich sabotiert worden war. Das Satellitenfoto von Planet Labs LBC zeigt den großflächigen Austritt im Meer. 

Inmitten der Energiekrise in Europa kommt es zum Sabotagekrimi in der Ostsee: Es gibt mehrere Explosionen an Nord Stream 1 und 2, mittlerweile gibt es vier Lecks, mehr als die Hälfte des Gases ist bereits entwichen. Eine Energieexpertin warnt nun eindringlich vor weiteren Anschlägen auf die Energieversorgung in Deutschland und Europa.

Die Ermittlungen in der Ostsee laufen derzeit auf Hochtouren: Schwedens Küstenwache hat ein viertes Gasleck an den Nord-Stream-Pipelines in der Ostsee entdeckt, nun sind es zwei Lecks auf schwedischem, zwei auf dänischem Gebiet. 

Die Spekulation über die Ursachen häufen sich auch am Donnerstag (29. September), doch es gilt mittlerweile als sicher, dass die Explosionen kein Unfall sind. Die EU und auch die Nato gehen von vorsätzlichen Sabotageakten aus, halten sich aber mit Schuldzuweisungen bedeckt. Viele westliche Expertinnen und Experten haben Russland als Verantwortlichen im Visier – der Kreml streitet dies vehement ab. 

Mutmaßliche Sabotage an Nord-Stream-Pipelines: Expertin in Sorge

Noch will auch die Bundesregierung nicht offiziell von einem russischen Anschlag sprechen. Die Explosionen aber zeigen, wie angreifbar die europäische Energie-Infrastruktur ist. Ein Fakt, der auch der Energieexpertin Claudia Kemfert Sorge bereitet, wie sie im Fernsehsender „phoenix“ erläutert.

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Auch Kemfert ist der Auffassung, dass die Lecks ein Sabotage-Akt sind. Nun warnt sie eindringlich vor weiteren Anschlägen auf die Energieversorgung in Europa: „Wir sind in einem fossilen Energiekrieg. Die Mittel, die da gewählt werden, sind drastisch“, sagt sie. 

Während Europa in der Energiekrise steckt, gibt es Explosionen an wichtigen Gas-Pipelines in der Ostsee. Das würde ganz und gar dem Drehbuch des russischen Präsidenten, Wladimir Putin, entsprechen: „Wir sollen in Angst und Schrecken verfallen und müssen jetzt damit rechnen, dass es Anschläge auf alle möglichen Bereiche gibt“, warnt die Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung weiter. Gerade die Gefahr von Cyberangriffen auf Atomkraftwerke sei hoch. 

Drastische Warnung nach Lecks in Ostsee: „Muss uns in große Sorge versetzen“

Kemfert mache schon jetzt Versuche der Destabilisierung der deutschen und europäischen Versorgung aus: „Das muss uns in große Sorge versetzen und das müssen wir sehr ernst nehmen.“ Nicht nur der Sicherheitsaspekt sei problematisch, auch seien enorme Umweltschäden zu befürchten, etwa durch entweichendes Methan. 

Ein Vorfall, wie aktuell in der Ostsee, führe außerdem dazu, dass die Planungssicherheit noch weiter sinken würde. Man wisse einfach nicht mehr, ob und wie viel Gas noch zur Verfügung stehen.

Das Problem: Nicht nur Offshore-Pipelines könnten Ziel der Anschläge werden, auch Kommunikationskabel, die etwa am Meeresboden verlegt worden sind. Ohne sie würde das Internet schlichtweg nicht funktionieren. Auch das zuständige Bundesinnenministerium räumte gegenüber „Welt“ ein, es gebe „eine abstrakte Gefährdungslage für kritische Infrastruktur, insbesondere kritische Energieinfrastruktur“. Es lägen aber keine konkreten Hinweise vor. Die Bundespolizei unterstütze mit ihren Schiffen auf der Nord- und Ostsee auch die Sicherung der Pipelines.

Mutmaßliche Sabotage an Nord-Stream-Pipelines: Ist Russland schuld?

Derweil legt sich auch der ehemalige Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), Gerhard Schindler, auf einen mutmaßlichen Anschlag fest, wie er „Welt“ berichtet: „Eine unbemerkte, konspirative Beschädigung von Pipelines in 80 Meter Tiefe in der Ostsee erfordert anspruchsvolle technische und organisatorische Fähigkeiten, die klar auf einen staatlichen Akteur hinweisen. Hierfür kommt eigentlich nur Russland in Betracht, zumal es von diesem Sabotageakt die meisten Vorteile hat.“

Nun könne ein kompletter Stopp der Gaslieferung einfach durch den Hinweis auf die defekten Leitungen begründet werden. Anschläge dieser Art würden zudem auch westliche Staaten und die Bevölkerung verunsichern, was ins ebenfalls russische Kalkül passe. „Und nicht zuletzt steigt der Gaspreis, was natürlich in Russlands Interesse ist.“

Auch Sicherheitsexperte Johannes Peters vermutet Russland hinter den Sabotagen, wie er am Donnerstag im ARD-„Morgenmagazin“ erklärte. „Das wirkt vordergründig natürlich etwas widersinnig, die eigenen Pipelines zu zerstören“, sagte der Experte vom Institut für Sicherheitspolitik der Universität Kiel, es gebe aber gute Gründe dafür. Ein Grund sei, ein „starkes Signal“ an Europa zu senden, vor allem an Deutschland und Polen, dass man dasselbe auch mit anderen Teilen der Infrastruktur machen könne. 

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