Lohngerechtigkeit: Deutschland missachtet wichtige EU-Frist
Deutschland bricht EU-RechtFrist für mehr Lohntransparenz wurde einfach ignoriert

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Welches Gehalt bekommt mein Kollege mit den gleichen Aufgaben? (Symbolbild)
Deutschland missachtet seit diesem Montag (7. Juni 2026) geltendes EU-Recht, da neue Vorgaben zur Lohntransparenz nicht implementiert wurden. Am Sonntag ist eine entscheidende Frist verstrichen, die den EU-Ländern zur Anpassung ihrer nationalen Gesetze gegeben war. Die Bundesregierung lässt sich jedoch Zeit: Eine Mitteilung des Bundesfamilienministeriums besagt, dass die deutsche Gesetzgebung erst bis Anfang 2027 überarbeitet werden soll.
Diese Säumigkeit könnte für die Bundesrepublik kostspielig werden. Die EU-Kommission steht jetzt vor der Entscheidung, ob ein Vertragsverletzungsverfahren gestartet wird. Sollte die Regierung ihr Wort halten und die Gesetzesanpassung in den kommenden Monaten nachholen, könnte die Kommission jedoch von einer Strafe absehen.
Gleicher Lohn für gleiche Arbeit: Das sollte sich ändern
In Deutschland verdienen Frauen nach wie vor spürbar weniger als ihre männlichen Kollegen. Ihr Bruttostundenlohn ist den neuesten verfügbaren Eurostat-Angaben von 2024 zufolge durchschnittlich um 15,6 Prozent geringer. Zum Vergleich: In der gesamten EU beläuft sich diese Differenz auf 11,1 Prozent.
Um diese Ungleichheit zu beenden, sollten neue, klare Instrumente eingeführt werden: Ihr als Beschäftigte solltet erfahren können, wie das mittlere Gehalt für gleichwertige Positionen in eurer Firma ist – getrennt nach Männern und Frauen. Unternehmen mit 100 oder mehr Mitarbeitenden müssten zudem regelmäßig die Lohnschere offenlegen. Arbeitgeber wären auch verpflichtet, euch als Bewerbende frühzeitig über die Anfangsvergütung zu unterrichten und dürften nicht mehr nach eurem vorherigen Salär fragen.
Regierung bremst – und nennt wirtschaftliche Lage als Grund
Beschlossen wurde die EU-Richtlinie bereits im Jahr 2023. Obwohl sich die damalige Bundesregierung aus SPD, Grünen und FDP bei der entscheidenden Abstimmung enthielt, war die Deadline für die Implementierung seither unmissverständlich festgelegt.
In einem „Politico“-Podcast äußerte Familienministerin Karin Prien (CDU), dass Deutschland mit anderen europäischen Nationen Gespräche führe, um noch Modifikationen bei den Deadlines und den Vorgaben zu erwirken. Als Begründung für den Aufschub nannte eine Sprecherin ihres Ministeriums die angespannte Wirtschaftslage. Die neuen Auflagen für Betriebe sollen deswegen erst im Juni 2028 wirksam werden.
Wie bitte?! Deutschland hat schon ein Gesetz – das kaum einer nutzt
Die Lohnunterschiede haben laut der EU-Kommission tiefere Wurzeln. Als Gründe werden unzureichende Angebote zur Kinderbetreuung genannt und die Tatsache, dass Frauen oft einen größeren Teil der unbezahlten Sorgearbeit schultern und deshalb längere berufliche Pausen einlegen. Stereotype bei der Ausbildung und im Job verschärfen die Situation.
Der eigentliche Hammer ist aber: Deutschland besitzt seit 2017 ein eigenes Entgelttransparenzgesetz. Dieses Gesetz erlaubt euch bereits, Informationen über die Bezahlung von Kolleginnen und Kollegen in ähnlichen Rollen einzuholen. Ein Regierungsgutachten aus dem Jahr 2023 offenbarte jedoch die traurige Wahrheit: Die Regelung wird so gut wie nicht in Anspruch genommen. Die Ursache: Viele fürchten negative Konsequenzen durch ihre Vorgesetzten, wenn sie eine solche Anfrage stellen. (dpa/red)
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