Dänemarks Militärgeheimdienst warnt: Russland könnte in den kommenden Monaten einen begrenzten Angriff auf ein NATO-Land starten. Der Grund könnte Moskaus eigene Schwäche sein.
Dänischer Geheimdienst warntPutin könnte innerhalb weniger Monate „begrenzt“ angreifen

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Russlands Präsident Wladimir Putin am 25. September im Mariinski-Theater in Sankt Petersburg. Geheimdienste warnen vor möglichen Angriffen.
Der Zwischenfall vor der südlichsten Küste Dänemarks sorgte europaweit für Wirbel: Eine russische Fregatte schießt Signalraketen auf einen dänischen Militärhubschrauber. In Kopenhagen löste der Fall Alarm aus. Russland lässt im Ostseeraum immer mehr die Muskeln spielen. Zehn Tage später legt der dänische Militärgeheimdienst einen Bericht vor, der Europa weiter beunruhigen dürfte.
Das Papier ist auf den 24. September 2026 datiert und nur drei Seiten lang. Der Militärgeheimdienst Forsvarets Efterretningstjeneste sieht darin ein „geringes, aber wachsendes Risiko“, dass Russland ein NATO-Land militärisch angreift. Gemeint ist kein herkömmlicher Krieg, sondern ein „begrenzter“ Angriff, und zwar möglicherweise schon in den kommenden Monaten.
„Es wäre ein verzweifelter Schritt Russlands“
„Ein begrenzter militärischer Angriff wäre ein verzweifelter Schritt Russlands und könnte, wie die verstärkten hybriden Angriffe, möglicherweise in den kommenden Monaten stattfinden“, heißt es im Bericht. Hybride Angriffe seitens Russlands erlebt Europa schon länger. Gemeint sind verdeckte Angriffe unterhalb der Schwelle eines offenen Krieges, etwa Sabotageakte, Cyberangriffe oder Desinformationskampagnen.
Auch das Ziel Russlands benennen die Dänen: „Der Zweck wäre, europäische Ressourcen von der Unterstützung der Ukraine abzuziehen und Zwietracht innerhalb der NATO zu säen, falls sich das Bündnis nicht auf eine gemeinsame Antwort einigen kann.“
Die Analysten beschreiben konkrete Szenarien mit einem „geringen, aber wachsenden Risiko“: Als Beispiel nennen sie einzelne Schläge mit Langstreckenwaffen auf Einrichtungen, die für die Unterstützung der Ukraine wichtig sind. Danach könnte Moskau behaupten, die Raketen seien durch ukrainische Störsender vom Kurs abgekommen.
Auch „False flag“-Aktion wäre weiterhin denkbar
Denkbar sei laut Bericht auch eine „False flag“-Aktion, eine Operation unter falscher Flagge: Russland könnte demnach Drohnen aus ukrainischer Produktion einsetzen, um ein NATO-Land anzugreifen. Ein Täuschungsmanöver, um die eigentliche Herkunft des Angriffs zu verschleiern.
Eine dritte Möglichkeit wäre, eine begrenzte Zahl von Soldaten ohne Hoheitsabzeichen in NATO-Staaten an der russischen Grenze zu schicken. Das erinnert an die „grünen Männchen“ auf der Krim im Jahr 2014. Dafür müsste Moskau aber zuerst reguläre Truppen an der Grenze zusammenziehen. Das wiederum würde mehrere Monate dauern und ließe sich kaum verbergen. Eine echte Invasion halten die Dänen indes für sehr unwahrscheinlich, weil sie mindestens sechs Monate Vorbereitung bräuchte. Ausschließen können sie diese aber nicht.
Lange galt in Europa die Annahme, dass ein geschwächtes Russland, das sich noch im Krieg mit der Ukraine befindet, weniger gefährlich ist. Die Dänen sehen das anders. Laut Bericht erleidet Russland schwere Verluste für relativ wenig Geländegewinne. Die ukrainischen Angriffe schlagen immer tiefer im russischen Hinterland zu. Außerdem leidet Putins Wirtschaft unter den Militärausgaben, den Sanktionen und den ukrainischen Angriffen auf Raffinerien. Einen russischen Durchbruch erwarten die Analysten in den nächsten sechs Monaten nicht.
Geht Putin nach mehr als vier Jahren Krieg größere Risiken ein?
Dazu kommt ein weiterer Punkt: Nach dänischer Einschätzung glaubt der Kreml, dass Europa nach und nach eine eigene militärische Stärke aufbaut. Bis 2030 könnte diese zu einer wachsenden Bedrohung werden – aus Sicht von Russland. Putin könnte sich zudem einreden, dass das NATO-Bündnis im Fall der Fälle nicht geschlossen reagieren wird, insbesondere wenn er glaubt, die USA seien nicht in der Lage oder nicht willens, ihren europäischen Verbündeten beizustehen. Seine Bereitschaft, nach mehr als vier Jahren Krieg größere Risiken einzugehen, könnte steigen.
Auch den hybriden Krieg wird Russland nach Einschätzung des Geheimdienstes verschärfen, und zwar „mit größeren Folgen für die betroffenen Länder als in der Vergangenheit“. Die Dänen rechnen mit schweren Cyberangriffen, die lebenswichtige Funktionen der Gesellschaft lahmlegen könnten, und mit Sabotage, bei der ein hohes Risiko für Todesopfer besteht.
Wie ernst die Lage ist, zeigt der Fall des gescheiterten Drohnenangriffs auf den Flughafen Leipzig/Halle. Die Bundesregierung machte explizit Russland dafür verantwortlich. (mg)

