Eine Stahlkiste revolutionierte die Welt und kostete Jobs.
Eine Kiste änderte allesWie der Container die Welt und die Schifffahrt revolutionierte

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Nach der Ankunft des ersten Vollcontainerschiffs in Bremen wurde der Bau des Containerhafens in Bremerhaven vorbereitet. (Archivbild)
Eine gewaltige Umwälzung erreichte Deutschland per Schiff und nahm in Bremen ihren Anfang. Am 5. Mai 1966 legte mit der „Fairland“ das erste reine Containerschiff in einem deutschen Hafen an. Eine simple Stahlkiste, die die Welt verändern sollte. Damals wurden die Container noch mit bordeigenen Kränen auf Laster gehievt – eine spezielle Containerbrücke fehlte im städtischen Überseehafen noch komplett.
„Das war der Start der internationalen Containerschifffahrt und damit der Beginn einer Revolution der Schifffahrt und einer unglaublichen Erfolgsgeschichte“, erklärt Burkhard Lemper, wissenschaftlicher Geschäftsführer des Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik in Bremen. Die Idee der stapelbaren, genormten Boxen, die auf Schiffe, Züge und Lkw passen, stammte aus den USA. Dort hatte der Unternehmer Malcolm McLean das Zeitalter schon ein Jahrzehnt früher eingeläutet.
Hafenarbeiter plötzlich nutzlos, ganze Viertel auf den Kopf gestellt
Für die Häfen und ihre Beschäftigten stellte die neue Effizienz eine massive Bedrohung dar. Bevor 1967 in Bremen die erste Containerbrücke errichtet wurde, mussten die Hafenarbeiter noch jeden Sack, jede Kiste und jedes Fass einzeln an Bord schleppen und mühsam sichern. Auf einmal ging alles rasend schnell.
Eine wissenschaftliche Untersuchung belegt, dass Güter in den neuen Containerhäfen etwa achtzehnmal flotter umgeschlagen werden konnten. Die Abfertigung von Schiffen dauerte nur noch Tage, nicht mehr Wochen. Die Konsequenz: Der Bedarf an Hafenarbeitern brach zusammen, Tausende verloren ihre Anstellung. Auch für die Seeleute änderte sich alles – ihnen blieb fast keine Zeit mehr an Land, was das Leben in den Hafenvierteln für immer umkrempelte.
Wo einst geschuftet wurde, stehen heute schicke Luxus-Wohnungen
Die alten Hafenbecken in den Städten waren für die gewaltigen Containerschiffe häufig zu seicht, zudem mangelte es an Freiflächen. Sie wurden stillgelegt. Zu den Gewinnern zählten Standorte mit viel Platz, wie etwa Bremerhaven. Wo früher hart gearbeitet wurde, wuchsen neue Stadtviertel – in Hamburg, London oder New York schaut man heute aus teuren Wohnungen aufs Wasser.
In Hamburg büßte die bekannte Speicherstadt ihre Funktion als Lagerort ein und wurde 1991 zum Denkmal erklärt. „Ohne die großen Effizienz- und Kostenvorteile des Systems Container wäre die Globalisierung der letzten Jahrzehnte nicht erfolgt“, macht Wissenschaftler Lemper deutlich. Der globale Containerumschlag ist seither explodiert; heute werden Standardcontainer rechnerisch mehr als 900 Millionen Mal jährlich bewegt.
Smarte Kisten liefern jetzt Daten in Echtzeit
Obwohl die große Umstellung auf Container vollendet ist, geht die Entwicklung weiter. Inzwischen werden die Boxen intelligent und liefern Daten live. Die Reederei Hapag-Lloyd aus Hamburg hat laut eigenen Angaben fast ihre komplette Flotte von zwei Millionen Standardcontainern mit Ortungs- und Sensortechnologie versehen.
Ein dreistelliger Millionenbetrag wurde dafür lockergemacht. „Für das Geld hätten wir auch ein Schiff kaufen können“, sagt Olaf Habert, der bei Hapag-Lloyd für die intelligenten Container verantwortlich ist. Kunden können für 15 US-Dollar (ungefähr 13 Euro) pro Box ihre Fracht live mitverfolgen. Gerade nach dem Ausbruch des Kriegs im Iran gab es laut der Reederei eine hohe Nachfrage, da die neue Technologie Ankunftszeiten viel präziser prognostizieren kann.
Auch der Logistikkonzern DSV setzt auf die Technologie. Michael Hollstein, eine der Führungskräfte im Seefrachtbereich, erklärt, dass die Planbarkeit in den Lieferketten sich dadurch enorm verbessert. „Insbesondere bei sensiblen und hochwertigen Gütern ist diese Transparenz inzwischen ein entscheidender Erfolgsfaktor.“ Eine neue Herausforderung ist der Transport von Lithiumbatterien. Dafür werden spezielle Container mit Brandschutzsystemen benötigt, deren Angebot aber noch gering ist.
Das bittere Ende am Geburtsort der Revolution
Und was geschah am Ort, wo alles begann? Der Siegeszug des Containers war zugleich das Todesurteil für den Bremer Überseehafen. Er büßte an Wichtigkeit ein, wurde 1991 stillgelegt und das Hafenbecken später mit Sand verfüllt. Dass die Ankunft der „Fairland“ das Ende des Hafens besiegeln würde, hätte damals wohl niemand für möglich gehalten. (dpa/red)
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