FDP-Chef bittet um „Nachsicht“ Lindner stolpert mit Spruch über Teuteberg in Desaster

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Linda Teuteberg, ehemalige FDP-Generalsekretärin, und Christian Lindner, Fraktionsvorsitzender und Parteivorsitzender der FDP.

Berlin – Christian Lindner hat die FDP vor der Bundestagswahl neu aufgestellt. Der Parteichef wollte auf der Veranstaltung in Berlin vor allem eins, Stärke beweisen. Die FDP soll wieder raus aus der Bedeutungslosigkeit und weg von der bedrohlichen Fünf-Prozent-Hürde.

Er wolle, dass nächstes Jahr die Freien Demokraten wieder zu einer Regierungsbildung im Bund benötigt werden, sagte Lindner am Samstag in Berlin in seiner Rede auf einem Bundesparteitag unter dem Motto „Mission Aufbruch“.

Zu der Neuaufstellung gehörte aber auch die Verabschiedung früherer Amtsinhaber. Die wichtigste Personalie Linders war die Wahl des rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministers Volker Wissing zum Generalsekretär. Wissing übernahm das Amt von Linda Teuteberg, die erst im vergangenen Jahr gewählt worden war.

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Teuteberg war nur auf massiven Druck Lindners vorzeitig zurückgetreten. Dabei hatte sie 2019 rund 93 Prozent der Stimmen in der FDP für ihre Aufgabe bekommen. Bei seinem Auftritt ging Lindner ausführlich auf die Verabschiedung Teutebergs ein. Wollte vermutlich auch Wogen glätten. Dass Lindner seine Generalsekretärin so nachdrücklich aus ihrem Amt drängte, ging vielen gegen den Strich.

Zumal die FDP ein Imageproblem hat: Nicht mal ein Viertel der Partei-Mitglieder sind Frauen. Und jetzt musste gerade die Frau, die es bis an die Spitze der Partei geschafft hatte, gehen: Linda Teuteberg.

Verabschiedung von Linda Teuteberg wird für Christian Lindner zum Desaster

Doch die Verabschiedung geriet für Christian Lindner zum Desaster. Der Aufschrei über einen Spruch in der Manier eines Altherrenwitzes ist groß. Lindner selbst sah sich zu einer Entschuldigung auf Twitter genötigt. Wobei ihm die nur wenige abnehmen.

„Ich denke gerne daran, Linda, dass wir in den vergangenen 15 Monaten ungefähr 300 Mal, ich hab' mal so grob überschlagen, ungefähr 300 Mal den Tag zusammen begonnen haben“, sagte Christian Lindner auf der Veranstaltung.

Auf das Gelächter im Saal sagte er weiter: „Ich spreche über unser tägliches, morgendliches Telefonat zur politischen Lage. Nicht was ihr jetzt denkt.“

Scharfe Kritik an FDP-Chef Christian Lindner für Altherrenwitz

Die Reaktionen warteten nicht lange auf sich. Die Bundessprecherin der Grünen Jugend, Anna Peters, warf Lindner „Chauvinismus par excellence“ vor. Renate Künast von den Grünen twitterte: „Ist das schrecklich!“

Auch Peters' Parteikollege Konstantin von Notz fand etwa: „Es ist besser, nicht Witze zu machen, als falsch Witze zu machen.“

Und auch Leuten aus der CDU, dem favorisierten Koalitionspartner der FDP, war nicht zum Lachen zumute. „Mission Altherrenwitz statt Mission Aufbruch“, kommentierte CDU-Abgeordneter Matthias Hauer in Anspielung auf das Motto des FDP-Bundesparteitags.

FDP-Chef Christian Lindner bittet um Nachsicht für Teuteberg-Spruch

Christian Lindner reagierte wenig später auf die Vorwürfe. Er sieht in dem Spruch ein Missverständnis und bittet um Nachsicht.

„Ich bitte um Nachsicht: Die Erwähnung der morgendlichen Telefonkonferenz mit der Generalsekretärin war kein Witz – vereinzeltes Lachen hat mich irritiert. Es war also nur eine missverständliche Formulierung. Einmal auf Twitter bitte im Zweifel für den Angeklagten...“

Also bloß eine unbedachte Bemerkung?

Autorin Kathrin Weßling sieht das anders. In sarkastischem Unterton schreibt sie: „Klar, als professionellen Redner kann einen schon mal eine komplett doppeldeutige Formulierung passieren und dann ist man so überrascht, dass die Leute lachen über einen sexistischen Witz, huch wie konnte das denn passieren?“

Dorothee Martin: „Mit Verlaub, Herr Lindner, das geht gar nicht!“

SPD-Bundestagsabgeordnete Dorothee Martin: „Mit Verlaub, Herr Lindner, das geht gar nicht und das war auch nicht nur ‚missverständlich‘. Wir hätten Sie denn einen männlichen Generalsekretär verabschiedet? Sicher nicht mit anzüglichem Kommentar!“

Auch Youtube-Unternehmer der ersten Stunde, Christopher Krachten, sieht in den Worten Lindners nur eine leere Entschuldigung. Er sieht die Aussage des FDP-Parteichefs als einen geplanten Witz, der nach hinten losgegangen ist. „Deswegen auch das süffisante Lächeln nach der Kunstpause“, schreibt Krachten und fügt einen zwinkernden Smiley an. „Alles klar!“

Auch ein anderer Twitter-User schreibt: „Die Kunstpause bis die Lacher eintrudeln ist natürlich auch rein zufällig gesetzt. Hoppela.“

Ob Missverständnis oder nicht: Nicht nur für Christian Lindner, auch für die FDP kommt der Fallstrick eines Altherrenwitzes zur Unzeit. (jv)

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