„Gäste fühlten sich unwohl“ Reggae-Band betritt die Bühne – Konzert wird umgehend abgebrochen

Das Foto zeigt die Reggae-Band Lauwarm, es wurde am 9. August auf dem Instagram-Kanal der Band gepostet.

Das Foto zeigt die Reggae-Band Lauwarm, es wurde am 9. August auf dem Instagram-Kanal der Band gepostet. Die Band musste ihr Konzert in Bern aufgrund ihres Aussehens abbrechen.

Ist es kulturelle Aneignung oder ist es Inspiration, wenn weiße Musiker Reggae spielen? Eine Band musste ihr Konzert nun in Bern beenden, weil die Künstler Dreadlocks tragen und weiß sind – erneut wird heiß über diese Frage gestritten. Der Fall erinnert an die Musikerin Ronja Maltzahn, die im März von Fridays for Future ausgeladen wurde. 

Es passierte am vergangenen Montag (18. Juli): Die schweizerische Mundart-Reggae-Band Lauwarm trat in der Berner Brasserie Lorraine auf. Die fünf Männer sind relativ kurzfristig für eine andere Band eingesprungen, wollten nun die Menschen mit ihrer Musik zum Feiern bringen.  

Doch daraus wurde nichts, ihr Programm kam bei den Menschen nicht an. Die Besucherinnen und Besucher des Konzerts hatten ihr „Unwohlsein“ geäußert. Das Konzert wurde abgebrochen. 

Auf Facebook hat das Restaurant anschließend eine Stellungnahme veröffentlicht. Darin heißt es, dass während des Konzerts mehrere Menschen „unabhängig“ ihr „Unwohlsein mit der Situation“ äußerten. „Es ging dabei um die Thematik ‚Kulturelle Aneignung‘“, heißt es weiter. Nach einem Gespräch mit der Band habe man sich dann dazu entschieden, das Konzert abzubrechen. 

Kulturelle Aneignung? Band muss Konzert in Bern abbrechen

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Das Restaurant entschuldigt sich bei seinen Gästen für die „schlechten Gefühle“. „Wir haben es verpasst, uns im Vorhinein genug damit auseinanderzusetzen und euch zu schützen. Unsere Sensibilisierungslücken und die Reaktion von vielen Gästen auf das Abbrechen des Konzertes haben uns wieder einmal gezeigt, dass das Thema emotional geladen ist.“

Auch die Band selbst veröffentlichte ein Statement auf ihren sozialen Kanälen. „Als Gruppe haben wir Familie, Freunde wie auch Geliebte aus verschiedenen Kulturen, was sich in unserer Musik widerspiegelt. Mit dem Thema kulturelle Aneignung wurden wir als Band bis jetzt noch nie konfrontiert.“

Man begegne allen Kulturen mit Respekt. „Wir stehen aber auch zu der Musik, welche wir spielen, zu unserem Erscheinungsbild und zu unserer Art, wie wir sind.“ Man zeige sich aber auch offen für eine konstruktive Diskussion. 

Der Vorfall erinnert an die Musikerin Ronja Maltzahn, die im März von Fridays for Future Hannover Tage vor dem Auftritt wieder ausgeladen wurde, weil sie als weiße Frau Dreadlocks trug. Auch hier war von kultureller Aneignung die Rede. Dreadlocks bei Weißen sei ein Zeichen der Unterdrückung schwarzer Menschen, lautete die Begründung – man schlug Maltzahn vor, ihre Haare abzuschneiden, um doch noch auftreten zu können.

Auch der Konzertabbruch von Lauwarm sorgt für reichlich Diskussionen. Tom Berger, Co-Fraktionspräsident der FDP in Bern, twitterte: „Jetzt mal ehrlich. Wenn Du Dich ‚unwohl‘ fühlst, weil weiße Menschen Reggae-Musik machen, könnte es dann sein, dass DU das Problem bist ...?“

Der Geschäftsführer der Arwo-Stiftung, die sich für die Integration von Menschen einsetzt, twittert: „Aber ist das respektlos, wenn jemand Musik aus einem anderen Kulturkreis spielt? Oder ist nicht genau dies eine Anerkennung für diese Musik und Kultur?“ 

Auch unter dem Statement des Berner Restaurants bekommt die Band viel Unterstützung: „Seid doch dankbar, dass sich jemand die Zeit nimmt, um kurzfristig aufzutreten und genießt doch einfach die Musik! Musik sollte verbinden, nicht trennen.“ 

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