ARD-Wahlarena Gast macht Baerbock Komplimente, doch es nimmt unerwartete Wende

Annalena Baerbock am Montagabend (6. September) in der ARD-Wahlarena.

Annalena Baerbock am Montagabend (6. September) in der ARD-Wahlarena.

In der ARD-Wahlarena hat sich Annalena Baerbock am Montag (6. September) den Fragen von Wählerinnen und Wählern gestellt. Bei einem Gast nahm die Diskussion eine unerwartete Wende.

Berlin. Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock hat sich am Montagabend (6. September) in der ARD-Wahlarena den Fragen von Wählern gestellt. Dabei kam es zu einer unerwarteten Situation. Einer der Gäste machte Baerbock zunächst Kompolimente – am Ende der Sendung bekam er dann ihre Telefonnummer.

Bei der ARD-Wahlarena stellen nicht Journalisten die Fragen. Stattdessen dürfen Wäherinnen und Wähler den Kandidatinnen und Kandidaten auf den Zahn fühlen. Den Anfang machte am Montag die Spitzenkandidatin der Grünen, Annalena Baerbock.

Altenpflegerin wird emotional in der ARD-Wahlarena

Schon zu Beginn wird es emotional. Eine Altenpflegerin im Publikum will von Baerbock wissen, was sie im Amt dafür tun will, um die in vielen Einrichtungen knappe Personallage zu entspannen. „Man möchte als Pflegerin für die Patienten da sein. Aber das ist nicht gegeben bei dem Personalschlüssel“, wirft die junge Frau ein.

Eine Situation, die Baerbock offenbar bekannt ist. Sie selbst habe mehrfach die angespannte Lage in den Einrichtungen erlebt. Für die Grünen-Politikerin gibt es in der Frage drei zentrale Punkte. „Erstens: Wir müssen endlich zu einer 35-Stunden-Woche in der Pflege kommen. Zweitens muss es in der Altenpflege eine deutliche Lohnerhöhung geben. Und drittens brauchen wir deutlich mehr Personal – und zwar unverzüglich.“

Kuriose Szene in ARD-Wahlarena: „Frau Baerbock, sie haben ganz tolle Schuhe!“

Etwa zur Halbzeit der ARD-Wahlarena kam es dann aber zu einer Szene, mit der wohl niemand so gerechnet hatte. Ein junger, adrett gekleideter Mann in Anzughose, weißem Hemd und Krawatte stand auf und musste offenbar unbedingt „vorweg noch etwas sagen“: „Frau Baerbock, sie haben ganz tolle Schuhe!“ Zögerliches Lachen, vereinzeltes Klatschen im Publikum. „Ganz ehrlich, sie fallen damit total auf hier“, beharrt der Fragesteller.

Auch Ellen Ehni, Chefredakteurin des WDR, die die Fragerunde leitete, machte er Komplimente für ihre Schuhe. Die will allerdings sachlich bleiben („das tut hier nichts zur Sache“) und fordert den jungen Herren auf, seine Frage zu stellen.

Junger Mann mit türkischem Namen schildert Annalena Baerbock schwierige Jobsuche

„Mein Name ist Gerhan Kurtuglu und bin gebürtiger Braunschweiger. Als Schöffe bin ich ehrenamtlich im Landgericht tätig. Aber ich habe ein Problem, hier in der Gesellschaft: Über zwölf Jahre bewerbe ich mich für eine Stelle im öffentlichen Dienst. Trotz Erfüllung aller Voraussetzungen, werden meine Bewerbungen im Keim erstickt.“

Obwohl er jeden Tag unzählige Bewerbungen schreibe, hagele es dennoch nur Absagen, schildert Kurtuglu seine Situation weiter. Gerade im Zuge von Corona falle eine Benachteiligung von Menschen mit Migrationshintergrund auf, ist er sich sicher. Auch andere Gruppe würden benachteiligt, wie Behinderte oder alleinerziehende Elternteile.

Gast kommt in ARD-Wahlarena richtig in Fahrt: „Das kotzt mich an“

Annalena Baerbock antwortet einfühlsam. „Es ist natürlich heftig zu hören, dass Sie allein aufgrund ihres Namens benachteiligt werden.“

Der Fragesteller unterbricht noch einmal – und kommt dann richtig in Fahrt. „Es ist auch belegt: Der türkische Name, die Herkunft, spielt eine ganz große Rolle bei Bewerbungen. Und das kotzt mich an. Über Jahre hinweg. Das kotzt mich an!“

Baerbocks Antwort: „Wir wollen als Grüne ganz konkret zum Thema Bewerbungen im öffentlichen Dienst zeigen, dass wir eine vielfältige offene Gesellschaft sind. Das muss sich auch in der Verwaltung wiederspiegeln.“

Annalena Baerbock und Gast tauschen in ARD-Wahlarena Kontakte aus

Als die Diskussion zu langwierig zu werden scheint, greift NDR-Chefredakteur Andreas Cichowicz zu einer überraschenden Frage: „Würden sie seine Telefonnummer mitnehmen, um zu gucken, ob sie was für ihn tun können?“

Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock zögert nicht lange. „Ja, würde ich. Nach der Sendung tauschen wir mal die Kontaktdaten aus“, verspricht sie.

Da kann man natürlich nur gespannt sein, ob der ambitionierte junge Mann nun bald doch Erfolg bei seiner Jobsuche haben wird. (jv)

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