Corona-Talk Harter Kritiker Lindner: Was er zu Spahn sagt, macht selbst Anne Will baff

Spahn_29-05_2021

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am 29. Mai zu Besuch in Südafrika: Spahn stellte sich bei „Anne Will” seinen Kritikern, unter anderem Christian Lindner (FDP) – der jedoch verhielt sich ziemlich zahm.

Berlin – Große Impf-Debatte bei „Anne Will“ am Sonntagabend (30. Mai 2021, Das Erste). Zu Gast waren Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, FDP-Chef Christian Lindner, Arzt und Grünen-Politiker Janosch Dahmen sowie die Wissenschaftsredakteurin der „Süddeutschen Zeitung“ Christina Berndt.

  • Anne Will: Impfungen in Deutschland als Streitthema
  • Christian Lindner nimmt Bundesregierung bei Anne Will in Schutz
  • Thema Impfpriorisierung sorgt für hitzige Diskussion

Zunächst geht es in der Talkshow um den Abrechnungsbetrug in Corona-Testzentren. Über allem schwebt die Frage, ob das Test-Management der Regierung hier versagt hat.

Gesundheitsminister Jens Spahn weist wiederholt auf die Errungenschaften der Politik hin. So habe man „in kürzester Zeit“ eine Test-Infrastruktur aufgebaut. So etwas hätten nur wenige andere Länder auf der Welt, so Spahn. „Wir haben über 15.000 Teststellen in Deutschland.“

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Dennoch gibt der Gesundheitsminister zu, dass es offenkundig zusätzliche Kontrollen brauche. Er sagt aber auch: „Wo jemand betrügen will, kann jemand betrügen.“

Anne Will: Christian Lindner mit überraschenden Worten an Jens Spahn

Das sieht auch FDP-Chef Christian Lindner so, dessen Partei die Bundesregierung während der Corona-Pandemie immer wieder heftig kritisiert hatte. An dieser Stelle mahnt er aber zur Zurückhaltung.

Lindner in Richtung Spahn: „Wenn die Regierung unbürokratisch schnell handelt, um Tests anzubieten, dann legt man im Nachhinein die Maßstäbe an, als müsste schon alles durchdacht gewesen sein.“ Das sei nicht fair.

Anne Will ist überrascht von den unkritischen Worten des FDP-Politikers. „Zeigt sich hier eine besondere Freundschaft?“, fragt sie Jens Spahn und Christian Lindner. Letzterer entgegnet nur: „Nein, eine besondere Seriosität der FDP.“ Da müssen Spahn und Lindner lächeln.

Redakteurin Christina Berndt schockiert der Teststellen-Skandal: „Ich weiß gar nicht, was ich bei diesem Test-Debakel schlimmer finde: Dass ein Koffer Geld genommen wurde oder dass er so offen hingestellt wurde.“

Anne Will: Aufhebung der Impfpriorisierung wird zum Streitthema

Mit Berndt kommt Gesundheitsminister Jens Spahn auch beim nächsten Thema nicht auf einen Nenner: dem geplanten Wegfall der Impfpriorisierung. Ab 7. Juni soll sich jeder Bürger ab zwölf Jahren um einen Impftermin bemühen können, so das Ergebnis des Impfgipfels von Bund und Ländern am vergangenen Donnerstag (27. Mai 2021).

Das findet Berndt grundsätzlich falsch. Sie verweist auf die vielen Menschen der Priorisierungsgruppen, die – obwohl sie möchten – noch keine Impfung oder noch nicht einmal einen Impftermin bekommen haben: „Ich kann das (die Aufhebung der Priorisierung, d. Red) nicht nachvollziehen zu diesem Zeitpunkt. Wir haben noch so viele Menschen, die in diese bedürftige Gruppe 3 gehören, die noch keinen Termin haben.“

Berndt: „Die Menschen haben Monate gewartet – und jetzt werden sie rechts überholt.“ Sie sieht zudem das Problem, dass Hausärzte nun „noch mehr überrannt“ würden, wenn sich jeder Bürger um einen Impftermin bemühen könne. Bedürftige würden da ggf. auf der Strecke bleiben und hinten anstehen müssen.

Auch Arzt und Grünen-Politiker Janosch Dahmen sagt zur Aufhebung der Impfpriorisierung: „Das ist einfach zu früh.“

Das bringt Spahn auf die Palme. Ärzte wären doch die Ersten gewesen, die eine Aufhebung der Priorisierung gefordert hätten.

Jens Spahn gibt bei Anne Will ein Impf-Versprechen ab

In der Sendung hat der Gesundheitsminister zudem ein klares Impfversprechen abgegeben. Jens Spahn: „Natürlich schaffen wir es bis Ende August, alle Über-Zwölfjährigen, die wollen, geimpft zu haben.“ Bis Ende August kämen alleine von Biontech über 50 Millionen Impfdosen.

Da hakt Anne Will sofort ein: „Vorsicht mit den Versprechen, Herr Spahn!“ Doch der meint: „Wenn einer zuverlässig liefert, dann ist es wirklich dieser Hersteller.“

Worte, an denen sich die Regierung später messen lassen muss. (so)

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