Aida feiert 30 Jahre: Die geheime DDR-Vergangenheit
Aidas geheime DDR-WurzelnWie die Reederei die Kreuzfahrt zum Massengeschäft machte

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Die «Aida» hatte viele Namen: Clubschiff, Traumschiff, Luxusliner. (Archivbild)
Aida Cruises begeht sein 30. Jubiläum, aber die Wurzeln des Unternehmens sind viel älter. Die Historie der Kreuzfahrtfirma beginnt nicht erst 1996. Sie führt tatsächlich bis in die Zeiten der DDR zurück. Dennoch feiert das Rostocker Unternehmen dieses Jahr ausgiebig mit Werbekampagnen. Grund dafür ist die Taufe der «Aida», jenes Schiffes, das den Namen groß machte. Dieses Schiff gilt als Pionier der deutschen Clubschiffe und hat die Branche hierzulande revolutioniert.
Alexis Papathanassis, ein Forscher für Kreuzfahrten an der Hochschule Bremerhaven, erklärt, dass es damals große Zweifel gab. Man war unsicher, ob das Konzept des Cluburlaubs auf dem Meer Erfolg haben würde. «Animation auf dem Schiff, wer will das?», so lautete die damalige Meinung. Die Firma, aus der Aida hervorging, war die erste hierzulande, die an diese Vision glaubte: «Das war ein mutiger Schritt.»
Laut Papathanassis waren Schiffsreisen in Deutschland vor dem Erscheinen der «Aida» eine kostspielige und exklusive Angelegenheit. Die Reisen waren hauptsächlich auf eine betagtere Zielgruppe ausgerichtet. Dieses Schiff half bei einem Wandel, den der Experte als «Demokratisierung der Kreuzfahrt» bezeichnet: So wurde die vormals exklusive Reiseform zu einem Geschäft für die breite Masse. In den Vereinigten Staaten fand dieser Wandel bereits vor Deutschland statt.
Die Veränderung im deutschen Kreuzfahrtsektor wird durch die Passagierstatistiken deutlich. Innerhalb von nur zwei Jahrzehnten explodierte die Anzahl der Reisenden, die ihre Schiffsreise von Deutschland aus antraten. Sie kletterte von unter 200.000 auf über 1,5 Millionen. Im letzten Jahr wurde sogar ein neuer Höchststand erzielt.
Die geheime DDR-Vergangenheit und der Aufstieg zur Nummer 1
Die Unternehmenshistorie von Aida Cruises führt zurück zur Deutschen Seereederei, welche die staatliche Reederei der DDR war. Diese unterhielt zunächst Frachtschiffe und erweiterte später auf Urlaubsschiffe. Im Anschluss an die Wiedervereinigung wurde der Betrieb durch die Treuhandanstalt privatisiert und an Geschäftsleute aus Hamburg veräußert.
Die «Aida», die vor drei Jahrzehnten ihren Namen erhielt, hat die deutsche Kreuzfahrtlandschaft nachhaltig geformt, indem sie ganz neue Kundengruppen ansprach. Die Gäste waren im Schnitt jünger als gewohnt. «Nur jeder sechste Aida-Gast unternahm zuvor schon einmal eine Seereise», meldete die Zeitung «Die Zeit» im Jahr 1997. Doch der Start war holprig: Das Schiff hatte mitunter leere Kabinen und machte laut Berichten anfangs Miese. Für eine gewisse Zeit befand sich die «Aida» sogar nicht im eigenen Eigentum.
Die heutige Firma Aida Cruises entstand im Jahr 1999 als Joint Venture. Partner waren die britische Reederei P&O sowie die deutsche Arkona Touristik. Im Jahr 2003 übernahm dann Carnival, der größte Kreuzfahrtkonzern aus den USA, die Reederei P&O, welche die Anteilsmehrheit besaß, und somit ging auch Aida Cruises in deren Besitz über.
Wer gehört hier eigentlich zu wem?
Im Anschluss an die Übernahme durch Carnival erlebte Aida Cruises ein stetiges Wachstum. Aktuell ist das Unternehmen gemessen an den Passagieraufkommen der Spitzenreiter, noch vor Tui Cruises aus Hamburg und MSC Cruises mit Sitz in München. Laut eigenen Mitteilungen beförderte Aida Cruises im Vorjahr 1,5 Millionen Gäste, während Tui Cruises mehr als die Hälfte dieser Zahl erreichte. MSC Cruises gibt als privat geführtes Unternehmen keine Passagierdaten bekannt.
Der deutsche Kreuzfahrtmarkt macht zwar einen nationalen Eindruck, ist jedoch global aufgestellt. Aida Cruises ist Teil von Carnival und innerhalb des Konzerns der italienischen Reederei Costa unterstellt, aus diesem Grund fahren die Schiffe unter der Flagge Italiens. Bei Tui Cruises handelt es sich um ein Gemeinschaftsprojekt des deutschen Tui-Konzerns mit dem amerikanischen Anbieter Royal Caribbean. MSC Cruises wiederum ist ein Teil der Schweizer Container-Reederei MSC.
Diese globale Ausrichtung der Industrie spiegelt sich in den Flaggen der Schiffe wider. Aida Cruises ist bei weitem nicht die einzige Firma, die auf ausländische Flaggen setzt. Dies ist gängige Praxis. Nach Auskunft des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie, der zentralen maritimen deutschen Behörde, ist kein einziges Kreuzfahrtschiff für Hochseereisen unter der deutschen Flagge registriert, die als kostspielig gilt.
Immer mehr Schiffe: Droht ein brutaler Preiskampf?
Der Wissenschaftler Papathanassis prognostiziert, dass er für Deutschland kein baldiges Ende des Booms auf dem Kreuzfahrtmarkt erwartet. Die Entwicklung wird seiner Meinung nach primär von den Firmen selbst vorangetrieben. Sie ordern neue Schiffe und bemühen sich im Anschluss darum, deren Kapazitäten auszulasten. Eine Methode zur Erschließung neuer Kundensegmente ist das Angebot von speziellen Themenkreuzfahrten.
Selbst der fatale Ausbruch des Hantavirus auf dem Kreuzfahrtschiff «Hondius» stellt für Papathanassis keine fundamentale Bedrohung für den Sektor dar. Das Risiko, während einer Schiffsreise krank zu werden, sei äußerst niedrig.
In der nahen Zukunft werden zusätzliche Schiffe den deutschen Markt erreichen. Die Aida-Cruises-Flotte ist geplant, bis zum Beginn des Jahres 2032 von 11 auf 13 Schiffe anzuwachsen. Tui Cruises betreibt aktuell acht Schiffe, und bis zum Jahresende 2032 ist die Ergänzung um drei weitere geplant. MSC Cruises hat im Vergleich nur eine kleine Anzahl von Schiffen in deutschen Häfen, nämlich 3 von insgesamt 23. Es gibt keine Informationen darüber, wie sich das Angebot von MSC in Deutschland künftig gestalten wird.
Der Flottenausbau der Reedereien ist keine Überraschung. Im Jahr 2025 waren die Schiffe der Carnival-Gruppe komplett belegt, obwohl exakte Daten für Aida Cruises fehlen. Bei der Flotte von Tui Cruises betrug die Belegungsquote 99 Prozent.
Wenn zahlreiche Reedereien ihre Flotten vergrößern, könnte dies zu Überkapazitäten führen. Überkapazitäten sind in der Schifffahrtsbranche ein Schreckgespenst, da es einen ruinösen Preissturz auslösen kann. Papathanassis hält die Gefahr einer Überkapazität im Kreuzfahrtsektor allerdings für unwahrscheinlich. Der Grund dafür sei, dass lediglich eine Handvoll spezialisierter Werften in der Lage ist, diese riesigen schwimmenden Hotels zu konstruieren.
Die wohl berühmteste deutsche Werft für den Bau von Kreuzfahrtschiffen ist die Meyer Werft in Papenburg, Niedersachsen. Zum Ende des letzten Jahres wurde bekannt gegeben, dass MSC Cruises dort plant, vier bis sechs neue Schiffe in Auftrag zu geben.
Die dunkle Seite der Traumreisen: Umwelt-Sorgen wachsen
Die zukünftige Entwicklung der Branche ist nicht nur von den Reedereien und Passagieren abhängig, denn die Regulierung nimmt stetig zu. Die negativen Auswirkungen der Reisen auf das Klima und die Natur sind gut belegt und allgemein bekannt. Eine gemeinnützige Forschungsgruppe, der Internationale Rat für sauberen Transport, hat aufgezeigt, dass eine Schiffsreise eine deutlich schlechtere Klimabilanz hat als eine Flugreise inklusive Hotelaufenthalten.
Die Europäische Union erlegt dem Sektor schon jetzt schärfere Vorschriften auf. Seit dem Jahr 2024 ist der Schiffsverkehr in den EU-Emissionshandel einbezogen, was für die Unternehmen bereits finanzielle Belastungen bedeutet. Eine zusätzliche EU-Verordnung, die seit 2025 in Kraft ist, schafft Anreize für den Verzicht auf klimaschädliche Kraftstoffe. Ab 2030 zwingt sie die Reedereien außerdem dazu, in wichtigen Häfen auf Landstrom umzusteigen.
Durch die wachsende Regulierung stellt sich die Frage, ob die Unternehmen gezwungen sein werden, die höheren Kosten auf die Kunden umzulegen. Und wird die Kundschaft akzeptieren, tiefer in die Tasche zu greifen? Laut der Einschätzung von Papathanassis ist neben der guten Planbarkeit vor allem das Verhältnis von Preis und Leistung ein zentraler Faktor, der viele Deutsche für eine Kreuzfahrt begeistert. (dpa/red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
