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Kommentar zum Chaos in Kabul Schäm dich, Deutschland: Wie unmenschlich kann man sein?    

US-Soldaten bewachen eine Absperrung am Flughafen, davor drängeln sich Tausende Menschen.

Chaos am Flughafen von Kabul: US-Soldaten bewachen eine Absperrung am 16. August, Tausende Einheimische wollen vor den Taliban fliehen.

Es sind schreckliche Bilder aus Afghanistan: Tausende versuchen, vor den Taliban zu fliehen. Deutschland hat die Verbündeten der Bundeswehr im Stich gelassen. Ein Kommentar.

Köln/Kabul. Marietta Slomka kämpfte im ZDF-Heute-Journal mit den Tränen. Eine erfahrene Journalistin, für die Berichte über das Übel in dieser Welt zum Berufsalltag gehören. Was gerade in Afghanistan passiert, ist nicht nur zum Heulen, sondern ebenso beschämend für Deutschland.

Schutzbedürftige Zivilisten, mehrere Hunderte sogenannte Ortskräfte, mit denen die Bundeswehr zusammengearbeitet haben, sind nach dem Abzug der Truppen dem Tode geweiht. Für die Taliban sind sie Verräter.

Afghanistan: Deutschland lässt Ortskräfte im Stich und handelt zu spät

Was so fassungslos macht, ist das armselige Verhalten Deutschlands.  Schon vor etlichen Wochen gab es TV-Berichte, in denen Ortskräfte die Bundesregierung um Hilfe und Asyl baten. Und das nicht, weil sie es sich im Sozialstaat Deutschland auf Kosten der hart arbeitenden Bevölkerung bequem machen wollen, wie Rechtspopulisten gerne palavern. Es geht ganz einfach um Leben und Tod.

Alles zum Thema Armin Laschet

Deutschland reagierte nicht. Wochenlang. Die Lage in Afghanistan spitzte sich immer weiter zu. Stattdessen gingen die Abschiebeflüge von Deutschland nach Kabul weiter, trotz der Bitte der nun abgelösten Regierung in Kabul im Juli, diese auszusetzen. 

Ausgeflogen wurden danach die Bundeswehrsoldaten - und riesige Mengen an Bier und Wein, Restbestände aus dem Bundeswehrstützpunkt bei Mazar-e Scharif. Da war offenbar kein Platz mehr für Frauen, die sich jetzt voller Angst wieder die Burka aufsetzen müssen.

Afghanistan: Außenminister Maas gesteht Fehler ein, Kritik an Armin Laschet

Und jetzt? Der Außenminister gesteht Fehler ein, die Kanzlerin spricht von einer „überaus bitteren Entwicklung“. Armin Laschet, der gerne ihr Nachfolger werden möchte, hält einen Flüchtlingszuzug aus Afghanistan für nicht richtig, vielmehr müsse vor Ort geholfen werden, sagte er am Montag. Das klingt angesichts der aktuellen Bilder zynisch.

Heute twittert Laschet: „Handeln jetzt, ohne Zögern! Die Bundeswehr muss unverzüglich diejenigen in Sicherheit bringen, die die in den vergangenen 20 Jahren vor Ort als Helfende und Unterstützende zu Freunden und Verbündeten geworden sind. Wir dürfen sie nicht im Stich lassen.“

Fakt ist, Deutschland hat sie im Stich gelassen. Realistischer klingt da ein Satz seines Parteikollegen Norbert Röttgen: „Man kann nur beten, dass sie alle gerettet werden.“

Dass heute nur noch beten hilft, zeigt das Komplettversagen dieser Regierung.

„Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt.“ Wenn dem wirklich so war, wie der ehemalige Bundesverteidigungsminister Peter Struck einst sagte, dann sollten wir bald nicht nur für andere beten.

Milliarden sind ausgegeben, nach heutigen Erkenntnissen in den Sand gesetzt worden. 59 Deutsche haben ihr Leben in Afghanistan gelassen. Allein das kann einem die Tränen in die Augen treiben. Auch deshalb, wenn man schaut, was dieser Einsatz gebracht hat.

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