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„Wie auf dem Präsentierteller“Küken-Killer schlägt erneut in Storchen-Nest zu

Gänsegeier in Algermissen tötet erneut Jungstörche

Copyright: Julian Stratenschulte/dpa

Ein Gänsegeier hat erneut ein Storchennest angegriffen und alle Jungtiere getötet.

Ein Gänsegeier wird zum Küken-Killer! In Niedersachsen hat der Greifvogel schon zwei Storchennester ausgeräubert.

Entwickelt sich ein Gänsegeier zur reißenden Bestie? Ein riesiger Greifvogel hat nach einem ersten Angriff am Sonntag nun erneut zugeschlagen. In Niedersachsen attackierte er eine zweite Storchenfamilie und tötete abermals den gesamten Nachwuchs.

„Die Eltern-Störche haben noch versucht, es zu verhindern, waren aber machtlos“, schildert die Anwohnerin Anke Bradtmöller die dramatischen Ereignisse. Am Mittwoch griff der Gänsegeier das Nest der Störche in Ummeln an, das sich auf einem alten Schornstein befindet. Ummeln ist ein Ortsteil von Algermissen im Landkreis Hildesheim. „Die Störche sind immer wieder angeflogen und standen klappernd auf einem Hausdach direkt neben dem Nest. Sie mussten alles mitansehen.“

Zeugin geschockt über Fress-Orgie

„Das Schlimme war, dass er den einen Jungstorch gefressen hat, während die anderen noch lebend daneben saßen“, berichtet Anke Bradtmöller weiter. Eine Flucht war für die jungen Störche, die noch nicht fliegen konnten, unmöglich.

Schon am Sonntag hatte der Gänsegeier im Nachbardorf Klein Lobke, das nur eine Luftlinie von knapp 3,5 Kilometern entfernt liegt, den gesamten Nachwuchs in einem Nest getötet. Unter den Augen vieler Vogelkundler und Naturfotografen blieb er danach zwei Tage auf dem Nest, bevor er weiterzog.

„Es kann sein, dass es nicht die letzte Attacke war und der Gänsegeier weitere Storchennester angreifen wird“, so die Einschätzung von Martin Rümmler. Er ist Vogelschutzexperte beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Nach dem ersten erfolgreichen Angriff habe der Gänsegeier gelernt, dass die Jungvögel „leichte Beute“ darstellen. Rümmler meint: „Die Störche auf dem Horst sind ja wie auf dem Präsentierteller“.

Normalerweise ernähren sich Gänsegeier von Aas und attackieren lebende Tiere nur in Ausnahmefällen. „Das ist die Ausnahme und keine Beobachtung, die man jedes Jahr macht“, stellt Nabu-Experte Rümmler klar. Er geht davon aus, dass der Vogel, der aktuell an der Grenze zwischen der Region Hannover und dem Landkreis Hildesheim sein Unwesen treibt, aus schierem Hunger handelt.

Gänsegeier in Algermissen tötet erneut Jungstörche

Copyright: Julian Stratenschulte/dpa

Die Störche müssen machtlos mit ansehen, wie der Gänsegeier ihren Nachwuchs tötet.

Aktuell schätzt der Nabu die Zahl der Gänsegeier in Deutschland auf 12 bis 20 Exemplare, die sich über das gesamte Land verteilen. „Gänsegeier sind vor allem in Frankreich und Spanien beheimatet, aber die Population wächst“, erläutert der Nabu-Experte Rümmler. Insbesondere junge Vögel werden aus ihren Heimatgebieten verdrängt und fliegen auf Nahrungssuche nach Deutschland, wobei sie täglich 300 bis 400 Kilometer schaffen.

Mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,60 Metern übertreffen sie sogar Seeadler und sind ein begehrtes, wenn auch seltenes Fotomotiv. Der Nabu teilt mit, dass Laien die Tiere gut an ihrem charakteristischen kahlen Hals identifizieren können. Die Geier können bis zu vier Wochen ohne Futter überleben, doch wenn sie über einen längeren Zeitraum kein Aas finden, wird ihre Lage kritisch.

Drama im Storchennest - Gänsegeier frisst Nachwuchs

Copyright: Julian Stratenschulte/dpa

Zuvor hatte der Gänsegeier ein Storchennest im Nachbardorf Klein Lobke attackiert.

Am Morgen des Donnerstags wachen die Storcheneltern in Ummeln immer noch hilflos auf dem Dach eines Hauses neben ihrem Nest. Anscheinend hat der Gänsegeier bereits alle drei Küken verspeist. Es wird erwartet, dass sie, sobald der Angreifer verschwindet, sofort zu ihrem Nest zurückkehren – ein Verhalten, das auch bei den Störchen am ersten Tatort in Klein Lobke beobachtet wurde.

Laut der Einschätzung des Nabu haben die bisherigen Todesfälle bei den Jungstörchen keine signifikanten Folgen für die gesamte Storchenpopulation in Deutschland. Kürzlich zählte man im Bundesgebiet über 14.000 Brutpaare. Zukünftige Attacken ließen sich sowieso nicht abwenden. „Das ist der Lauf der Natur“, so Rümmler. (dpa/red)

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