Patientin falsch operiertKlinik muss Emily (40) Millionen-Summe zahlen

Das Personal eines Operationssaals führt eine Operation durch

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Das Personal eines Operationssaals führt eine Operation durch (Symbolfoto)

Was als einfacher Eingriff geplant war, endete für eine Frau in einer Katastrophe. Eine Chirurgin entnahm ihr die Harnblase anstelle eines Tumors. Ein Gericht sprach ihr nun eine gigantische Summe zu.

Ein schrecklicher Kunstfehler aus den USA sorgt für Entsetzen. Für Emily Mitchell aus Skowhegan im US-Bundesstaat Maine wurde ein Krankenhausbesuch zum absoluten Horror. Ein geplanter Eingriff am 1. März 2023 sollte die damals 40-Jährige von einer Eierstockzyste befreien. Doch die zuständige Medizinerin machte einen verhängnisvollen Irrtum.

Im Anschluss an die Operation durchlitt Mitchell höllische Qualen, ihr Bauch war stark geschwollen und das Wasserlassen funktionierte kaum. Ihr Zustand verschlimmerte sich so rapide, dass sie nach zwei Tagen in ein anderes Krankenhaus gebracht werden musste. Bei einer dortigen Notoperation machten die Mediziner einen grauenhaften Fund, wie „Bangor Daily News“ berichtet: Die Harnblase der Patientin war verschwunden. Die schreckliche Gewissheit lieferte die Analyse des zuvor entnommenen Gewebes: Es waren Fragmente der Blasenwand, während von der Zyste nichts zu finden war.

Neue Blase aus Darmgewebe nach langer Tortur

Für Emily Mitchell startete eine Zeit voller Leid. Eine aufwendige Operation in Boston im Oktober 2023 gab ihr Hoffnung: Aus ihrem eigenen Darmgewebe wurde eine neue Harnblase geformt. Weil die Ärzte auf zusätzliche Verletzungen stießen, zog sich der Eingriff drei Stunden länger als erwartet hin. Die Folgen der missglückten OP sind bis heute spürbar: Die Frau plagen ständige Harnwegsinfektionen, sie ist auf dauerhafte ärztliche Hilfe angewiesen.

Die Familie zog für ihr Recht vor den Kennebec County Superior Court – mit Erfolg. Ein Verfahren, das am 13. Juli startete, endete am Donnerstag (23. Juli) mit einem Urteilsspruch: Eine aus neun Personen bestehende Jury sicherte dem Ehepaar Mitchell eine Rekordsumme von 17 Millionen US-Dollar (rund 15 Millionen Euro) als Schadensersatz zu. Der Spruch erfolgte ohne Gegenstimme. Das Gericht befand die Nachlässigkeit des Betreibers Northern Light sowie des Inland Hospital für bewiesen.

So setzt sich der Betrag zusammen: Emily Mitchell bekommt 15,75 Millionen US-Dollar für ihre Verletzungen, ihr Leid und künftige medizinische Ausgaben. Ihr Gatte Joshua bekommt 1,25 Millionen US-Dollar als Entschädigung. Nach Angaben der Kanzlei Berman & Simmons, die Mitchells Interessen vertrat, wurde in Kennebec County noch nie eine höhere Summe in einem Prozess wegen eines Behandlungsfehlers verhängt.

Fataler Fehler hat Konsequenzen für Ärztin

Susan Faunce, die Rechtsvertreterin der Familie, äußerte sich erleichtert: „Für Emily und ihre Familie ist dies der Abschluss, den sie so lange gebraucht haben. Sie können endlich anfangen, nach vorne zu blicken, in dem Wissen, dass das, was ihnen passiert ist, gesehen, gehört und anerkannt wurde.“ Eine Repräsentantin von Northern Light, Suzanne Spruce, bekundete Anteilnahme: „Wir respektieren das Urteil der Jury und sprechen Frau Mitchell und ihrer Familie unser Mitgefühl aus.“ Solche Vorkommnisse würden außerordentlich ernst genommen. (red)

Für die operierende Ärztin hatte der Vorfall Konsequenzen: Sie arbeitet mittlerweile nicht mehr für den Gesundheitskonzern. Auch das Inland Hospital schloss seine Pforten im Juni 2025. Für Northern Light war es bereits die vierte Verurteilung wegen Nachlässigkeit in diesem Jahr. In den vorherigen Fällen lagen die zugesprochenen Schadensersatzzahlungen zwischen 750.000 und 23,1 Millionen US-Dollar. (red)

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