Ein Postkarten-Idyll in Italien wird zum Albtraum. Statt herrlicher Ruhe gibt es nur noch Menschenmassen – und viel Müll.
Urlaubsidyll wird zum AlbtraumWanderer fassungslos: „Es ist das letzte Mal“

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Blick auf den beliebten Lago di Sorapis. (Archivbild)
Eigentlich gilt der Lago di Sorapis, der auch Sorapissee genannt wird, als ein Schmuckstück in den Dolomiten. Das türkis schimmernde Wasser auf 1.923 Metern Höhe, eingerahmt von imposanten Felsformationen, zieht viele an.
Die Wirklichkeit ist jedoch aktuell eine andere: Anstelle von friedlicher Natur dominiert ein gewaltiger Besucherstrom das Urlaubsidyll. An manchen Tagen sollen laut Schätzungen in der Hochsaison bis zu 3.000 Personen zu diesem Gletschersee pilgern, berichtet „Il Dolomiti“.
Die Konsequenzen sind drastisch: verstopfte, schmale Gebirgswege und ein heilloses Durcheinander. Bei zahlreichen Gästen ist die Frustration gewaltig.
Ein Wanderer bringt sein Erlebnis auf den Punkt: „Der Sorapissee? Er ist wunderschön, aber ich würde nicht wiederkommen: Es ist das letzte Mal, dass ich hier bin. Es sind zu viele Menschen, zu viel Chaos.“
Wirt der Berghütte warnt: „Müll in riesigen Mengen“
Die Situation bereitet Emilio Pais Bianco, dem Betreiber der Vandelli-Hütte in der Nähe, große Bedenken. Gegenüber dem Vorjahr verzeichnet er einen satten Gäste-Zuwachs von etwa 20 Prozent.
Zwar bemerkt er bei der jüngeren Generation ein stärkeres Bewusstsein für die Umwelt, doch das Resultat am Tagesende ist deprimierend. Der Zeitung „Corriere delle Alpi“ schilderte der Wirt das Problem: „Jeden Abend sammeln wir tonnenweise Papier, Glas und Plastikflaschen ein, die einfach weggeworfen wurden.“
Ignoriertes Badeverbot und Beleidigungen
Aber nicht nur der Müll ist ein Problem. Das bestehende Badeverbot wird von Besuchern immer wieder ignoriert, die in das frostige Gewässer des Naturschutzgebietes gehen. Für besondere Empörung sorgte ein Vorfall, bei dem ein Urlauber sein aufblasbares Stand-up-Paddle-Board mit nach oben brachte, um damit über den See zu gleiten. Als man ihn darauf ansprach, soll es zu einer lautstarken Konfrontation gekommen sein.
Auf der Social-Media-Plattform X schilderte eine Bergsteigerin einen weiteren entsetzlichen Zwischenfall. Laut ihrer Darstellung waren Leute mit ferngelenkten Fahrzeugen auf einer der riskantesten Routen unterwegs. Einsatzkräfte der Rettung, die gerade Hilfe leisteten, forderten sie auf, die Spielzeugautos zu entfernen, woraufhin die Helfer beleidigt wurden.
Risiko über dem Abgrund: Touristen mit Badelatschen am Steig
Ein gravierendes Sicherheitsrisiko spitzt die Lage zusätzlich zu. Die Strecke zum See, markiert als Route Nr. 215, gilt als herausfordernd und verlangt sicheren Tritt sowie geeignete Ausstattung. Der Pfad verläuft über enge Felsvorsprünge unmittelbar an der Kante. Um die Sicherheit zu erhöhen, hat man dort Stahlseile und auch metallene Leitern installiert.
Trotz der klaren Risiken begeben sich zahlreiche Tagesgäste mit Sandalen, Badeschlappen oder einfachem Schuhwerk auf die Tour. An den heiklen Stellen kommt es deswegen oft zu Staus. Es ist keine Seltenheit, dass Bergsteiger von Rettungsteams aus ihrer Notlage geholt werden müssen.
Die Verhältnisse dort verglich ein Journalist von „Südtirol News“ mit einem „Rimini in den Dolomiten“. Ihm fielen junge Frauen auf, ausgerüstet mit Kameras und GoPros, die „in kurzen oder langen Stretchhosen und knappen Tops gekleidet, mit langen Fingernägeln, ansprechender Frisur und Make-up fein hergerichtet“ waren. Direkt am Gewässer sei die Szenerie wie an einem proppenvollen Badestrand zur Hauptsaison gewesen.
Wegen der sich zuspitzenden Situation werden in italienischen Zeitungen und Berg-Foren die Forderungen nach Konsequenzen lauter. Zum Schutz des Naturgebiets und zur Steuerung des Besucherstroms stehen Überlegungen wie Einlassbeschränkungen, Zählvorrichtungen oder sogar Sperren zur Debatte. (mg)
