Tauchboot zu „Titanic“-Wrack vermisstWettlauf gegen Zeit: Letzte Nachricht von Insasse macht hellhörig

Ein Tauchboot, das Abenteuerlustige zum Wrack der „Titanic“ befördern sollte, wird vermisst. Der Sauerstoff an Bord reicht nur noch wenige Stunden. Die letzte Nachricht von einem der Insassen lässt aufhorchen.

Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit: In der Nähe des „Titanic“-Wracks im Atlantik suchen Rettungskräfte nach fünf Vermissten in einem verschollenen U-Boot. Da der Sauerstoff in der knapp sieben Meter langen „Titan“ nach Betreiberangaben für 96 Stunden reiche, „gehen wir davon aus, dass derzeit zwischen 70 und 96 Stunden verfügbar sind“, sagte Kommandant John Mauger von der US-Küstenwache am Montagnachmittag (19. Juni 2023) in Boston. Das Boot wird bereits mehr als 24 Stunden vermisst.

„Wir setzen alle verfügbaren Mittel ein, um sicherzustellen, dass wir das Schiff lokalisieren und die Menschen an Bord retten können“, sagte Mauger weiter. Das Unternehmen Oceangate Expeditions bestätigte, dass Menschen an Bord seien. „Wir prüfen und mobilisieren alle Optionen, um die Besatzung sicher zurückzubringen“, zitierte die britische BBC aus einer Mitteilung.

„Titanic“-U-Boot vermisst: Letzte Nachricht von Insasse lässt aufhorchen

Das Unternehmen bringt gelegentlich Privatleute für viel Geld zum Wrack der 1912 gesunkenen, weltberühmten „Titanic“, die am Grund des Ozeans in 3800 Meter Tiefe liegt.

An Bord der nun vermissten „Titan“ befinden sich drei zahlende Passagiere. Zu den fünf Insassen an Bord des seit Sonntag (18. Juni 2023) vermissten Boots zählen der britische Unternehmer, Pilot und Weltraumtourist Hamish Harding, der französische Tiefseetaucher und „Titanic“-Experte Paul-Henri Nargeolet, wie seine Familie bestätigte. Der 77-Jährige ist seit 2007 Leiter eines Forschungsprogramms der Firma RMS Titanic/Phoenix International, der das Wrack gehört.

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Auch der prominente pakistanische Geschäftsmann Shahzada Dawood und sein Sohn Suleman, die einer der reichsten Familie des Landes angehören, sollen an Bord sein. Unbestätigten Berichten zufolge ist auch Stockton Rush, der Geschäftsführer von OceanGate Expeditions, Teil des Teams. 

Der milliardenschwere britische Geschäftsmann Harding hatte seine Teilnahme an dem „Titanic“-Trip vorher in den sozialen Medien angekündigt. Seine letzte Nachricht auf Instagram lässt aufhorchen.

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Er sei stolz darauf, an der Mission teilnehmen zu dürfen, schreibt er in seinem Post. Und weiter: „Aufgrund des schlimmsten Winters in Neufundland seit 40 Jahren wird diese Mission wahrscheinlich die erste und einzige bemannte Mission zur Titanic im Jahr 2023 sein. Es hat sich gerade ein Wetterfenster aufgetan, und wir werden morgen einen Tauchgang versuchen.“ 

Man sei von St. Johns, Neufundland, aus losgefahren und plane, gegen 4 Uhr in der Früh mit dem Tauchgang zu beginnen. „Weitere Updates zur Expedition folgen, wenn das Wetter hält!“ Seitdem herrscht Funkstille.

U-Boot vermisst: Flugzeuge und Schiffe auf der Suche

Kommandant Mauger sagt, nun gehe es zunächst darum, das Tauchboot an der Wasseroberfläche oder in der Tiefe des Ozeans aufzuspüren, sagte .

Dafür würden mehrere Flugzeuge und Schiffe sowie Bojen mit Sonar an Bord eingesetzt, die Geräusche in einer Meerestiefe von bis zu knapp 4000 Meter erfassen können. Erst wenn der genaue Ort des Bootes klar sei, könne eine mögliche Rettung angegangen werden.

Die Küstenwachen der USA und Kanadas suchten zunächst erfolglos die Meeresoberfläche nach dem vermissten Tauchboot ab, am Dienstag begannen sie mit der Unterwassersuche. Das französische Meeresforschungsinstitut Ifremer kündigte die Entsendung des Schiffs „Atalante“ an, das mit einem Unterwasserroboter für große Tiefen ausgerüstet ist.

Nach Angaben der französischen Regierung sollte es voraussichtlich bereits am Dienstagabend (MESZ) in dem abgelegenen Gebiet im Nordatlantik eintreffen.

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Bei der großangelegten Rettungsaktion arbeitet die US-Küstenwache mit kanadischen Einsatzkräften und privaten Booten und Handelsschiffen an der vermuteten Stelle rund 1500 Kilometer östlich der US-Metropole Boston zusammen.

Das von dem Unternehmen OceanGate Expeditions betriebene Mini-U-Boot „Titan“ hatte den Tauchgang am frühen Sonntagmorgen (Ortszeit) begonnen. Die Besatzung des kanadischen Begleitschiffs „Polar Prince“ habe nach etwa einer Stunde und 45 Minuten den Kontakt verloren. Das 6,5 Meter lange Tauchboot hat nur Sauerstoff für rund vier Tage.

Fahrt zum „Titanic“-Wrack kostet über 200.000 Euro

Das Tauchboot bringt von seinem Heimathafen St. John's auf der kanadischen Insel Neufundland für 250.000 Dollar (229.000 Euro) pro Person gelegentlich Touristinnen und Touristen zur „Titanic“ – maximal drei passen an Bord.

Dabei handelt es sich bei der „Titan“ im engen Sinne um ein Tauchboot, nicht um ein U-Boot, weil es nicht aus eigener Kraft in Häfen ein- und ausfährt. Nach Unternehmensangaben ist die „Titan“ 6,70 Meter lang.

Oceangate zufolge dauern die Touren des Unternehmens, die von der kanadischen Insel Neufundland aufbrechen, insgesamt acht Tage. Das Unternehmen bewirbt die Fahrten mit dem Kohlefaser-Tauchboot laut BBC als Chance, „aus dem Alltag herauszutreten und etwas wirklich Außergewöhnliches zu entdecken“.

Die Firma hatte kürzlich mitgeteilt, dass eine Expedition unterwegs sei. Der britische mutmaßliche Teilnehmer schrieb Medien zufolge, es handele sich voraussichtlich um die einzige solche Expedition in diesem Jahr.

Die „Titanic“ war 1912 auf ihrer Jungfernfahrt von Southampton nach New York im Nordatlantik gesunken, mehr als 1500 der 2200 Menschen an Bord starben. Die Überreste des berühmten Luxusdampfers wurden 1985 in rund 3800 Metern Tiefe entdeckt.

Filme wie der Blockbuster „Titanic“ (1997) mit den Hollywood-Stars Kate Winslet und Leonardo di Caprio heizten das Interesse an der Katastrophe weiter an. Erst vor kurzem hatten Wissenschaftler mit Hilfe hochauflösender 3D-Bilder die bisher genaueste Darstellung des Wracks geboten.

Ozean-Forscher: U-Boot befindet sich in großer Tiefe

Der Ozean-Forscher Robert Blasiak vom Stockholm Resilience Centre wies auf die schwierigen Bedingungen im Suchgebiet hin. „Der Ozean ist im Durchschnitt vier Kilometer tief, dieses U-Boot befindet sich also in großer Tiefe“, sagte Blasiak der BBC. Licht dringe höchstens einen Kilometer weit in die Meeresoberfläche ein, es sei also stockfinster bei gleichzeitig erheblichem Wasserdruck. „Wir wissen, wo die „Titanic“ ist, aber wir wissen nicht, wo das Tauchboot ist. Es könnte also sein, dass es bei weitem nicht so tief ist, und darauf sollten wir alle zum jetzigen Zeitpunkt hoffen.“

Der U-Boot-Experte Alistair Greig vom University College London nannte im BBC-Gespräch mehrere mögliche Szenarien des Vorfalls. Bei einem Strom- oder Kommunikationsausfall könne es sein, dass das Tauchboot zur Oberfläche getrieben würde. Deutlich schlechter wäre die Lage, sollte der Rumpf beschädigt worden sein und es ein Leck geben. „Dann ist die Prognose nicht gut“, sagte Greig.

Schwierig wäre es auch, wenn das Tauchboot nicht mehr aus eigener Kraft vom Meeresboden aufsteigen könne. „Auch wenn das Tauchboot möglicherweise noch intakt ist, gibt es, wenn es tiefer als 200 Meter ist, nur sehr wenige Schiffe, die so tief vordringen können, und schon gar keine Taucher“, sagte der Experte.

„Die für die U-Boot-Rettung der Marine konzipierten Fahrzeuge können sicherlich nicht annähernd in die Tiefe der „Titanic“ vordringen. Und selbst wenn sie es könnten, bezweifle ich sehr, dass sie an der Luke des Touristentauchboots fest machen könnten.“ (dpa, afp, mg, jba)