Rio de Janeiro 18 Tote bei Polizei-Einsatz, darunter 16 vermeintliche Kriminelle

Bei einem Polizeieinsatz am 21. Juli 2022 in Rio de Janeiro sind 18 Menschen gestorben. Hier sind zwei bewaffnete Polizisten an einer bemalten Häuserwand im Viertel „Complexo do Alemão“ zu sehen.

Bei einem Polizeieinsatz am 21. Juli 2022 in Rio de Janeiro sind 18 Menschen gestorben.

In Rio de Janeiro ist die Polizei in ein Armenviertel marschiert – in der Folge kamen 18 Personen ums Leben. Es ist nicht die erste Eskalation der Gewalt in diesem Jahr in der Stadt an der Copacabana.

Bei einem eskalierten Polizei-Einsatz in einem der größten Armenviertel der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro sind mindestens 18 Menschen getötet worden. Davon seien 16 mutmaßliche Kriminelle gewesen, teilte die Polizei am Donnerstagabend (21. Juli 2022) mit.

Bei einem der beiden anderen Opfer handelte es sich demnach um einen Polizisten. Das brasilianische Nachrichtenportal „G1“ berichtete zudem von einer getöteten Bewohnerin des „Complexo do Alemão“ im Norden Rios.

Warum die Favela in Rio de Janeiro „Bereich des Deutschen“ heißt

„Complexo do Alemão“ heißt übersetzt „Bereich des Deutschen“. Der Name stammt von einem früheren Hofbesitzer in der heutigen Favela, der eigentlich Pole war, aber für einen Deutschen gehalten wurde.

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Ziel der Aktion in dem aus mehreren Favelas bestehenden Komplex mit rund 70.000 Bewohnern war demnach eine Bande, die Fahrzeug- und Frachtdiebstähle begangen sowie Banken überfallen haben soll. Es wäre ihm „lieber gewesen, sie hätten nicht reagiert, aber leider haben sie es bevorzugt, die Polizei anzugreifen“, sagte Polizeisprecher Ronaldo Oliveira bei einer Pressekonferenz.

Zudem hätten Kriminelle mit Barrikaden versucht, die Polizei zu behindern. Der Einsatz hatte am frühen Morgen begonnen, an die 400 Polizeikräfte – unterstützt von vier Helikoptern und zehn gepanzerten Fahrzeugen – waren beteiligt.

Menschen in der Nähe berichteten in sozialen Medien von heftigen Schusswechseln. In einem Video der auf Nachrichten aus den Favelas spezialisierten „Voz das Comunidades“ war zu sehen, wie Menschen weiße Tücher schwenkten. Fotos von Nachrichtenagenturen zeigen, wie in Decke gewickelte Leichen abtransportiert werden.

Polizei-Einsätze in Favelas nur in „absoluten Ausnahmefällen“ erlaubt

Im Juli 2020 hatte der Oberste Gerichtshof in Brasília Polizei-Einsätze in Favelas während der Corona-Pandemie ausgesetzt. Diese sind nur in „absoluten Ausnahmefällen“ erlaubt. Der oberste Gerichtshof in Brasília entschied, dass die Regierung von Rio de Janeiro Maßnahmen ergreifen müsse, um die Tödlichkeit von Polizeieinsätzen zu verringern.

Der im Mai vergangenen Jahres ins Amt eingeführte Gouverneur Claudio Castro ist ein Verbündeter von Jair Bolsonaro. Brasiliens rechter Präsident spricht sich dafür aus, dass Polizisten und Polizistinnen nicht juristisch belangt werden können, wenn sie im Einsatz Menschen töten. Drei der vier Polizeieinsätze in Rio mit den meisten Toten ereigneten sich in den vergangenen 14 Monaten.

Im Mai 2022 starben 24 Menschen bei Polizei-Einsatz in Rio de Janeiro

Im Mai waren bei einem Polizei-Einsatz in dem Armenviertel Vila Cruzeiro in Rio 24 Menschen ums Leben gekommen. Vor mehr als einem Jahr hatten Polizisten beim blutigsten Einsatz in Rios Geschichte in der Favela Jacarezinho sogar mindestens 28 mutmaßliche Mitglieder von Drogenbanden getötet.

Mächtige Banden ringen in den Armenvierteln um Kontrolle bei Drogenhandel und Schutzgeldgeschäften. Die Gewalt schwappt immer wieder auch auf andere Teile Rios über und trifft Unbeteiligte.

2021 töteten Sicherheitskräfte in dem südamerikanischen Land mehr als 6000 Menschen, wie aus einem Gewaltmonitor hervorgeht, der vom Nachrichtenportal „G1“, dem Brasilianischen Forum für öffentliche Sicherheit und der Universität von São Paulo betrieben wird. (dpa/spol)

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