Nazi-Raubkunst für 4 Mio. Euro in Berlin versteigert
Rekordpreis für RaubkunstBerliner Brunnen mit Nazi-Vergangenheit für 4 Mio. Euro versteigert

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Der Brunnen mit NS-Raubgut-Historie wurde weit über dem Schätzpreis ersteigert. (Symbolbild)
Auktions-Wahnsinn in Berlin! Für unglaubliche vier Millionen Euro hat der „Tänzerinnen-Brunnen“ von Georg Kolbe einen neuen Besitzer gefunden. Das Kunstwerk, das im Park des Georg-Kolbe-Museums stand, wurde am Abend im Auktionshaus Grisebach zum absoluten Highlight. Der Schätzwert von 1 bis 1,5 Millionen Euro wurde damit pulverisiert. Doch hinter dem Geld steckt eine dunkle Vergangenheit: Bei der Skulptur aus Bronze und Travertin von 1922 handelt es sich um von den Nazis geraubte Kunst.
Das Museum im Berliner Westend war daher verpflichtet, das Werk an die Nachfahren der ursprünglichen Besitzerfamilie zu übergeben. Wer das Kunstwerk am Ende erwarb, war kurz nach der Auktion noch ein Geheimnis. Ebenso unklar ist, ob das Kolbe-Kunstwerk weiterhin im Museumspark zu sehen sein wird.
Jüdischer Besitzer im KZ ermordet
Die Geschichte des Brunnens ist tief mit dem Schicksal von Heinrich Stahl verbunden. Laut Informationen des Bezirksamts Berlin-Charlottenburg hatte Georg Kolbe die Skulptur für dessen Villa angefertigt. Stahl war eine bedeutende Persönlichkeit, er leitete die Victoria-Versicherung und stand später der Jüdischen Gemeinde von Berlin vor. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde seine Familie jedoch genötigt, ihr Anwesen samt Brunnen weit unter Wert abzugeben.
Für die Familie Stahl endete es in einer Katastrophe. Heinrich Stahl wurde 1942 zusammen mit seiner Gattin Jenny ins KZ Theresienstadt deportiert und überlebte die Gräuel nicht. Seine Frau konnte dem Tod entkommen und wanderte nach Kriegsende in die USA aus.
Werner Stahl, ein Enkel von Heinrich Stahl, hatte bereits 2001 erklärt, auf den Brunnen zu verzichten. Später kam jedoch heraus, dass diese Erklärung nicht für die gesamte Familie galt. Das Georg Kolbe Museum reagierte darauf und bot eine vollständige Restitution des Werkes an die Erbengemeinschaft an, wie es weiter berichtete.
Erst Rückgabe, dann die Auktion
«Das wichtigste Ziel des Museums war es, eine faire sowie gerechte Lösung gemeinsam mit den Nachfahren des ursprünglichen Eigentümers herbeizuführen. Dies ist geglückt und die Erbengemeinschaft nach Heinrich Stahl nahm das Restitutionsangebot an», hieß es vonseiten des Museums.
Die Erben trafen daraufhin die Entscheidung, den Brunnen in der Hauptstadt versteigern zu lassen. Für das Kolbe-Museum eine schwierige Situation: Eine eigene erfolgreiche Teilnahme an der Auktion war aussichtslos, da man über keinen Etat für Ankäufe verfüge und auch keine alternativen Finanzierungen sichern konnte.
Neuer Rekord für eine Kolbe-Skulptur
Schon im Vorjahr konnte Grisebach mit Georg Kolbes Skulptur „Stehende Frau“ eine Rekordsumme von 1,4 Millionen Euro erzielen. Laut dem Auktionshaus war das der bis dahin höchste Preis, der je für eine Arbeit des Bildhauers bezahlt wurde. Dieser Betrag wurde nun bei weitem überschritten. (dpa/red)
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