Neue Schau in Nürnberg: Kampfansage an Geschichtsfälscher.
Gegen Lügen im NetzNS-Dokuzentrum Nürnberg öffnet neue Schau mit Original-Objekten

Copyright: Daniel Karmann/dpa
Anhand von 500 Original-Dokumenten, 250 Objekten und visuellen Elementen erzählt die Ausstellung die Geschichte des Reichsparteitagsgeländes.
Nürnberg schlägt zurück! Nach fünf Jahren Umbau-Marathon eröffnet das Dokuzentrum auf dem früheren NS-Reichsparteitagsgelände eine komplett neue Schau. Auf gigantischen 1.600 Quadratmetern gibt es nicht nur eine Fülle an Ausstellungsstücken, sondern auch eine klare Ansage gegen Geschichtsfälschung im Netz.
Los geht es am Freitag mit einem Testlauf für alle Neugierigen, bevor im November die offizielle Eröffnungsfeier steigt. Das Team nutzt die Zeit bis dahin, um die Technik und die frischen, auch inklusiven Info-Angebote gemeinsam mit dem Publikum auf Herz und Nieren zu prüfen.
Geschichte, die unter die Haut geht
Mit 500 originalen Dokumenten, 250 Gegenständen und eindrucksvollen visuellen Mitteln wird die Historie und Wichtigkeit des Reichsparteitagsgeländes erzählt. Laut Leiter Imanuel Baumann werden die Gäste dabei immer wieder angeregt, eine Verbindung zur Gegenwart zu ziehen. Ein umfangreicher Abschnitt befasst sich zum ersten Mal mit der Funktion des Areals im Zweiten Weltkrieg und bringt neue wissenschaftliche Fakten über Zwangsarbeit sowie Deportationen ans Licht.

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Den Kuratorinnen war besonders wichtig, die Objekte so zur Schau zu stellen, dass sie nicht wie NS-Devotionalien wirken.
Ein Spaten des Reichsarbeitsdienstes, ein Reichsadler aus Holz, Scheinwerfer der Zeppelintribüne und Fahnen der Nazis machen spürbar, wie das gigantische Gelände im Südosten von Nürnberg von den Nationalsozialisten zur Machtinszenierung missbraucht wurde. Laut Baumann ist es eine Premiere, dass das Dokuzentrum mit solchen Objekten arbeitet.
Den Ausstellungsmacherinnen lag besonders am Herzen, die Stücke so zu präsentieren, dass sie keinesfalls als Nazi-Andenken erscheinen. Die Fahnen sind deshalb zusammengelegt und der Adler wurde zerlegt und in die Ausstellungsvitrine gepresst.

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Von 1933 bis 1938 inszenierten die Nationalsozialisten ihre mehrtägigen Parteitage in Nürnberg.
Klare Kante gegen Lügen im Netz
Ganz neu ist laut Kuratorin Melanie Wager auch, dass die Schau ihre geschichtlichen Quellen und die Arbeitsweise damit transparent macht. An jedem Bild oder Schriftstück finden die Gäste eine Angabe zur Herkunft des Originals. Markierungen und Vergrößerungsgläser verdeutlichen, welche Erkenntnisse sich zum Beispiel aus Bildern zur Machtergreifung der Nazis in Nürnberg oder zur Verschleppung von Juden ziehen lassen.
Baumann macht klar, wogegen die Ausstellung ankämpft: „Dadurch wollen wir zeigen: Museen sind Orte des Vertrauens“. Das sei die direkte Antwort auf das Netz, in dem unzählige manipulierte historische Dokumente, Fotos oder Filmchen kursieren. Die Folge sei fatal: „Dadurch entsteht eine enorme Verunsicherung der Menschen, die das entweder glauben oder grundsätzlich an geschichtlichen Erzählungen zweifeln.“

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Am Freitag startet die Schau im Probebetrieb, offizielle Eröffnung ist im November.
Steinerne Zeugen des Größenwahns
Die Nationalsozialisten veranstalteten von 1933 bis 1938 ihre tagelangen Parteikundgebungen in Nürnberg. Laut Wager reisten dafür ungefähr eine Million Menschen an – als Publikum oder Mitwirkende bei den Aufmärschen, Paraden und Appellen. Das elf Quadratkilometer umfassende Gelände diente als Hintergrund, blieb jedoch eine unfertige Baustelle. Lediglich das Zeppelinfeld sowie die Haupttribüne wurden als einzige Bauwerke vollendet und existieren noch heute.
Jährlich kommen laut städtischen Angaben um die 300.000 Besucher aus der ganzen Welt, um sich vor Ort über die Nazi-Vergangenheit aufzuklären. Weil es fast keine Zeitzeugen mehr gibt, wächst die Bedeutung der steinernen Monumente des Nazi-Größenwahns.
Aus diesem Grund will die Stadt das Areal bis zum Ende des Jahres 2030 zu einem Bildungsort weiterentwickeln und die baufälligen Gebäude sanieren. Unter anderem ist eine Ausstellung im Inneren der Zeppelintribüne geplant, während am von den Nazis verwendeten Bahnhof Dutzendteich ein Zentrum für Besucher eingerichtet werden soll.
Bund und Land unterstützen das Projekt am Zeppelinfeld sowie an der Kongresshalle mit einer Summe von insgesamt 127,5 Millionen Euro. Letztere soll zu einem kulturellen Treffpunkt mit Ateliers, Räumen für Ausstellungen und einer Ausweichspielstätte für das Staatstheater umfunktioniert werden. Die Förderzusagen werden am Freitag von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer und dem Ministerpräsidenten von Bayern symbolisch ausgehändigt. (dpa/red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
