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„Sch*** drauf“ Emotionales Video: XS-Model rechnet deutlich mit Modebranche ab

Das Model Anna Gantt postete jetzt auf TikTok ein erschütterndes Video. Unser Foto zeigt ein Instagram-Selfie, das die 22-Jährige am 19. Juni 2021 zeigt.

Das Model Anna Gantt postete jetzt auf TikTok ein erschütterndes Video. Unser Foto zeigt ein Instagram-Selfie, das die 22-Jährige am 19. Juni 2021 zeigt. 

Ein erschütterndes Video geht um die Welt. Auf TikTok spricht ein junges Model aus New York Klartext und bricht in Tränen aus, als sie über die Realität in der Modelbranche redet.

Dass die Modewelt von immer schlankeren Frauen beherrscht wird, ist den meisten schon aufgefallen – beispielsweise in der Werbung. Doch wie schwer es für viele Models heutzutage wirklich ist, ihre Existenz zu sichern, und welchen Zuständen sich die Frauen aussetzen müssen, bleibt für viele unklar. 

Die 22-jährige Anna Gantt arbeitet seit sieben Jahren in der Modebranche, doch die Umstände dort seien einfach ungerecht. Auf TikTok postet sie ein knapp dreiminütiges Video, in welchem sie unter Tränen verzweifelt und frustriert über ihren Alltag in New York und über die Anforderungen an Models heutzutage spricht. Die Überschrift des Videos lautet „Willkommen in der Realität eines Models in New York. Ich bin am Boden zerstört.“ Mittlerweile hat der Clip 5,2 Millionen Likes und wurde mehr als 26 Millionen Mal angeschaut.

Anna Gantt: Mitnehmendes Video eines jungen Models aus New York geht um die Welt

Mit brüchiger Stimme und dem Satz „Das hier sind Tage, an denen ich es hasse, ein Model zu sein“ beginnt die 22-Jährige ihr Video. Sie wirkt aufgewühlt, ihre Augen sind voller Tränen. Bevor Anna Gantt weiterredet, muss sie sich erstmal setzen und schlägt kurz die Hände vors Gesicht, dann holt sie tief Luft und erklärt, warum sie es an manchen Tagen hasst, ein Model zu sein: „Weil ich nie gut genug war. Ich bin seit 2014 Model und anfangs trug ich Größe 0-2 (umgerechnet Größe XS), bin auf Laufstegen gelaufen. Jetzt  trage ich Größe 4-6 (umgerechnet Größe XS-S)“. ‚Das ist wirklich dünn‘, denken da wahrscheinlich die meisten.

Doch bevor Anna weiterredet, krümmt sie sich und wischt sich die Tränen aus dem Gesicht. Ihr Gesichtsausdruck und ihre Stimme sprechen Bände. Man möchte die junge Frau am liebsten in den Arm nehmen und trösten. Auch in den Kommentaren des Videos sind alle geschockt und deutlich mitgenommen. „Das ist herzzerreißend“, schreibt ein Nutzer.

Nachdem sie sich wieder gefangen hat, beendet die junge New Yorkerin ihren Satz: „Und jeden Tag werde ich beschimpft, weil ich kein Skelett bin und nicht mehr ungesund lebe und aussehe.“ Auf uns Nicht-Models wirkt das alles so weit entfernt – sieht die Realität wirklich so aus? Müssen junge Frauen etwa wirklich ihre Gesundheit opfern, um in das aktuelle Schönheitsideal zu passen?

Junges Model beichtet: „Jahrelang habe ich unter einer Essstörung gelitten“

Anna zieht sich energisch den Pullover aus und schaut mit intensivem Blick in die Kamera, während sie von ihrem letzten Casting erzählt. „Meine Gefühle wurden verletzt“, beginnt sie. „Vom Produzenten und dem Casting-Direktor.“ Immer wieder unterbricht sie, muss tief Luft holen und sich die Tränen aus dem Gesicht wischen. Dann beichtet sie etwas, dass viele stark erschüttert. „Ich bin 1,77 Meter groß, ich bin gesund. Jahrelang habe ich unter einer Essstörung gelitten, und endlich fühle ich mich selbstbewusst und wohl in meinem Körper.“

Sie hat das Handy wieder hingestellt und zeigt ihren Körper vor der Kamera. Niemand kann leugnen, dass die 22-Jährige sehr schlank ist. „Ich habe 35 Pfund (knapp 15 Kilo) zugenommen. In den letzten fünf Jahren – wirklich.“ In Anbetracht der Tatsache, dass sie mit 18 angefangen hat zu Modeln, ist das nicht weiter schlimm. Denn wenn man sich Anna jetzt anschaut, fragt man sich, wie ungesund sie mit 15 Kilo weniger ausgesehen haben muss – sie hat zurzeit gefühlt schon keinen Gramm Fett mehr an ihrem Körper.

Klares Statement eines Models aus New York

Energisch wendet Anna sich an die Nutzer. „Und ich sehe gut aus! Ich bin immer noch dünn“, sagt sie. Dann wird sie sauer, filmt aus dem Fenster und bringt ein klares Statement zu der Stadt, in der sie lebt – New York. „In dieser Stadt zu leben wird dafür sorgen, dass du dich schlecht fühlst. Es wird dafür sorgen, dass du das Gefühl hast, nicht gut genug zu sein und dass du einen ungesunden Lebensstil haben musst, um etwas zu erreichen.“

Sie zeigt wortwörtlich allem den Mittelfinger. „Scheiß drauf. Scheiß aufs Modeln. Scheiß auf Fashion und die Industrie.“ Anfangs noch verzweifelt und in Tränen aufgelöst, redet sich das Model jetzt in Rage. „Ich bin zu dünn für Plus-Size und zu dick für was auch immer diese Standardgröße XS ist.“

„Ich habe keine Periode mehr bekommen“ – Model erzählt von Erlebnissen aus Modebranche

Die New Yorkerin sei seit 2014 Model, sie arbeitet also schon seit sieben Jahren in der Branche. Jetzt teilt sie eine traurige Wahrheit mit der Community: „Ich sage euch – bei all den Models, mit denen ich in meinem Leben am Set gearbeitet habe: So dünn zu sein ist sehr selten natürlich.“

Solche Gerüchte sind schon lange in Umlauf, aber den wenigsten ist bewusst, wie schlimm die Lage wirklich ist. „Ich habe keine Periode mehr bekommen. Und ich bin schlank, ich bin dünn. Aber trotzdem bin ich zu dick.“

Modebranche stellt ungesunde Anforderungen an Models

„Wir wollen deine Knochen sehen“, hieß es bei Annas Casting. „Das Shooting ist erst Ende Dezember, bis dahin kannst du noch abnehmen.“ Wegen dieser Aussage schlägt Anna die Hände über den Kopf zusammen. Unter ihrem Video stimmen ihr viele andere Models zu: „Genau das ist mir auch passiert.“ Es ist erschreckend zu sehen, dass solche Zustände Normalität zu sein scheinen.

„Ich bin einfach fertig“, sind die letzten Worte in dem Video, in Annas Augen sieht man nichts außer Unverständnis und Frust. Es kommt nicht oft vor, dass ein Model über die ungerechten Zustände in der Modebranche spricht, doch vielleicht wird genau das benötigt, um eine Veränderung zu bewirken. (sai)

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