Nazi-Kalender extrem beliebt Große Nachfrage sorgt für Entsetzen

Prag – Geschmacklosigkeit oder NS-Glorifizierung? In Tschechien hat der Verkauf eines Wandkalenders für das Jahr 2021 mit zahlreichen Nazi-Größen für Entsetzen gesorgt.

Lieferengpass weil Nazi-Kalender so beliebt ist

Das Produkt ist offensichtlich extrem beliebt: Wegen der „großen Nachfrage" gebe es derzeit eine Lieferfrist von 14 Tagen, hieß es am Mittwoch, 27. Mai, im Online-Shop des einschlägig bekannten Prager Militaria-Verlags Nase vojsko (Unsere Armee).

Reinhard Heydrich

Hat einen Platz im tschechischen Nazi-Kalender: Reinhard Heydrich. Er gehörte zu den gefürchtetsten Führungspersonen des Nazi-Regimes. Heydrich starb am 4.6.1942 in Prag an den Folgen eines Attentates durch tschechische Widerstandskämpfer. Aufnahme des SS-Obergruppenführers und stellvertretenden Reichsprotektors von Böhmen und Mähren ist undatiert.

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Abgebildet sind unter anderem die SS-Führer Reinhard Heydrich und Karl Hermann Frank sowie der für grausame Menschenversuche verantwortliche Auschwitz-Arzt Josef Mengele.

Ein Exemplar kostet rund 20 Euro. Wer sich das Werk an die Wand hängt benötigt etwas Platz: Der Kalender hat die Maße 33x48 Zentimeter.

Nazi-Kalender im Onlineshop: Strafanzeige und Entsetzen in Tschechien

Die Föderation der jüdischen Gemeinden in Tschechien kündigte Strafanzeige gegen den Verlag an. Es handele sich um Propagierung des Nationalsozialismus und Glorifizierung von Kriegsverbrechern. Argumente, die sich auf die freie Meinungsäußerung stützen, könnten angesichts dessen nicht mehr standhalten.

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Auch der deutsche Botschafter in Tschechien, Christoph Israng, meldete sich zu Wort. Solche Produkte seien unerträglich, schrieb er bei Twitter. Er verstehe nicht, wie irgendjemand so einen Müll anbieten oder kaufen könne.

Skandal um Nazi-Kalender: Tschechischer Verlag verkaufte auch schon Hitler-Tassen

Das Innenministerium in Prag reagierte auf den Skandal und kündigte einen Mietvertrag über Lagerräume mit dem früheren Staatsverlag. Die Prager Stadtverwaltung hatte dies für einen Verkaufsraum bereits im April 2020 aus ethischen Gründen getan.

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Der Verlag Nase vojsko ist übrigens kein unbeschriebenes Blatt, wenn es um Nazi-Skandale geht: Nase vojsko hatte bereits einmal mit dem Verkauf von Hitler-Tassen für Empörung gesorgt,. Die Polizei sah damals jedoch keine Grundlage für eine Strafverfolgung und legte den Fall ab... (dpa/dok) 

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