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Mozart schlägt alleWarum sich neue Opern so schwertun und die Spielpläne alt sind

Bayerische Staatsoper

Copyright: Sven Hoppe/dpa

Die Bayerische Staatsoper zeigt das neue Werk «Of One Blood». (Archivbild)

Haben neue Opern noch eine Chance gegen Mozart & Co.?

Als Wolfgang Amadeus Mozarts „Hochzeit des Figaro“ am 1. Mai 1786 im Wiener Burgtheater Premiere feierte, war das ein veritabler Eklat. Kritik am Adel, nur drei Jahre vor dem Ausbruch der Französischen Revolution – das war für viele zu brisant. Die Oper wurde zum Stadtgespräch und war hochpolitisch.

Und heute? Wenn die Bayerische Staatsoper an diesem Sonntag die brandneue Oper „Of One Blood“ über die Königinnen Mary Stuart und Elizabeth I. erstmals aufführt, dürfte ein vergleichbarer Aufruhr ausbleiben.

„Eine Uraufführung ist immer eine Reise in völlig unbetretenes Land – ein Zustand, den ich liebe“, erklärt Regisseur Claus Guth, der das Werk inszeniert. „Man kann sich auf nichts verlassen, es gibt keine Referenzen.“ Der Komponist Brett Dean (64) hegt trotzdem die Hoffnung, dass seine Schöpfung „einem neuen Publikum hilft, den Weg in die Oper zu finden“.

Uraufführung «Of One Blood»

Copyright: Monika Ritterhaus/Bayerische Staatsoper/dpa

«Of One Blood»ist eine neue Oper über Mary Stuart und Elizabeth I.

Ein Skandal sei dafür nicht erforderlich, so Guth. „Früher standen Opern viel stärker mitten im politischen und gesellschaftlichen Leben.“ Heutzutage sei die Oper ein etablierter Teil des Kulturbetriebs, was zu weniger direkter Konfrontation führe. „Für mich ist die Frage deshalb nicht, wie man einen Skandal erzeugt, sondern wie man eine andere Form von Dringlichkeit herstellt.“

Harte Zahlen: Klassiker lassen neue Opern alt aussehen

Ein Blick auf die Statistik verdeutlicht, wie schwer es neue Werke haben. Gemäß der Bühnenstatistik gab es in der Saison 2023/24 nur 56 Opern-Uraufführungen, was einem Anteil von lediglich acht Prozent aller Inszenierungen in Deutschland entsprach. Nur 91.384 Besucherinnen und Besucher wollten sie sehen.

Der „Wie bitte?!“-Moment folgt beim Abgleich: Mozarts Kassenschlager „Die Zauberflöte“ allein zog im selben Zeitraum 189.697 Menschen in die Opern – über doppelt so viele wie alle 56 Uraufführungen gemeinsam.

Für Regisseur Guth liegt das auch an der Art und Weise, wie sie funktionieren: „Viele Werke aus dem Repertoire sind über lange Zeit gewachsen – man kennt ihren Klang, ihre Dramaturgie. Bei neuen Opern ist das anders: Sie bringen ihre eigene Sprache mit, und man begegnet ihnen ohne Vergleich.“

„Spielpläne hängen zu sehr an der Vergangenheit“

„Spielpläne kleben oft an der Vergangenheit, aber das Publikum wird dabei unterschätzt“, urteilt Manuela Kerer, künstlerische Leiterin der Münchner Biennale. „Es hat keine Angst vor neuen Klängen, nur vor Langeweile oder Belehrung.“

Ihre Kollegin Katrin Beck hebt hervor, dass die Komponistinnen und Komponisten, die heute neue Opern erschaffen, couragiert seien. „Das sind die, die nicht im Elfenbeinturm Staub ansetzen wollen, sondern die Herausforderungen im Hier und Jetzt suchen.“

Krise? Welche Krise?

Von einer Opernkrise möchte Beck deswegen nichts hören. „Das Interesse ist absolut da.“ Zwar sei es eine Herausforderung, an der „Zauberflöte“ vorbeizukommen, aber sie erkennt Potenzial: „Moderne Opern können Wagner, Verdi, Mozart Konkurrenz machen, wenn die Spielpläne der Opernhäuser ihre große Liebe zur Verlässlichkeit etwas aufweichen. An Talent mangelt es nicht.“ (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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