Reaktionen auf Nacktbild „Lieber Mohamed“-Post – Moderatorin Lola legt nach

lola weippert privat Urlaub

Radio-Moderatorin Lola Weippert konnte es nicht fassen.

Stuttgart – „Du Hure wirst lebendig begraben“: Mit Beleidigungen muss sich Model und Radiomoderatorin Lola Weippert bereits seit Längerem auseinandersetzen, jetzt erhält sie sogar Morddrohungen.

In einer aufsehenerregenden Aktion machte Lola Weippert nun auf das Thema Cybermobbing aufmerksam (hier lesen Sie mehr): Sie zog blank.

Im Interview erklärt die 24-Jährige ihre Motivation dahinter – und was sie Frauen rät, die Ähnliches durchmachen.

Heftige Kommentare gegen Radiomoderatorin Lola Weippert

„Ich finde dich, du Hure, und dann ist Feierabend mit dir“, schreibt larsruemper94. „Du Hurentochter, ich hau deinen Freund tot“, droht arthur.ksv. Und chriscorneliuscelsius wünscht sich, „dass du nachts von 15 Ausländern zutiefst vergewaltigt wirst. Das würde ich extrem feiern.“

Kommentare wie diese landen häufig im Postfach von Model und Radiomoderatorin Lola Weippert. Auf Instagram hat die Stuttgarterin nicht nur fast 300.000 Fans angesammelt, sondern auch eine Reihe von Menschen, die ihr wüste Beschimpfungen und Morddrohungen schicken. Vor einigen Tagen hatte Weippert dann genug: Sie antwortete – auf ihre Art.

Lola Weippert: „Lieber Mohamed, ich hab da mal einen Tipp für dich...“

In einer Reihe von Videos richtet Weippert nun Botschaften an die Menschen, die sie beschimpfen. „Lieber Mohamed“, sagt die 24-Jährige in einem der Videos. „Ich hab da mal einen Tipp für dich: Nimm mal deine Unterlippe, stülp sie über deinen ganzen Kopf, steig rein – und dann: Schluck!“

Darüber hinaus postete sie ein Nacktbild, auf dem sie beide Mittelfinger hochzeigt. „Lasst euch nichts sagen von solchen Parasiten, die euch die Selbstliebe entziehen wollen“, schreibt sie dazu. „Ihr seid wunderschön, so wie ihr seid!“ Die Videos kommen an – und das nicht nur bei ihren Fans: Fast 30.000 Likes und 1100 Kommentare stehen mittlerweile zu Buche.

Ihre Aktion hat ja für ziemlich viel Wirbel gesorgt. Hätten Sie damit gerechnet?

Lola Weippert: Also ehrlich gesagt: Ja. Ich habe sehr, sehr lange überlegt, ob ich das Ganze überhaupt öffentlich machen soll oder stillschweigend entgegennehmen. Aber schlussendlich dachte ich mir: Es ist zu wichtig, um die Klappe zu halten. Und deswegen habe ich dann mein großes Sprachrohr genutzt, um allen Leuten, die selbst in so einer Situation stecken, zu zeigen, wie man mit so einer Situation umgehen sollte. Dass man es einfach mit Humor nehmen sollte.

Sie haben in Ihrem Post ja viele, nennen wir es mal „drastische“, Kommentare gezeigt. In welcher Zeitspanne sind diese Kommentare entstanden? Bekommen Sie so etwas die ganze Zeit hab? Immerhin haben Sie fast 300.000 Follower.

Weippert: Es ist vor allem in letzter Zeit immer mehr geworden. Aber es kommt auch immer darauf an, was man postet und wie kontrovers die Themen sind, die man bearbeitet. In letzter Zeit waren allerdings Hassnachrichten dabei, Morddrohungen … sowas habe ich noch nie zuvor bekommen. Ich finde, es ist eine Sache, wenn jemand sagt: „Du bist unsympathisch“ – ich weiß, kann ich verstehen, ich bin für manche super-nervig und anstrengend. Komplett nachvollziehbar. Aber bei Morddrohungen wird einfach eine Grenze überschritten.

Bei welchem Kommentar haben Sie gesagt: „Jetzt reicht’s“? Wo war die Grenze überschritten?

Weippert: Die ekelhaftesten Kommentare waren einerseits die Morddrohungen, aber auch ein Kommentar mit dem Wunsch, dass ich und meine Familie an Krebs erkranken. Das hat irgendwann Ausmaße bekommen, wo ich mir dachte: Jetzt musst du an die Öffentlichkeit gehen – und die ein oder andere Morddrohung auch zur Anzeige bringen.

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Also Sie sind auch zur Polizei gegangen?

Weippert: Ja. Wenn mich jemand „Hure“ nennt, kann ich das noch ignorieren. Aber wenn dann Morddrohungen kommen und ich nicht weiß, wie ernst die zu nehmen sind… da gilt dann „Safety First“. Das Problem ist oft nur, dass Menschen so etwas unter dem Deckmantel der Anonymität äußern. Das heißt: Fake-Profile, bei denen man nicht nachvollziehen kann, welche Person dahintersteckt.

Das bedeutet, die Polizei kann auch nichts machen und die Anzeigen verlaufen im Sande?

Weippert: Ich hoffe mal nicht. Ich hoffe, dass die einen Denkzettel bekommen. Aber ja, es kann gut sein, dass es im Sande verläuft.

Die bösartigsten Kommentare erhalten Sie bei Fotos, auf denen Sie sich etwas freizügiger zeigen, Bikini-Bilder zum Beispiel. Haben Sie eine Theorie, warum das so ist?

Weippert: Witzigerweise habe ich jetzt eine Nachricht bekommen, die mich nachvollziehen lässt, was da für ein Gedankengang stattfindet. Dass es „aus dem Wald schallt, wie man reinruft“ und dass ich die Freizügigkeit meiner Fotos überdenken soll. Und da muss ich sagen: Selbst wenn ich mich als Nacktmull ablichten lassen würde, kann das die Beschimpfungen und Morddrohungen nicht rechtfertigen.

Den Kommentar haben wir auch gesehen. Der kam von einer Frau.

Weippert: Ja! Das hat mich so schockiert. Es ist ja oft so, dass so ein veraltetes Frauenbild eher von einem Mann kommt. Aber wenn es von einer Frau kommt, wo wir doch eigentlich füreinander einstehen und kämpfen sollten, dann zweifle ich leider, leider an meinen Mitfrauen.

Ihre Aktion war ja auch als Appell gedacht. Haben Sie Rückmeldungen bekommen von Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben wie Sie?

Weippert: Ja, superviele. Wenn man so ein Thema aufmacht, kommen sehr viele Menschen, die ähnliche Probleme hatten, auf einen zu und fragen um Rat. Da habe ich erst gemerkt, was das für eine Gewichtung hat. Das ist ja oft über Generationen hinweg ein lebenslanges Problem. Du wirst im Kindergarten gemobbt, in der Schule gemobbt, im Erwachsenenalter… es gibt ja immer irgendwelche Menschen, die einem nicht das beste wünschen. Man erlebt in jeder Lebenslage diesen Hass und daher ist das ein allgegenwärtiges Thema.

Was empfehlen Sie Menschen, die ähnlichen Hass erleben wie Sie? Welche Strategie haben Sie sich zurechtgelegt? Gibt es dafür überhaupt eine Strategie?

Weippert: Mittlerweile habe ich schon so eine kleine Strategie entwickelt, Früher waren solche Kommentare für mich der Horror. Das hat nur dazu geführt, dass mein Selbstwertgefühl geplatzt ist wie eine Seifenblase. Ich konnte damit gar nicht umgehen, vor allem in der Schule. Aber heute nehme ich es einfach mit Humor, weil ich verstanden habe, dass nicht ich das Problem bin, sondern die Hater, die oft einfach ein Problem mit sich selbst haben.

Ich selbst habe auf Social Media in meinem ganzen Leben noch nie eine Hassnachricht verfasst. Vor allem nicht an einen Menschen, den ich nicht kenne und der mich persönlich nie belangt hat. Ich verstehe leider diese Gedankengänge nicht. Ich würde es oft verstehen wollen, aber… ne (lacht).

Was glauben Sie, was das für Menschen sind, die solche Kommentare verfassen?

Weippert: Ich glaube, das sind oft Menschen, die unzufrieden mit sich selbst sind. Oder Menschen, die einfach Langeweile haben. So typische Internet-Rambos, die sich denken: „Komm, ich habe Langeweile, jetzt hate ich gegen irgendjemanden, um Aufmerksamkeit zu bekommen.“ Früher habe ich geschwiegen, mittlerweile veröffentliche ich auch gerne das ein oder andere humorvolle Video (lacht). Damit diese Menschen das bekommen, was sie nicht wollen: Dass ich drüberstehe, dass ich mich über sie lustig mache und nicht andersherum.

Ihre Strategie hat also einen Wandel vollzogen?

Weippert: Auf jeden Fall. Früher habe ich, wie gesagt, einfach die Klappe gehalten und alles in mich hineingefressen. Das ging schon in der Schule los. Ich hatte einen sehr großen Mund und alle haben mich „Breitmaulfrosch“ genannt oder noch Schlimmeres. Mittlerweile denke ich mir: Na und? Das bin halt ich. Ich kann ziemlich laut reden und viel essen (lacht). Das dauert natürlich super-lange, aber: Man muss es umkehren. Dass man merkt: Okay, das ist meine Persönlichkeit, das bin ich. Und darauf muss man stolz sein.

Radiomoderatorin Lola Weippert

Zur Person: Lola Weippert (24) moderiert die „Morning Show“ beim Stuttgarter Radiosender Big FM. Daneben ist sie als Model und Influencerin auf Instagram tätig.

Dieser Text erschien zuerst bei „Focus Online“.

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