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Deutschlands schräge OrtsnamenIn Pups gibt’s Prügel – Ohnewitz!

Ortsschild

Copyright: imago/Hohlfeld

Keine Angst, hier ist der Name nicht Programm: Das Ortsschild der Gemeinde Kotzen in Brandenburg.

Aktualisiert:

Zum Staunen, Schmunzeln - und vielleicht mal hinfahren: Orte in Deutschland mit sehr skurrilen Namen.

Mit uns geht's auf Namensurlaubsreise durch die Republik, einige prägnante Orte erklären wir ausführlich. Fürs leibliche Wohl ist dank Linsengericht gesorgt. Faulebutter können Sie ja einfach stehen lassen...

Wir starten in Schleswig-Holstein und lernen, dass in Luschendorf keine Lauchs leben, sondern früher mal Elche. Die heißen in der slawischen Sprache „Losse“, weshalb sich der 430-Einwohner-Ortsteil von Ratekau erst Lossendorf nannte, was später zu Luschendorf „vernuschelt“ wurde. Im Norden gibt es auch Brasilien, Kalifornien und Witzwort.

In Speck fängt man Mäuse – ganz bestimmt

Der Name des Ortes Benzin, wo rund 410 Menschen leben, stammt nicht vom Sprit, sondern vom altslawischen „Bak“ für Schrei. Pampig ist man in Patzig sicher auch mal, aber der Name kommt vom slawischen „P’asky“ (sandige Gegend). Außerdem in Mecklenburg-Vorpommern zu finden:

  1. Dümmer
  2. Speck
  3. Jammer
  4. Quassel

Wir betreten einen eher anrüchigen Bereich, in Niedersachsen nämlich gibt’s Krätze, einen Ortsteil von Altmerdingsen bei Hannover; der Name wurde abgeleitet vom ehemaligen Ortsnamen Cretzingen. Außerdem finden sich hier Meinkot (vom plattdeutschen Ausdruck „meine Kate“), außerdem Ekel, das sich ganz harmlos vom niederdeutschen Wort für „Eiche“ ableitet, sowie Fickmühlen – der Ortsname geht gar unschuldig auf einen Müller zurück, der Friedrich hieß. In Niedersachsen ebenfalls noch zu finden:

  1. Affendorf
  2. Hodenhagen
  3. Texas 

Brandenburg: Zum Motzen und Kotzen

Humor bewies das Land Brandenburg 2023, als es die Orte Kackrow, Knoblauch, Kotzen, Motzen, Pitschen-Pickel, Protzen, Ranzig, Sargleben und Sauen zu Protagonisten der Imagekampagne „Schöne Orte brauchen keine schönen Namen“ machte. Der Zungenbrecher Pitschen-Pickel entstand aus den sorbischen Namen der ursprünglich einzelnen Dörfer Pěscyna und Pjakło. Der Name des 20-Einwohner-Weilers Ohnewitz geht auf einen Gutsbesitzer zurück, der 1843 die unlogischen Maße des dortigen Gehöfts mit dem Ausruf „ohne Verstand“ kommentierte.

In Sachsen-Anhalt mag man’s tierisch, der Name des Ortes Hundeluft mit etwa 235 Einwohnern geht auf ein Areal zurück, auf dem die Burgherren im Mittelalter ihre Hunde laufen ließen – Hundelauf wurde zu Hundeluft. Nicht weit weg liegt Pißdorf, dessen Wappen einen springenden Hund zeigt. Und weil Vierbeiner öfters einen Haufen machen, gibt’s in diesem Bundesland auch Oberkaka und Unterkaka, beides Teile der Gemeinde Meineweh. Die Endung „-kaka“ geht auf den Ortsnamen von 976 zurück: Villa Chaka.

Ortsschild für Tittenkofen

Copyright: IMAGO/Zoonar

Klingt aufregend bis anrüchig, der Name Tittenkofen meint aber lediglich „bei den Höfen der Leute, die zu einer Person namens Tuto gehören“. Laaaangweilig!

Die Sachsen haben’s gut, auch wenn sie in Elend leben – der Name kommt laut Onlinesprachschule Lingoda vom althochdeutschen Begriff für „außer Landes“: „Alia landa“. Mit der Zeit wurde daraus eben Elend. Gar nicht gruselig ist Frankenstein, wo früher Franken wohnten. Ebenfalls in Sachsen liegen Schwarzer Kater und Oberhäslich – dessen Name nicht auf unansehnliche Gegebenheiten, sondern auf Haselbüsche zurückgeht.

Lederhose würde man eher in Bayern verorten als in Thüringen. Doch die 261-Einwohner-Gemeinde ist nicht nach dem krachledernen Kleidungsstück benannt, sondern nach der slawischen Siedlung Ludoraz. Thüringen hat zudem noch Drogen und Kuhfraß zu bieten.

Hessen wartet u. a. mit Gewissenruh und Aua auf – hat laut Lingoda nix mit Schmerzen zu tun, sondern mit dem altdeutschen Wort „Owe“, was Aue bedeutet. Linsengericht mit 9500 Einwohnern nahe Darmstadt könnte seinen Namen von „Lindengericht“ (früher üblicher Strafprozess unter der Dorf-Linde) haben. Oder von der Tatsache, dass dort Linsen angebaut wurden. Ebenfalls in Hessen verortet:

  1. Machtlos
  2. Zorn
  3. Poppenhausen
  4. Sterbfritz

Neckische Namen in NRW

In NRW ganz vorn dabei ist Köterberg im Weserbergland (auch liebevoll „Monte Wau Wau“ genannt). Laut Stadt Lügde, zu der Köterberg gehört, leitet der Name sich von „Kötter“ (Kleinbauer) ab. Unter anderem in Leverkusen gibt’s Fettehenne, der Name könnte sich auf „fetter Hag“, fruchtbares Land, beziehen. Im Bergischen liegt Kaffeekanne, dem Landschaftsverband Rheinland zufolge kommt der Name von der Kaffeepause, die die Fuhrleute hier vor dem steilen Anstieg machten. Die Bezeichnung Faulebutter, ein Ortsteil von Finnentrop, geht aufs mittelniederdeutsche „vûl“ (faul) und „bôt“ (Ernte) zurück: durch Fäulnis verdorbene Ernte. Weitere witzige Weiler in NRW sind unter anderem:

  1. Witzhelden
  2. Habenichts
  3. Deppendorf
  4. Wetter
  5. Halbhusten
  6. Oberholzklau
  7. Pech

In Rheinland-Pfalz gibt’s Busenhausen, dessen Name entweder von Buchsbäumen oder dem alten Rufnamen „Bouso“ herrührt. Außerdem hier zu finden: Langweiler, Oberbillig, Alf und Fell.

Prügel, Pups und Schabernack

Die Bayern sind top in Sachen skurrile Ortsnamen: Knochenmühle mit vier Einwohnern bei Coburg geht auf den Müller Nicolaus Knoch zurück. Prügel in Oberfranken ist nicht für rauflustige Einwohner berüchtigt, der Name kommt vom mittelhochdeutschen „bruel“ (Feuchtwiese). Der Ort Pups hieß ursprünglich Pupfs, Schabernack hat seinen Namen von gerodeten Bäumen, deren Silhouette aussah wie ein geschabter Nacken. Außerdem gibt’s in Bayern: Antwort, Petting, Hölle, Tittenkofen, Tussenhausen, Katzenhirn.

Hirn haben auch die Baden-Württemberger: Spinnenhirn nämlich. Geht zurück auf den Spitznamen des Siedlungsgründers (der „spinnert“ war). Im Ländle liegen Süßen und Kuchen dicht zusammen. Außerdem gibt’s noch Niemandsfreund, Mückenloch, Liebesdorf und Killer.

Kreuzfahrtschiff „Aida Perla“ im Hamburger Hafen.
Notfall auf hoher See
Hubschrauber holt Passagier von Kreuzfahrtschiff „Aida Perla“