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Kuriose BegräbnisseAndere Länder, andere Abschiede

Skelettfiguren am Tag der Toten in Mexiko

Copyright: imago/robertharding

Der Día de los Muertos in Mexiko erinnert daran, dass die Verbindung zu den Liebsten bestehen bleibt. Der Tag ist offizielles UNESCO-Weltkulturerbe.

Im November wird bei uns traditionell der Verstorbenen gedacht. Doch wie begegnen Menschen weltweit dem Abschied? Unsere Bilder zeigen es.

Jährlich treten immer mehr Leute aus den beiden großen christlichen Kirchen aus, und immer häufiger kommt die Frage auf, ob wir kirchliche Feiertage eigentlich überhaupt noch feiern sollten. Während Skeptiker in diesen Tagen oft nur eine lästige Pflichten sehen, klammern sich andere an den Halt, den Traditionen unserer Gesellschaft noch geben. Nehmen wir als Beispiel den 1. November: Allerheiligen. Bereits im Jahr 835 erfand man diesen Tag rein aus organisatorischer Not, weil schlichtweg der Platz im Kalender ausging, um all den unzähligen Heiligen einen eigenen Tag zu widmen. Clevererweise legte man das Fest in den Herbst – nach eingebrachter Ernte war schließlich genug Essen da, um ordentlich zu feiern. Zeigt auch, worum es eigentlich ging: Man sollte den Heiligen gedenken, den Verstorbenen allgemein gehört tatsächlich der 2. November – Allerseelen.

Da dieser Tag aber z. B. in NRW kein offizieller gesetzlicher Feiertag ist, gehen viele Familien eben an Allerheiligen auf den Friedhof, um ihren Liebsten zu gedenken. Viele stellen Grabkerzen auf, pflegen das Grab und schwelgen in Erinnerungen. Wenn die Trauer bunt wird Doch wer den Blick über die deutschen Landesgrenzen hinaus richtet, erlebt eine ganz andere Welt: Denn während wir hierzulande eher im Stillen und oft alleine oder nur engsten Familienmitgliedern trauern, wird der Tod andernorts mit lauter Live-Musik, Straßenpartys, tanzenden Skeletten und meterhohen Feuern zelebriert. Ob farbenfrohe Altäre für die Heimkehrer aus dem Jenseits in Mexiko, riesige Feuerbeerdigungen im balinesischen Dschungel oder eine Totenwache mit viel Whiskey, bei der man nicht zwischen dem offenen Fenster und der Leiche laufen darf – die Welt zeigt, dass Abschied auch sehr bunt sein kann. Eine Weltreise mit dem „Guide to Death“ (Lonely Planet; 24,95 Euro) durch die kuriosesten, prunkvollsten und berührendsten Begräbnisrituale zeigt, wie vielfältig Brauchtum und Traditionen rund um den Tod wirklich sein können – und dass die Trauer viele Gesichter haben kann. Aber seht selbst:

Día de los Muertos in Mexiko

Dia de Muertos

Copyright: IMAGO/Newscom World

Individuelle Altäre sind geschmückt mit den Lieblingsdingen der Verstorbenen. Und natürlich mit Blumen und Kerzen.

Ein weltberühmtes Fest, das den Tod farbenfroh feiert. Familien schmücken leuchtende Hausaltäre mit Kerzen, Ringelblumen und den Lieblingsdingen der Verstorbenen – von Zigarren bis Süßigkeiten. Frauen ziehen als „La Catrina“ mit bemaltem Schädelgesicht und Blumenseidenkleidern durch die Straßen. Am 1. November kehren die Seelen symbolisch zurück, um gemeinsam im Kreise der Liebsten zu feiern. Diese einmalige Tradition hat längst die globale Popkultur erobert – und begeistert Menschen auf der ganzen Welt.

Die Katakomben unter großen Städten

Knochen und Totenschädel in den Pariser Katakomben

Copyright: IMAGO/IP3press

Schädel über Schädel, Knochen noch und nöcher: Blick in die Katakomben von Paris.

Unter den Straßen von Städten wie Paris oder Rom liegen riesige, unterirdische Tunnelsysteme voller Geschichte. Als die oberirdischen Friedhöfe vor Jahrhunderten völlig überfüllt waren, verlegte man Millionen Gebeine unter die Erde – und stapelte sie kunstvoll entlang der Felswände. Heute sind diese Massengräber beeindruckende Zeitzeugen dafür, wie frühere Epochen mit Platzmangel und dem Abschied umgingen. Die kilometerlangen Gänge ziehen bis heute Besucher aus aller Welt in ihren Bann, die diesen mystischen Hauch der Vergangenheit hautnah erleben wollen.

Die hängenden Särge von Sagada

Hängende Särge an Felswand, Echo Valley, Sagada, Gebirgsprovinz, Philippinen, Asien

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Hängende Särge an einer steilen Felswand im philippinischen Echo Valley.

Hoch oben an den steilen Felswänden eines philippinischen Bergdorfes thronen jahrtausendealte Särge in luftiger Höhe. Nach einem alten Brauch schnitzen die Ältesten ihren Sarg vor dem Tod selbst. Wenn sie gestorben sind, wird die Leiche zuvor geräuchert, um sie zu konservieren. Je höher der Sarg an der Felswand, desto größer ist das Ansehen des Verstorbenen. Heute ist diese spektakuläre Art der Bestattung vor allem Gemeindeoberhäuptern vorbehalten, es sind in der Regel nur Männer.

Jazz-Beerdigung in New Orleans

Leichenzug für David Bowie 2016 in New Orleans

Copyright: imago/UPI Photo

Hunderte Menschen säumen die Straßen in New Orleans (USA) und applaudieren den Musikanten. Nicht immer ist gar so viel los, das Foto entstand am 16. Januar 2016, als eine Parade zu Ehren des am 10. Januar verstorbenen Musikers David Bowie abgehalten wurde.

Hier wird der letzte Weg zum musikalischen Ereignis. Statt trauriger Klagelieder begleitet eine Blaskapelle den Verstorbenen mit lebendigen Rhythmen auf dem Weg zum Friedhof. Nach der Beisetzung bricht die Trauer in pure Lebensfreude aus: Die Stimmung schlägt um, man tanzt, schwenkt Taschentücher und feiert im so genannten „Second Line“-Umzug eine ausgelassene Party. Es ist ein farbenfrohes Spektakel, bei dem der Tod durch die Kraft des Jazz in einen ekstatischen Abschied verwandelt wird.

Feuerbestattung auf Bali

Lodernde Flammen am geschmückten Sarg bei Feuerbestattung auf Bali

Copyright: IMAGO/imagebroker

Lodernde Flammen am geschmückten Sarg bei Feuerbestattung auf Bali.

Es ist ein gigantisches Spektakel zur Befreiung der Seele, auf Bali wird der Verstorbene in einem bis zu 20 Meter hohen, goldverzierten Bambusturm von Dutzenden Männern zum Verbrennungsplatz getragen. Da diese aufwendige Zeremonie ein kleines Vermögen kostet (1500 US-Dollar, umgerechnet 1345 Euro) , müssen Familien oft monatelang sparen (das monatliche Einkommen liegt bei 134 Euro). Die Toten müssen, bis das Geld zusammengekommen ist, manchmal zunächst vorübergehend beerdigt werden. Nach der Verbrennung wird die Asche ins Meer gestreut, während der Geist wenige Tage später im Familienschrein willkommen geheißen wird.

Verrückte Särge aus Ghana

Särge in einer Werkstatt in Accra/Ghana

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Adler und Kamera als bestellte Särge in einer Sargwerkstatt in Ghanas Hauptstadt Accra.

Hier bekommt der letzte Weg eine ganz persönliche, kreative Form, die Särge haben z. B. die Form einer Chilischote, eines Schiffs oder eines Flugzeugs. Was früher ghanaischen Königen vorbehalten war und strengen Totems (Regeln) folgen musste, ist heute für jeden zugänglich: Die sogenannten Fantasy Afterlife Vehicles (FAVs) spiegeln Hobbys oder Träume des Verstorbenen wider. In wochenlanger Handarbeit entstehen echte Kunstwerke, die von der Kunstwelt gefeiert und von Einheimischen geschätzt werden.

Totenumbettung in Madagaskar

Prozession mit Sarg auf Madagaskar

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Ein Leichenzug bei der Umbettung eines Verstorbenen auf der Insel Madagaskar

Alle fünf bis sieben Jahre öffnen Familien hier ihre Gräber, um mit den Toten zu tanzen. Das Ausgraben ist kein trauriger Moment, sondern ein festliches Wiedersehen, bei dem die sterblichen Überreste ausgepackt, gewaschen und in frische Seidentücher gehüllt werden. Da die Verstorbenen als Bindeglied zu Gott gelten, erbittet man bei dieser Gelegenheit ihren Segen und Rat. Mit reichlich Essen, Musik und Rum wird der Übergang ins Jenseits gemeinsam gefeiert und die tiefe Verbindung zu den Vorfahren gestärkt.

Begräbnispracht in China

Chinesische Beerdigung

Copyright: imago images/VCG

Blumen, Gestecke und letzte Grüße bei einer prunkvollen Beerdigung in China.  Je erfolgreicher der Tote, desto üppiger die Feier.

Prachtvolle chinesische Beerdigungen sind ein gigantisches Spektakel für die ganze Nachbarschaft. Hier geht es darum zu zeigen, wer man war. Erfolgreiche Verstorbene werden für Millionen Yuan mit vergoldeten Särgen, Jade-Urnen, feurigem Spektakel, edlem Reiswein und teuren Zigaretten verabschiedet. Laute Musik und tagelange Rituale vertreiben böse Geister – ein pompöser Abgang als letzter Beweis für ein gelungenes Leben. Wer hier im großen Stil feiert, hinterlässt der Welt das unmissverständliche Statement: Er oder sie hat es im Leben nach ganz oben geschafft.

Irische Totenwache

Ein Glas Whiskey und eine Zigarre

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Mit Whiskey und Spielen gedenkt man in Irland des geliebten Verstorbenen.

In Irland feiert man das Leben direkt neben dem Verstorbenen – mit Musik, Spielen und reichlich Whiskey. Der Leichnam wird zu Hause aufgebahrt und keine Sekunde alleine gelassen. Ein geöffnetes Fenster zeigt der Seele den Weg nach draußen. Man darf sich bloß nicht dazwischenstellen, um den Geist nicht aufzuhalten. Später wird das Fenster geschlossen, damit die Seele nicht zurückkehrt.Die feuchtfröhliche Runde hilft den Hinterbliebenen dabei, gemeinsam wach zu bleiben und die schwere Trauer besser zu bewältigen.

Koreanische Ascheperle

Schmuck mit farbigen Perlen als Nahaufnahme

Copyright: imago/JuNiArt

In Korea wird die Asche Verstorbener zu künstlichen Perlen verarbeitet.

Ein außergewöhnlicher Weg des Gedenkens – die Asche von Verstorbenen wird zermahlen und unter enormer Hitze kristallisiert. So entstehen glänzende Erinnerungsperlen (ähnlich denen oben im Foto), die smaragdgrün, violett oder tiefblau schimmern. Diese Kügelchen bewahrt man zu Hause auf oder trägt sie als Schmuckstück immer nah bei sich. Der Brauch entstand aus der Not heraus, weil Begräbnisplatz fehlte. Entstanden ist eine wunderschöne, ganz persönliche Kunstform der Erinnerung.