„Sieg für die Frauenbewegung“ Kolumbien ändert Abtreibungsgesetz

Pro-Abtreibungs-Aktivisten versammeln sich vor dem Verfassungsgericht und demonstrieren mit Fahnen, Tüchern und Schildern.

In Kolumbien gab es eine große Debatte um das Abtreibungsrecht von Frauen. Das Foto, welches einige Pro-Abtreibungs-Aktivisten zeigt, wurde am 9. Februar 2022 in Kolumbien aufgenommen.

In vielen Ländern haben Frauen nicht das Recht auf Abtreibung, selbst wenn sie vergewaltigt wurden oder die Geburt tödlich enden könnte. In Kolumbien ist das jetzt anders: Das Land hat kürzlich Abtreibungen legalisiert.

In Kolumbien hat das Verfassungsgericht die Abtreibung bis zur 24. Schwangerschaftswoche erlaubt. Dies gab das Gericht in einer Mitteilung am Montag (Ortszeit) bekannt.

Zuvor war der Abbruch von Schwangerschaften in dem südamerikanischen Land nur in besonderen Fällen erlaubt gewesen, etwa nach einer Vergewaltigung, Lebensunfähigkeit des Fötus oder bei Gefahr für das Leben der Mutter. Schätzungen zufolge gab es dort pro Jahr rund 400.000 heimliche Abtreibungen. Nach der 24. Schwangerschaftswoche gelten weiter die bisherigen Gründe für eine legale Abtreibung.

Frauen feiern neues Abtreibungsgesetz als historischen Sieg

„Wir feiern dieses Urteil als einen historischen Sieg für die Frauenbewegung in Kolumbien, die seit Jahrzehnten für die Anerkennung ihrer Rechte kämpft“, sagte die Regionalchefin von Amnesty International, Erika Guevara Rosas.

„Es ist ein weiteres Beispiel für das unaufhaltsame Fortschreiten der grünen Welle in Lateinamerika.“ Grüne Tücher sind das Erkennungsmerkmal der Kampagne für legale, sichere und kostenlose Abtreibungen.

Kritik an langer Abtreibungs-Zeitspanne

Das Urteil begrüßen viele, doch es gibt auch Kritik. Der Grund: Die Zeitspanne für die Abtreibung sei sehr lang. In Deutschland ist eine Abtreibung nur bis zur 12. Woche erlaubt, während in Kolumbien noch bis zur 24. Woche abgetrieben werden kann. In dieser Zeit werden teilweise schon Kinder geboren: Zwar handelt es sich um Frühgeburten, welche mit hohen Risiken einhergehen, dennoch hat das Kind laut „frauenaerzte-im-netz.de“ ab der 22. Woche schon eine 50%ige Überlebenswahrscheinlichkeit.

Abtreibung ist in vielen Ländern noch immer Tabu-Thema

In Argentinien war Ende 2020 ein Gesetz zur Liberalisierung der Abtreibung bis zur 14. Schwangerschaftswoche verabschiedet worden. In den meisten anderen, ebenfalls christlich geprägten lateinamerikanischen Ländern sind Schwangerschaftsabbrüche nur in Ausnahmefällen erlaubt.

Ecuador brachte in der vergangenen Woche ein Gesetz auf den Weg, das die Abtreibung nach einer Vergewaltigung erlaubt. In Chile scheiterte ein Gesetz zur Liberalisierung der Abtreibung Ende vergangenen Jahres vorerst. Einzig in lateinamerikanischen Ländern wie Uruguay, Kuba, Guyana, Französisch-Guyana und in Teilen Mexikos sind sie legal. In El Salvador sind Abtreibungen sogar grundsätzlich verboten und werden mit Freiheitsstrafen geahndet. Selbst Fehlgeburten werden mit drastischen Strafen belegt. (dpa)

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