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Neue Studie zur HöflichkeitJüngere sagen seltener „bitte“ und „danke“

Was ist höflich? Das untersuchen Forscher in Berlin und Bielefeld. (Symbolbild)

Copyright: Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Was ist höflich? Das untersuchen Forscher in Berlin und Bielefeld. (Symbolbild)

30-Jährige sagen nur bei jeder vierten Bitte „bitte“, 70-Jährige doppelt so oft. Unhöflich seien Jüngere deshalb nicht, sagen die Forschenden.

Ältere verwenden „bitte“ und „danke“, so wie man es ihnen beigebracht hat. Jüngere greifen im Alltag deutlich seltener darauf zurück. Daten eines Forschungsprojekts der Freien Universität Berlin und der Universität Bielefeld zeigen: 30-Jährige sprechen das Wort nur bei jeder vierten Bitte aus, 70-Jährige fast doppelt so oft.

Unhöflich seien Jüngere deshalb nicht, betonen die Forschenden. Sie hätten schlicht ein anderes Verständnis davon, was höflich ist. Auch Ausdrücke wie „vielleicht“ oder „eventuell“ wirkten sanft und freundlich. „Kannst du mir das vielleicht erklären?“ gelte daher durchaus als höflich, selbst ohne „bitte“ und „danke“.

Jüngere Menschen duzen auch häufiger

Auch das förmliche „Sie“ verliert zusehends an Boden. „Jüngere Menschen duzen häufiger als ältere“, sagt Janel Zoske, Linguistin an der FU Berlin. „Die Wahl der Anrede hängt aber nicht nur vom eigenen Alter ab, sondern auch davon, wie alt unser Gegenüber ist.“

Die Ergebnisse stammen aus dem internationalen Projekt „Variantenpragmatik des Deutschen: Kommunikative Muster im Vergleich“. Untersucht wurde unter anderem, wie Menschen Bitten formulieren und welche Rolle Alter und Region dabei spielen. Hauptsächlich kamen Online-Fragebögen zum Einsatz. Die Befragten notierten, wie sie in einer bestimmten Situation reagieren würden.

Auch regional zeigen sich Unterschiede. In der Schweiz begrüßt man einander häufig mit Namen, in Deutschland und Österreich geschieht das seltener. In der Schweiz, so Henrik Discher, empfänden Menschen Deutsche eher als schroff. Discher sagte dem FU-Magazin „Campus.Leben“: „Bisher gibt es jedoch keine überzeugenden empirischen Belege dafür, dass Menschen in Deutschland unhöflicher sprechen als in Österreich oder der Schweiz.“

Siezen sowie „bitte“ und „danke“ erkennen selbst Laien leicht als höflich. Laut Discher gibt es jedoch viele weitere Wege, Höflichkeit auszudrücken: den Konjunktiv („Hättest du Zeit...?“), indirekte Formulierungen oder vorsichtige Fragen. Dabei zeigt sich ein Nord-Süd-Gefälle. Im Süden des deutschsprachigen Raums finden sich mehr Merkmale dieser Art, oft auch kombiniert. Als Beispiel nennt Discher: „Könnte ich bitte eventuell ganz kurz mal?“

Höflichkeit auf dem Prüfstand: Podium an der FU Berlin

Am Mittwoch (4. November) debattiert die Freie Universität Berlin in einem Podium über Höflichkeit in der Alltagssprache. Der Titel lautet: „Die Berliner Schnauze auf dem Prüfstand“. Dem Klischee nach herrscht dort traditionell ein rauer Ton. (dpa/red)