Ein japanischer Lokführer bekam wegen einer einminütigen Verspätung der Bahn eine Lohnkürzung von umgerechnet 40 Cent. Er legte Klage ein. Nun hat das Gericht entschieden...
Lohnabzug für LokführerBestrafung für eine Minute Verspätung – jetzt hat ein Gericht entschieden

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Einem japanischen Lokführer wurde der Lohn gekürzt, weil seine Bahn eine Minute Verspätung hatte. Der Lokführer hat Klage eingereicht. Das Symbolfoto wurde am 3. Januar 2021 am Bahnhof Shin-Osaka in Osaka aufgenommen.
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Was für eine kuriose Geschichte. Was für ein trauriges Ende. Einem Lokführer in Japan wurde der Lohn gekürzt, weil seine Bahn eine Minute Verspätung hatte.
Der Mann zog vor Gericht und klagte gegen seinen Arbeitgeber. Nun haben die Richter entschieden. Das zuständige Bezirksgericht in der Präfektur Okayama verurteilte den angeklagten Bahnbetreiber West Japan Railway Company (JR West) am Dienstag, 19. April 2022 dazu, dem Lokführer einschließlich entgangener Überstundenzahlung 56 Yen zu zahlen – umgerechnet 40 Cent. Den Sieg vor Gericht erlebte der Mann aber nicht mehr. Er vestarb in diesem Jahr. Dies berichtete die Tageszeitung „Yomiuri Shimbun“.
Gericht in Japan hat entschieden: Lokführer bekommt Geld zurück
Der Lokführer hatte 2020 einen leeren Zug am Bahnhof Okayama in ein Depot fahren sollen, sich aber zunächst im Bahnsteig geirrt. Dadurch verzögerte sich die Abfahrt um eine Minute. Zur Bestrafung wurde ihm der Lohn um 43 Yen gekürzt. Dagegen zog der Lokführer vor Gericht.
Der Bahnbetreiber JR West hatte die Lohnkürzung mit ihrem strengen Arbeitsprinzip gerechtfertigt: „keine Arbeit, kein Lohn“. Der Lokführer habe während der Verwechslung nicht gearbeitet. Dagegen argumentierte die Klägerseite, die beanstandete eine Minute Verspätung sei sehr wohl Arbeitszeit gewesen. Außerdem sei es durch das Versehen des Lokführers zu keinerlei Unterbrechung der Zugfahrpläne gekommen.
Der Lokführer hatte vor Gericht die ihm gekürzten 43 Yen plus 13 Yen an Überstundengeld eingefordert - außerdem 2,2 Millionen Yen (16.300 Euro) Schadenersatz für die durch die Entscheidung seines Arbeitgebers verursachten psychischen Leiden.
Der bizarre Rechtsstreit wirft nicht nur ein Schlaglicht auf die legendäre Pünktlichkeit der japanischen Bahnen, sondern auch auf Japans nicht selten ausbeuterische Arbeitswelt. Im Internet erhält der Zugführer von Landsleuten viel Unterstützung für seine Klage. „Sie können also jemandem das Gehalt um eine Minute kürzen, aber Überstunden können sie nicht in Minutenschritten bezahlen“, schrieb ein Nutzer laut eines Medienberichts.
Japans Bahnen sind ohne jeden Zweifel Weltklasse. Zu Recht ist die Hightech-Nation stolz auf die Zuverlässigkeit ihrer obendrein sauberen Züge. Für Takeshi Hara, Professor der Open University of Japan, geht die Gewohnheit, sich absolut strikt an den Zeitplan zu halten, auf die einstigen Sonderzüge für das Kaiserpaar zurück. In der Zeitung „Asahi Shimbun“ erzählt er, wie bei einer Reise des Kaisers 1928 nach Kyoto der Zeitplan auf die Sekunde genau eingehalten wurde.
Japan besteht auf seine „kaiserliche“ Pünktlichkeit
Mit der „kaiserlichen“ Pünktlichkeit nimmt es Japan noch heute höchst genau. Das gilt auch für Japans Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen, der Stolz der Nation. Außer bei Naturkatastrophen wie Erdbeben kommt es auch hier kaum zu Verspätungen. Kommt es doch mal zu kurzen Verspätungen von nicht einmal einer Minute, führt dies zu wiederholten Entschuldigungen gegenüber den Fahrgästen.
2017 hatte sich ein Bahnbetreiber zu einer Entschuldigung gezwungen gesehen, weil eine Vorortbahn aus Tokio nicht zu spät, sondern zu früh abgefahren war: um 20 Sekunden. Dabei hatte sich gar keiner beschwert. (dpa)

