Satzvey – Die anthroposophische Veytalschule in Satzvey ist ein moderner, lichtdurchfluteter Bau. Nur ein kleiner Schandfleck mit rostigen Türen am Rande des Schulhofs stört das Gesamtbild. Doch wehe, Sie drücken die Klinke!
Wer diese blaue Tür durchschreitet, gelangt in einen ehemaligen Atombunker der Landeszentralbank, der im Kalten Krieg Bonzen und Geldreserven schützen sollte.
Der Bunker gehört zu einer Vielzahl von Höhlen, Tunneln, Bergwerken, Kellern und Stollen, die die Unterwelt der Eifel wie ein Netz durchziehen. Kabarettist und Eifelhistoriker Achim Konejung (62) hat sie über Jahre hinweg allesamt aufgesucht, die öffentlich zugänglichen Zeugnisse vergangener Zeiten, die den Eiflern Unterschlupf und Rohstoffe geliefert haben.
„Wohl kaum ein Landstrich in Deutschland bietet unter Tage so eine vielfältige Parallelwelt wie die Eifel“, sagt er. Wir haben uns mit ihm auf kurzweilige Spurensuche gemacht.
Erste Station: Die Kakus-Höhle in Mechernich
Hier soll der Teufel die Bauern Karfreitag zum Kartenspiel verführt haben. Dem Eifelhistoriker bricht in einer Felsenenge der Schweiß aus. „Weiter geh’ ich nicht“, stöhnt er.

Copyright: Kahlmeier
Achim Konejung vor der römischen Wasserleitung, die von Nettersheim nach Köln führt. Noch heute kann man den Weg oberirdisch abwandern.
Der Kabarettist, der früher sogar selbst schon mal unter Tage gearbeitet hat, leidet seit seinen Recherchen zu seinem Bildband unter Höhen- und Platzangst. Nach dem er einige Höhlen besichtigt hatte, sei er am nächsten Morgen aufgewacht und habe so verdötscht wie Quasimodo ausgesehen, erzählt er. Er litt plötzlich unter einer schweren Gürtelrose.
Achim Konejung: „Es gab keine Fluchttunnel“
„Vielleicht ist an den Sagen der Eifel ja doch etwas dran und ich bin einer Fee auf die Schleppe getreten“, lacht er heute. Die meisten Geschichten und Mythen der Eifel seien allerdings reine Erfindungen, belegen Konejungs Recherchen: „Es gab keine Fluchttunnel, Verbindungsstollen von Bunkern oder Folterverließe.“
Weiter geht’s. Neben den etwa 70 natürlichen Höhlen wie in Kordel oder Birresborn gibt es noch viele weitere künstliche Höhlen. Sie entstanden, um wertvolles Material zu gewinnen.
Konejung: „Der Eifeler Mühlstein aus dem Raum Mayen-Meding wurde schon in früher Neuzeit in alle Welt transportiert – sogar bis nach Amerika. Und schon die Römer benutzen den Brohltaler Tuffstein. 40 Prozent der Bausteine für den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg stammten aus dem Bims- und Tuffabbaugebiet des Neuwieder Beckens.“
Schnaps selbst für Kinder

Copyright: Eifelbildverlag
Jahrelang recherchierte der Kabarettist Achim Konejung für seinen großen Bildband „Eifeler Unterwelten“ (39,99 €).
Schon früh sei in der Eifel Erz gewonnen worden, weiß er. Ein Blick in die Grube Wohlfahrt mit ihren niedrigen Stollen genügt, um dem Historiker zu glauben: „Die Arbeiter erhielten pro Tag eine Flasche Schnaps, auch die Kinder mussten trinken, um Temperaturen von 9 Grad zu ertragen.“ Kein Wunder, dass die Menschheit damals weder groß noch alt wurde.
Der Wahleifler gerät ins Schwärmen, wenn er in Urft-Dalbenden durch den Wald schreitet. Er zeigt auf eine Röhre in Massivbauweise. „Unvorstellbar, dass die Römer vor mehr als 2000 Jahren so etwas konstruieren konnten“, erklärt er, „das hier ist Teil einer 95 Kilometer langen Wasserleitung von Nettersheim bis zum Kölner Rudolfplatz. Sie hat ein stetiges Gefälle von 0,5 Prozent“.
Kriegs-Geschichten aus der Eifel
Nächste Etappe: Ob Erster, Zweiter Weltkrieg oder der Kalte Krieg – die Eifel war immer mittendrin. Und Konejung hat „Kriegs-Geschichten“ ausgegraben, die man in keinem Reiseführer findet.
Zum Beispiel die des Felsennestes in Rodert. Die Bunkeranlage sollte als Hitlers provisorisches Hauptquartier aufgebaut werden, weil der „Führer“ näher an der Front sein wollte.
Dumm nur, dass die ursprüngliche Flurbezeichnung „Eselsberg“ lautete – und weil keiner Hitler zum „Esel“ machen wollte, wurde der Hügel 1940 in „Felsennest“ unbenannt. Wie die Eifler den Bunker nannten, steht auf einem anderen Papier.

